Mali: Reste von Nahrung und Hoffnung

Viele Menschen fliehen vor der Gewalt im Norden Malis. Oftmals werden sie von Menschen aufgenommen und unterstützt, denen es selbst an Vielem fehlt.

Im Jargon von Hilfsorganisationen werden sie “Gastgebergemeinden” genannt: Menschen, die selbst schon schwer für ihren Lebensunterhalt zu kämpfen haben, aber dennoch andere Menschen in Not aufnehmen.
Die 56 Jahre alte Fatima, eine Witwe aus Mali, ist eine dieser Gastgeberinnen. Sie lebt in der Region Ségou, wohin allein im Januar 2000 Menschen vor den Kämpfen im Norden des Landes geflohen sind. Seit Mitte Januar sind rund 12.000 Menschen innerhalb des Landes geflohen. Dazu kommen noch 18.000 Menschen, die in Nachbarländern Zuflucht gesucht haben.

“Wir können sie nicht abweisen”, sagt Fatima am Telefon. „Sie sind unsere Brüder und Schwestern.“ Ihre Stimme stockt von Zeit zu Zeit. Aber nicht wegen der Verbindung, sondern weil das, was sie berichtet, sie sehr mitnimmt.
Fatima hatte kein einfaches Leben. Sie ist eine Witwe und teilt ihre bescheidene Pension und das Haus mit einigen ihrer Kinder und acht Enkeln.

Dann kam auch ihre Schwester mit zwei Kindern hinzu, ihr Bruder mit seiner Frau und zwei Kindern und ein Cousin mit einigen Kindern. Sie sind aus Gao geflohen, vor der Gewalt und dem Schrecken. Es ist die größte Stadt, die von bewaffneten Gruppen besetzt wird. Jetzt teilen sie sich alle Fatimas Haus. Und alles was sie hat. So wenig das auch sein mag.

Wenn man sie nach ihrem Tag fragt, erzählt Fatima, dass er sich meist um Eines dreht. Reste zu sammeln, dafür zu sorgen, dass es Essen gibt, besonders für die Kinder. „Manchmal gibt es welches. Manchmal auch nicht“, sagt sie. “Wir leben von einem Tag auf den anderen. Nur Gott weiß, wie wir das schaffen”, fasst sie nach einer Pause zusammen.

Ja, wie schaffen sie das? Sie leihen sich Geld; sie kaufen Nahrung, bereiten sie zu und verkaufen sie auf der Straße. „Wir versuchen mit dem Wenigen zurechtzukommen, was wir haben. Es ist nicht einfach für uns alle. Besonders nicht für meinen Bruder. Er fühlt sich nicht wohl, mit seiner ganzen Familie hier zu sein und sich ganz auf seine jüngere Schwester verlassen zu müssen. Er mag es nicht, dass er nicht arbeiten kann."

Doch Fatima und ihre Gäste sind gezwungen, so weiterzuleben. Bis es Frieden in ihrem Heimatort gibt oder Hilfe für die Gastgebergemeinden. Weiterzuleben von Resten von Nahrung und Hoffnung.