Kongo: Gefährliche Flucht

CARE unterstützt Frauen im Kongo, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, mit Informationen, Medizin und Kleinspargruppen

Im Osten des Kongos weiten sich die gewalttätigen Konflikte zwischen Rebellen und Regierungstruppen weiter aus. Die betroffene Bevölkerung flieht daher in das Flüchtlingslager in  Kanyaruchinya, nördlich der Stadt Goma. Seit Mitte Juli leben hier etwa 30.000 Menschen. Vor allem Frauen werden auf der Flucht häufig Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt.

CARE unterstützt in Kanyaruchinya eine Klinik, in der betroffene Frauen medizinisch behandelt und unterstützt werden. Rose Vive, CARE-Expertin für Gewalt gegen Frauen, hat die Klinik besucht. Zwei Frauen, die am Tag zuvor vergewaltigt wurden, erzählten ihr ihre Geschichte:

„Unsere Ehemänner mussten uns verlassen, um gegen die Rebellen zu kämpfen. Alleine fühlten wir uns zuhause nicht mehr sicher, also sind wir mit vielen anderen Menschen aus dem Dorf hierher geflüchtet. Wir haben beide vier kleine Kinder, nach einigen Tagen hatten wir für sie und uns nichts mehr zu essen. Jemand schenkte uns Kartoffeln, aber um sie zu kochen, mussten wir Feuerholz sammeln. Wir trafen eine Gruppe von Männern, die uns fragten, ob wir alleine seien. Wir verneinten und sagten, wir seien mit einer großen Gruppe unterwegs. Die meisten gingen dann, aber zwei Männer blieben.“

Sie blieben und vergewaltigten sie, dann ließen sie sie in der Dunkelheit zurück. Die Frauen waren traumatisiert und wussten nicht, was sie tun sollten. Am nächsten Tag erzählte ihnen jemand von der Klinik von CARE. Dort bekamen sie Medizin, die die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit HIV und anderen Infektionen verringern soll.  
Außerdem können die Frauen Mitglied von Kleinspargruppen von CARE werden. Arme Gemeinden oder Gruppen von Frauen sparen zusammen Geld und investieren es in kleinere Geschäftsideen. So können sie nach ihren traumatischen Erfahrungen wieder in ein sicheres und geregeltes Leben zurückfinden. Denn meist ist es das, was sie am dringendsten brauchen: Einen Weg, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

„Sie erzählte niemandem etwas“

Um Frauen nach Gewalt oder Missbrauch zu helfen, ist CARE in Camps aktiv. Diese werden in Dörfern eingerichtet, denn auf Gemeindeebende können betroffene Frauen besonders gut und direkt erreicht werden. Ein solches Camp leitet Feza Mbairwe. Sie ist Mutter von zehn Kindern und war selbst schon von sexueller Gewalt betroffen. In dem Camp informiert sie die Menschen darüber, wie sie Gewalt verhindern können und wie man damit umgeht.

Auch sie ist eine der etwa 270.000 Menschen, die wegen der Gewalt fliehen mussten. Trotzdem hilft sie Frauen wie Mapendo Marie, die auf dem Weg von der Feldarbeit nach Hause vergewaltigt wurde. Sie erzählte niemandem etwas, erst, als sie schon im sechsten Monat schwanger war, konnte sie es nicht mehr verheimlichen.
Ihre Großmutter bestand darauf, dass sie zu einer Untersuchung in eine Klinik fährt – bald darauf wurde ihr Sohn Jackson geboren. Auch sie musste fliehen und lebt jetzt mit ihrem Sohn und ihrer Familie in einem Vorort von Goma, wo CARE sie dabei unterstützt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Es muss noch viel getan werden, damit Missbrauch und Gewalt gegen Frauen im Kongo Geschichte werden. Erst, wenn keine Frau, kein Kind und kein Mann sich vor derartiger Gewalt mehr fürchten muss, wurde genug getan. Bis dahin ist CARE da, um zu helfen.