Lesotho: „Ein Drittel der Bevölkerung hungert noch“

Michelle Carter, CARE Landesdirektorin für Lesotho, über Lesothos Nahrungsmittelunsicherheit, Raupen und andere Herausforderungen des kleinen Königreichs.

„Lesotho ist ein kleines Land, das von Südafrika umschlossenen wird. Das Königsreich bekommt nur wenig Aufmerksamkeit von der internationalen Gemeinschaft und den Medien. Aber weit weg von den großen humanitären Katastrophen im Nahen Osten oder in bekannteren afrikanischen Staaten, stehen die Menschen in Lesotho großen Herausforderungen gegenüber: Krankheiten, dem Klimawandel und sexualisierter Gewalt sowie Lebensmittelunsicherheit.

In der Ernte-Saison 2011/2012 zerstörte eine Serie von Dürren, spätem Regen und frühem Frost einen großen Teil der Ernte und hatte somit verheerende Folgen für die Situation der Nahrungsmittelversorgung. Vor allem ländliche Regionen waren davon betroffen. Die landwirtschaftliche Produktion fiel um 70  Prozent. Die Ernte war die schlechteste in Lesotho in den letzten zehn Jahren. Gegenwärtig haben nach Angaben des Lesotho Vulnerability Assessment Committee (LVAS) ungefähr 275.000 Menschen nicht ausreichend zum Essen und benötigen Hilfe. 275.000 Menschen – das ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung.

"Armyworms" zerstören ganze Ernten

Im August 2012 erklärte Ministerpräsident H.E. Thomas Thabane offiziell eine Nahrungsmittelkrise. Er bat um Unterstützung für sein Volk. Heute hat sich die Situation tatsächlich verbessert. Auch CARE Lesotho half, den Hunger zu lindern. Glücklicherweise war die Ernte dieses Jahres besser.

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Allerdings verursachte im Februar/März 2013 ein Ausbruch sogenannter „armyworms“ eine erneute Verschlechterung der Lebensmittelsituation. „Armyworms“  sind dafür bekannt verheerende Schäden bei Feldfrüchten anzurichten, da sie die komplette Ernte fressen. Danach brechen  sie alle gemeinsam – wie eine Armee – zum nächsten Feld auf. In Lesotho waren insgesamt über 350 Quadratkilometer  Anbaufläche von „armyworms“ betroffen. Einige Farmer werden dieses Jahr nichts ernten können, weil ihre ganze Ernte  von „armyworms“ aufgefressen wurde. Daher warne ich davor, zu optimistisch zu sein: Die Not ist noch nicht vorbei. Die Reserven der Menschen sind aufgebraucht nach der Nahrungsmittelkrise der letzten Jahre. Bisher ist noch nicht klar, wie hoch der Schaden durch die „armyworms“ ist.

Selbst wenn die Nahrungsmittelsituation sich wieder verbessert hat und die Menschen sich und ihre Familien wieder versorgen können, steht Lesotho vor großen Herausforderungen: Jeder vierte Einwohner ist HIV positiv. Das kleine Land hat die zweithöchste Verbreitungsrate von HIV weltweit. Dies erschwert natürlich die Situation der Familien die unter der Lebensmittelunsicherheit leiden, da sie entscheiden müssen, ob sie entweder Essen oder Medikamente kaufen.“

CARE arbeitet seit 1968 in Lesotho, seit 2001 im Zusammenschluss mit Südafrika. Auch wenn die beiden Länder sehr unterschiedlich sind, sind Ursachen und Erscheinungsformen von Armut und Ungleichheit ähnlich: Hohe Anzahl an HIV/AIDS Infizierten und mangelnder Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung. Junge Menschen und Frauen tragen die größte Last. Sie sind besonders anfällig  für Krankheiten, leiden unter dem Mangel an Lebensmitteln, mangelndem Zugang zu Bildung und einem niedrigen Lebensstandard. CARE arbeitet vor allem mit Gemeinden vor Ort und lokalen Organisationen in Lesotho und Südafrika um das Gesundheitswesen zu verbessern, die wirtschaftliche Situation zu stärken und Lebensmittelsicherheit zu erreichen.