Malawi: Der Kampf gegen Mutter Natur

Bei langanhaltender Dürre Getreide anzubauen, ist nahezu unmöglich. Landwirte wie Ibrahim befinden sich im Kampf mit der Natur. Und mit dem Klimawandel.

Ibrahim ist 55 Jahre alt. Zeit seines Lebens war er ein fleißiger und erfolgreicher Landwirt; das große Haus mit dem massiven Stahldach ist ein stolzes Zeugnis seines Erfolgs. Doch in Malawis südlichstem Distrikt Nsanje, der Heimat von Ibrahim, ist Mutter Natur ein grausamer Gegenspieler. Nichts überlebt die aktuelle Dürreperiode, die die gesamte Region Stück für Stück in eine Wüste verwandelt.

 „Ich arbeite schon seit 27 Jahren in der Landwirtschaft, aber so ein schlechtes Wetter habe ich noch nie zuvor erlebt”, erzählt Ibrahim. „1992 begann das Jahr mit einer ähnlichen Trockenheit, aber da hat es im März angefangen zu regnen.”

Trotz all seiner harten Arbeit konnte Ibrahim in dieser Saison nur ein Drittel dessen ernten, was er sonst einbringen konnte. Die Mehrheit seiner Pflanzen hat die sengende Hitze und den Regenmangel nicht überlebt. Trotzdem hat er mehr geerntet als seine Nachbarn. Das verdankt er auch der Teilnahme an einem CARE-Projekt, das unter dem Motto „Gemeinsam Lebenserwartungen ausbauen“ moderne und an die durch den Klimawandel veränderten Bedingungen angepasste Ackerbauverfahren fördert.

Ibrahim hat spezielles hybrides Saatgut und Weinstöcke erhalten. Außerdem arbeitet er an der Initiative „Essen für Arbeitskraft“ mit. Im Austausch für seine Unterstützung beim Bau von Wasserauffangbehältern hat er von der Initiative Öl und Erbsen erhalten. Ibrahim ist ein eifriger Schüler; er lernt schnell, was ihm von der Initiative vermittelt wird. „CARE hat mich wirklich zum Lernen ermutigt. Immer wenn es eine neue Technik gibt, möchte ich sie so schnell wie möglich ausprobieren und sie dann den anderen beibringen“, so Ibrahim.

Zukunftsperspektiven aufbauen

An die Zukunft zu denken und die Widerstandsfähigkeit,Flexibilität und das Verständnis der malawischen Bauern zu erhöhen, ist ein elementarer Bestandteil des andauernden Kampfes gegen die Launen von Mutter Natur. Das aktuelle Wetterphänomen El Nino verursacht in der ganzen Region Dürre und Hunger. Fast 32 Millionen Menschen laufen Gefahr, nicht genug zu essen zu haben.

Akribisch führt Ibrahim Protokoll über die seltenen Regenfälle. Er trägt sie in ein Notizbuch ein, das er immer bei sich trägt. Ibrahim zeigt auf einen kleinen Absatz auf der linken Seite des Buches, wo er die Daten der letzten Regenfälle eingetragen hat: Es sind vier.

Warten im Ungewissen

Mit Ende der Saison werden die Sorgen und Ängste der Menschen nicht weniger, denn in Malawi wird zwei Mal gepflanzt. Die „Wintersaison” steht gerade vor der Tür und normalerweise würden die Familien nun die nassen Felder bepflanzen, aber da der Himmel noch immer wolkenlos ist, sorgen sich die Menschen stattdessen um die Erträge der nächsten Monate. „Wir wissen noch nicht, ob der Winterregen kommen wird. Wir haben ja schon die Ernte einer Saison verloren. Wenn wir in der nächsten Saison auch keinen Regen bekommen, müssen wir eine andere Arbeit ausüben,  zum Beispiel Feuerholz sammeln. Aber irgendwann wird keine Arbeit mehr da sein”, so Ibrahim.

Für Ibrahim und viele andere wird das kommende Jahr eine Zeit voller Angst, Ungewissheit und Hunger sein. Trotzdem stellen sie sich mutig den Herausforderungen. „Als Landwirt hat man nie Urlaub”, erklärt Ibrahim. „Man sollte seine Zeit immer für etwas Sinnvolles nutzen und darüber nachdenken, was als nächstes zu tun ist.”