Lesotho: Geschichten des Hungers

CARE hilft kurzfristig mit Nahrungsgutscheinen / Vergessene Krise ist dramatisch unterfinanziert

Lesotho ist ein kleines Königreich im südlichen Afrika. Seit Monaten leiden die Bewohner nach einer Dürre unter einer schweren Nahrungskrise. Hinzu kommt, dass eine der wichtigsten Einkommensquellen – die Geldsendungen von Minenarbeitern in Südafrika – durch Schließungen größtenteils verloren ging.  725.000 Menschen in Lesotho brauchen jetzt dringend Unterstützung.

Der Kampf einer Mutter
Tlhaole* (27) und seine Frau Matumaole (24) leben in dem Dorf Tsekong in Lesotho. Die Stadt Mokhotlong ist drei Stunden Fahrt von hier entfernt. Sie haben vier Kinder, ihre Zwillinge sind gerade erst zehn Monate alt. Für sie wie für hunderttausende andere Menschen im Land fiel die Ernte in der letzten Saison wegen der Dürre aus. Tlhaole und Matumaole wussten, was das bedeutet: Hunger. Der Vater ging daraufhin ins benachbarte Südafrika, um Arbeit zu suchen. Er war entschlossen, für seine Familie zu sorgen.

Aber Tlhaole fand keine Arbeit. Und so sah sich Matumaole gezwungen, die Kinder bei ihren Schwiegereltern zu lassen und selber nach einer Möglichkeit zu suchen, Geld zu verdienen. Mit kleineren Arbeiten schaffte sie es, die Familie über Wasser zu halten, aber sie haben bis heute nicht genug zu essen. Besonders für die Säuglinge ist das gefährlich. Der Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen führt bei Kleinkindern oft zu dauerhafter Unterentwicklung, die auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder zu lindern ist.

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Schwanger, hungrig und ein Kind ohne Namen
Mabolokang Lithakong hatte auch vor Lesothos aktueller Nahrungskrise ein schweres Leben. Die 21-jährige lebt in dem Dorf Moketsane, im selben Bezirk wie Tlhaole und Matumaole. Mabolokang ist geistig behindert, verlor früh beide Eltern und lebte fünf Jahre ihrer Kindheit allein. In dieser Zeit wurde sie vermutlich mehrfach vergewaltigt. Mit 14 heiratete sie einen deutlich älteren Mann. Sie ist zur Zeit wahrscheinlich im fünften oder sechsten Monat schwanger, scheint ihre Situation aber nicht vollständig zu begreifen.

Mabolokangs Mann hat früher auf umliegenden Höfen gearbeitet. Aufgrund der Krise wanderte er letztes Jahr nach ins südafrikanische Durban aus, um Arbeit zu finden. Die Nachbarn sagen, dass man nicht viel von ihm gehört hat und kaum Geld für die Familie kommt. Trotz ihres Zustandes kümmert sich Mabolokang um zwei Neffen und eine Nichte. Normalerweise essen sie einmal am Tag, aber manchmal reicht es auch dafür nicht. Dann läuft sie auf der Suche nach Essen durch das Dorf. Wenn möglich, geben Nachbarn ihr für kleinere Arbeiten Essen. Doch da viele Dorfbewohner von der Krise betroffen sind, kommt Mabolokang oft ohne Essen nach Hause. Und wenn die nächste Ernte endlich kommt, wird sie ihr Kind geboren haben und sich darum kümmern müssen. Keiner weiß, wie sie es versorgen wird.

Nachtrag: Kurz nachdem diese Geschichte geschrieben wurde haben CARE Mitarbeiter Mabolokang wieder bei einer Verteilung getroffen. Ihr Kind ist vorzeitig auf die Welt gekommen. Weil ihr Mann nicht da ist und man nichts von ihm hört, konnte man dem Kind noch keinen Namen geben.


Eine verzweifelte Großmutter
Majoalane Makajane ist 69 Jahre alt und lebt ebenfalls in Tsekong. Vor vier Jahren starb ihr Mann. Auch fünf ihrer zehn Kinder hat sie durch Krankheiten verloren. Nun muss sich Majoalane um fünf Enkelkinder kümmern, von denen eines behindert ist.

Vor dem Tod ihres Mannes und ihrer Kinder führte Majoalane ein gutes Leben. Die Familie besaß Vieh und beschäftigte viele Arbeiter auf ihren Höfen. Danach fiel alles auseinander. Um die Beerdigungen bezahlen zu können, musste Majoalane fast alle Rinder schlachten. Einer ihrer Söhne arbeitet auf dem Hof, aber wegen der Dürre haben sie im letzten Jahr nichts geerntet. Jetzt haben sie Weizen gesät. Der sieht vielversprechend aus, aber er wird nicht reichen, um die Familie zu ernähren. Majoalane übernimmt verschiedene Gelegenheitsjobs, um Essen kaufen zu können. Doch sie fühlt die Last ihres Alters.

Matumaole, Mabolokang und Majoalane erhalten nun monatlich von CARE Gutscheine im Wert von rund 50 Euro. Das ermöglicht ihnen, Grundnahrungsmittel wie Mehl, Speiseöl und Bohnen zu kaufen. Manche werden dieses Essen noch mit weiteren Familien teilen müssen. Alle Familien bräuchten mindestens bis zur nächsten Ernte, wenn nicht sogar darüber hinaus, eine Unterstützung. Da es aber an Geldern und Spenden für diese vergessene Krise fehlt, wird CARE das Programm nur noch zwei Monate lang fortführen können.  


*Geänderte Namen

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