Lesotho: "Kleines Königreich in großer Not"

Michelle Carter, Länderdirektorin von CARE Südafrika/Lesotho, spricht über die aktuelle Nahrungskrise im Königreich Lesotho.

Das kleine Königreich Lesotho durchlebt seit Monaten eine schwere Nahrungskrise. Wo liegt eigentlich Lesotho?

Das Königreich Lesotho liegt im Süden Afrikas und wird von Südafrika umschlossen. Es ist mit einer ähnlichen Größe wie Belgien sehr klein. Im Moment haben ungefähr 40 Prozent der Bevölkerung nicht genug zu essen. Die letzte Ernte ist durch die Dürre sehr schlecht ausgefallen – die Produktion von Getreide machte nur etwa 32 Prozent des Durchschnitts der letzten zehn Jahre aus.

Wer ist von der Nahrungskrise am stärksten betroffen?

Lesothos Regierung schätzt, dass insgesamt 725.000 Menschen dringend Unterstützung benötigen. Vor allem Kinder und Frauen sind betroffen. 39 Prozent der Kinder sind chronisch unterernährt. Frauen sind häufig der Wut und Frustration ihrer Männer ausgesetzt. Viele von ihnen können schlecht damit umgehen, dass sie ihre Familie nicht mehr ernähren können.

Wird es bei einer schlechten Ernte bleiben?

Die wirtschaftliche Situation vieler Menschen hat sich in den letzten Jahren stark verschlechtert. Eine der wichtigsten Einkommensquelle – die Geldsendungen von Minenarbeitern – ist versiegt. Viele Männer arbeiteten in den Bergwerken Südafrikas, von denen viele geschlossen wurden. Gleichzeitig steigen die Nahrungsmittelpreise und die Lebenshaltungskosten jedoch immer weiter.

Auch die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bemerkbar: Viele Bauern können nicht mehr einschätzen, wie gut oder schlecht ihre Ernten ausfallen werden. Und auch die HIV-Verbreitung erschwert die Situation zusätzlich. Fast 23 Prozent der Bevölkerung sind bereits infiziert – die Verbreitungsrate ist die dritthöchste weltweit. Viele Familien, deren Mitglieder erkrankt sind, sind nun noch geschwächter. HIV-Medikamente etwa sind weniger wirksam, wenn der Patient mangelernährt ist.

Helfen Sie CARE in Nahrungskrisen wie in Lesotho zu helfen und spenden Sie hier.

 

Wie unterstützt CARE die Menschen in Lesotho?

CARE hat zusammen mit Partnern wie World Vision und der Caritas als eine der ersten Organisationen vor einer Nahrungskrise in Lesotho gewarnt. Wir arbeiten seit über 40 Jahren eng mit Gemeinden in Lesotho zusammen und haben daher früh erkannt, dass etwas getan werden muss. Wir haben zunächst Saatgut verteilt. Die Menschen waren sehr glücklich, dass ihre Bitten um Unterstützung gehört wurden. Anfang Februar haben wir außerdem Gutscheine für Bargeld verteilt, sodass sich besonders  gefährdete Menschen auf dem Markt Essen kaufen konnten. Wir nutzen bei diesen Verteilungen auch die Gelegenheit, Männer und Frauen über Gefahren wie häusliche Gewalt und Prostitution aufzuklären. Manche junge Frauen verkaufen ihren Körper für Geld, um sich Essen leisten zu können. Zusammen mit dem Welternährungsprogramm plant CARE weitere Verteilung von Bargeld-Gutscheinen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Krise „übersehen“ wurde?

Es gibt so viele Krisen weltweit, dass die Schwierigkeiten in einem kleinen Land wie Lesotho wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber es ist ein kleines Land in großer Not. CARE und andere Organisationen werden von einigen Regierungen unterstützt. Aber die bisherige Hilfe reicht nicht aus. CARE und andere Organisationen brauchen vor allem Gelder für langfristige Unterstützung, um den Menschen zu helfen wieder auf die Beine zu kommen. CARE möchte zum Beispiel Familien beim Bau von Gemüsegärten unterstützen und landwirtschaftlichen Anbau fördern, der weniger anfällig für Dürreperioden ist. Nur so können Familien sich auf kommende Dürren besser vorbereiten. Die Verteilung von Nahrungsmitteln alleine reicht nicht aus.