Leben am Rand der Gesellschaft - Sinti und Roma

Eine internationale Arbeitsgruppetrifft sich zum zweiten Mal am 6. Juni 2006, um sich für ein Ende bestehender Diskriminierung Roma in Serbien zu engagieren.

Einer aktuellen Studie der Weltbank zufolge, stellen Sinti und Roma heute die wirtschaftlich ärmste Minderheit in Europa dar. Neben Armut bestimmen hohe Arbeitslosenquoten, eine geringe Lebenserwartung und mangelnde Bildung das Leben der Sinti und Roma. Rassische Diskriminierung drängt die Angehörigen beider Volksgruppen in ethnische Ghettos – ein Leben am Rande der Gesellschaft. Das bedeutet Rassentrennung in Schulsystemen als auch im Gesundheitswesen bis hin zur Zwangssterilisierung von Roma-Frauen in einigen Ländern.

Gründung einer internationalen Arbeitsgruppe

CARE setzt sich in Zusammenarbeit mit mehreren Unterorganisationen der Vereinten Nationen, der OSZE und dem Europarat für den Kampf gegen fortwährende Missstände im Leben der Roma in Europa ein. Beispielsweise in Serbien, wo sich CARE International für Roma mit Projekten zur besseren Ausbildung, Interressenvertretung und Zugang zum Arbeitsmarkt einsetzt. Die neu gegründete internationale Arbeitsgruppe wird Konzepte und Strategien entwickeln, die das Ende der ständigen Diskriminierung als Ziel haben. Weiterhin ist sie bemüht, die serbischen Regierung, Roma-Organisationen und die internationale Gemeinschaft dabei zu unterstützen, die Menschenrechtssituation der Roma zu verbessern. Das erste Treffen fand am 3. Mai 2006 in Belgrad statt. Zwangsräumung von Slumsiedlungen und Bürgerregistrierung bilden die Themenschwerpunkte der zweiten Zusammenkunft am Dienstag, den 6. Juni 2006. Aufgrund seines langjährigen Engagements für die Rechte der Roma ist CARE als einzige Nichtregierungsorganisation in diesem Gremium vertreten.

CARE-Projekte in Serbien

Innerhalb des Projektes „Winterhilfe für Romafamilien in Serbien“, unterstützte CARE International Deutschland im vergangenen Winter Angehörige der Roma, die in den Slumsiedlungen von Belgrad und Nis leben. Um ihnen das Überleben im kalten Winter zu sichern, hat CARE Deutschland Brennholz für 852 bedürftige Romafamilien bereitgestellt.

Bereits seit Dezember 2005 leitet CARE Deutschland unter der Beteiligung von Serben, Albanern und Roma ein Projekt zur multiethnischen Verständigung zwischen Jugendlichen aller drei Gruppen. Das Hauptaugenmerk der Arbeit besteht darin, so genannte Jugendaktivisten zu schulen und zu motivieren, sich für eine verbessertes Zusammenleben der einzelnen Volksgruppen einzusetzen. CARE konzentriert sich dabei auf einige besonders Konflikt beladene Orte in Südserbien.

Verfolgung und Bedrohung seit Jahrhunderten

Der Begriff Sinti und Roma umfasst alle im deutschsprachigen Raum lebenden Angehörigen des Volkes. Zuvor wurden sie meist als Zigeuner betitelt – und ihre Lebensweise mit Diebstahl, Unzuverlässigkeit und Schmutz gleichgesetzt. Ursprünglich stammen sie aus Indien und gelangten ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa. Seitdem ziehen sie in Europa umher, ständig auf der Flucht vor Vertreibung, Verfolgung und Bedrohung ihres Lebens. Abgesehen von einigen Ländern, die ihre Anwesenheit tolerierten, wurden sie nahezu überall verfolgt und diskriminiert. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert war die Verfolgung für das Leben der Sinti und Roma geradezu charakteristisch. Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erfolgte eine systematische Verfolgung und Vernichtung in ganz Europa - zwischen 1933 und 1945 verloren 500.000 Sinti und Roma ihr Leben. Weltweit auf rund zwölf Millionen beziffert, leben heute acht Millionen Sinti und Roma in Europa – 70.000 davon in Deutschland. Ihre größten Gemeinschaften befinden sich in den Ländern Südosteuropas.