Mali: "Wir wollen endlich wieder nach Hause"

Interview mit Fadimata Bintou, die als Vertriebene in der Stadt Ségou in ihrem Heimatland Mali lebt. CARE unterstützt sie mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Bargeld.

Wie ging es Ihnen vor der Krise?

Ich wohnte mit meinem Mann und meinen Kindern in Goundam im Norden des Landes. Wir lebten hauptsächlich vom Ackerbau und der Viehhaltung, wobei unser Betrieb zu den größten Farmen für Schafzucht in der Stadt gehörte. Zusammen mit meinen Töchtern arbeitete ich zu Hause: Ich schneiderte Kleider und stellte Perlen her. Damit konnte ich das Schulgeld für meine Kinder bezahlen und für unseren Lebensunterhalt aufkommen.

Was geschah, nachdem die Krise ausbrach?

Mit den Unruhen begannen die Menschen, ihre Häuser zu verlassen. Als die Banken schlossen, hatten wir kaum noch Geld. Dann wurde unser Zuchtbetrieb geplündert. Unsere Kunden konnten uns auch nicht bezahlen, sie konnten kein Geld mehr abheben. Auch die Schulen wurden geschlossen. Daher beschloss ich, zwei meiner Kinder zu meiner Schwester nach Ségou zu schicken, damit sie dort ihre Ausbildung abschließen können. Die Umstellung fiel ihnen sehr schwer, weil dort eine andere Sprache gesprochen wird. Mein Sohn hat seine Abschlussprüfungen leider nicht bestanden, aber meine Tochter hat es Gott sei Dank geschafft.

Und wie kamen Sie nach Ségou?

Als sich die Lage nicht verbesserte, verließ ich Goundam und zog im Juli letzten Jahres  zu meinen Kindern in das Haus meiner Schwester. Der Platz reichte nicht für uns alle. Jetzt leben wir in einer Bauruine, wofür ich monatlich umgerechnet 30 Euro zahle. Ich besaß gerade mal genug Geld für einen Sack Reis, als ich in Ségou ankam. Um alles andere musste ich andere Flüchtlinge, Nachbarn und Bekannte bitten.

Wie haben Sie von der Hilfe von CARE gehört?

Im August hörte ich, wie sich andere Flüchtlinge über mögliche Hilfe unterhielten. Auch ich trug mich dann in eine Liste ein, damit ich für meine Familie und mich Hilfe bekommen würde. Die erste Lebensmittellieferung erhielt ich im Monat des Ramadan von CARE. Es gab Reis, Erbsen, Öl und Salz. Seitdem erhalte ich monatlich eine Ration an Nahrungsmitteln für mich und meine Familie. Außerdem bekam ich etwas Bargeld und Hygieneartikel.

Ich fühle mich so entlastet durch die Hilfe. Ich kann meiner Familie jetzt genug zu essen geben, meine Schulden begleichen. Ich habe den Kopf frei und möchte bald wieder mein eigenes Geld mit der Perlenherstellung verdienen.

Was erwarten Sie von der Zukunft?

Ich bete täglich für Frieden. Ich möchte wieder nach Hause. Alle Vertriebenen hoffen , dass wir bis dahin weiterhin Unterstützung bekommen. Alles wurde zerstört und geplündert: die Häuser, die Schulen, die Märkte… Wir benötigen Geld, um unsere Häuser wieder aufzubauen, unsere Schulden zu begleichen; wir brauchen Hygieneartikel, aber am dringendsten benötigen wir Nahrung.

Ich weiß die Hilfe von CARE sehr zu schätzen. Die Mitarbeiter vor Ort haben mich und alle anderen Flüchtlinge sehr gut behandelt. Sie haben uns viele Fragen gestellt, haben uns den Inhalt der Hygienekits erklärt und Aufklärungsseminare organisiert. Wir haben eine Telefonnummer bekommen, die wir im Falle von Fragen, Vorschlägen oder Beschwerden anrufen können. Wenn CARE Mali bei den Präsidentschaftswahlen antreten würde, wir, die Flüchtlinge, würden CARE wählen.

 

CARE bittet um Spenden für die Hilfe für Vertriebene in Mali:
Spendenkonto 4 40 40
Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 50 198
Onlinespenden für CARE