Kongo: Saat der Hoffnung

CARE unterstützt Flüchtlinge im Kongo mit Saatgut und Werkzeug.

600 Menschen warten geduldig darauf, dass CARE mit der Verteilung von Saatgut und Werkzeugen für die Feldarbeit beginnt. Für die Verteilung in Süd-Lubero im Nordosten des Landes haben sich auch zahlreiche Menschen aus den umliegenden Dörfern angemeldet: Menschen, die vor der Gewalt im Osten Kongos aus ihren Heimatdörfern fliehen mussten, und „Gastfamilien“, die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben.

CARE unterstützt in Süd-Lubero sowohl Flüchtlinge als auch Rückkehrer dabei, ihre Lebensgrundlage langfristig wiederherzustellen. Außerdem versorgt CARE die Menschen mit dem Lebensnotwendigsten wie etwa Unterkünften und sauberem Wasser.

Oft ist der Hunger so groß, dass das Saatgut direkt gegessen wird

„Dank der Hilfe von CARE habe ich jetzt Saatgut. So können wir im nächsten Jahr  ernten“, sagt die 25-jährige Jorgine. Doch oft haben die Menschen solchen Hunger, dass sie die Samenkörner vorher essen anstatt sie zu säen. „Ich werde meiner Familie erzählen, dass die Körner giftig sind, dann essen sie sie nicht.“ Jorgine musste mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern fliehen und lebt nun seit sechs Monaten bei einer Gastfamilie in Mitero, einem Teil von Lubero. Ihr Saatgut wird sie in dem Feld aussäen, das der Gastfamilie gehört.

Ein Freiwilliger informiert die Menschen darüber, dass die Samenkörner eingepflanzt und nicht gegessen werden sollten. Davon haben sie mehr – auch wenn es erst einmal Warten bedeutet.
Fast alle stimmen zu und nur wenige entscheiden sich anders: „Ich werde die Hälfte der Saat essen, die andere Hälfte pflanze ich ein. Denn ich bin krank und schwach und brauche etwas zum Essen“, erklärt der 72-jährige Muhongya, der bereits vor einem Jahr nach Mitero fliehen musste.

Gefahr durch bewaffnete Gruppen

Auch Kyakimwe ist bereits vor einem Jahr geflohen. Sie ist 40 Jahre alt und Mutter von sechs Kindern. Nun ist sie in ihren Heimatort Kataro zurückgekehrt, doch das Leben dort ist schwierig.
„Die Maniok-Pflanzen, die ich letztes Jahr gepflanzt habe, wurden von bewaffneten Truppen gestohlen. Ich habe Angst, dass mir auch mein neues Saatgut genommen wird“, sorgt sie sich und schaut auf die verschiedenen Samenkörner, die sie gerade erst bekommen hat. „Diese Truppen haben uns auch alles andere gestohlen – so können wir in unserer Hütte nicht mehr leben“. Kyakimwe setzt all ihre Hoffnung in das CARE-Projekt Umoja+. Umoja ist Swahili und heißt „Einigkeit“. In zwei Wochen verteilt CARE Zelte.

Die 29 Jahre alte Francoise, die auch in Kataro lebt, hat ähnliche Erfahrungen gemacht.
„Wir haben gelernt, mit der Bedrohung durch bewaffnete Gruppen zu leben. Meistens geben wir ihnen, was sie wollen. Sie lassen uns dann in Ruhe. Doch vor anderthalb Jahren haben sie uns misshandelt, egal was wir ihnen gegeben haben.“ Francoise  ist froh, dass sie durch das CARE-Projekt zwei Hacken bekomme hat.  „So können mein Mann und ich gemeinsam auf dem Feld arbeiten“. Gemeinsam auf dem Feld zu arbeiten bedeutet nicht nur, zusammen arbeiten zu können. Ihren Mann an der Seite zu haben bedeutet auch, dass sie Überfällen von bewaffneten Männern nicht ganz schutzlos ausgeliefert ist. „Hoffentlich können wir dann auch unsere vier Kinder gut ernähren“, fügt sie hinzu.

Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen verabschieden sich die Menschen mit einem Lachen, die Säcke mit der Saat auf ihrem Kopf balancierend, die Hacken in ihrer Hand.  Sie hoffen, dass die nächste Ernte Nahrung bringt, die sie und ihre Familien so dringend brauchen.

Bei der Flucht aus umkämpften Gebieten laufen Frauen oft Gefahr, sexuell missbraucht zu werden. CARE unterstützt sie mit Camps und Kleinspargruppen.