Man muss wissen, wann man nur noch weglaufen kann

Als die bewaffneten Gbagbo Getreuen anfingen zu grölen, rannten Nadége und ihre Familie in den Busch. Sie rechneten damit, dass sie ihr Hab und Gut niemals wiedersehen würden.

Von CARE Mitarbeiter Anders Nordstoga

Nadége Piasseu und ihre Familie kamen am Morgen des 24. Februar in Gblarly an. Nadége, ihr Ehemann und ihre drei kleinen Kinder hatten am Abend zuvor fluchtartig ihr Haus verlassen. Bewaffnete Gbagbo Anhänger hatten kurz zuvor ihr Camp nicht weit von ihrer Heimatstadt Kolleu entfernt aufgeschlagen. Kurz vor Sonnenaufgang ahnte die Familie, dass bald Schlimmes passieren würde.

„Gbagbos Anhänger sangen und schossen mit ihren Gewehren in die Luft. Wir konnten nur noch weglaufen und haben im Busch übernachtet. Wir konnten nichts mitnehmen. Ich weiß nicht, was jetzt auf uns zukommt. Ich weiß nicht, wo wir heute Nacht schlafen werden“, sagt Nadége, während sie mit ihrem Säugling unter einem Baum sitzt und auf  Hilfe wartet.

Ich frage sie, ob die Familie seit ihrer Ankunft irgendetwas zu essen bekommen habe. „Das einzige Essen, das wir haben, ist das, was wir am Tag unserer Flucht im Magen hatten“, sagt Nadége.

Nach Nadéges Einschätzung ist die Familie mit diesem spärlichen Energievorrat zirka 25 Kilometer gelaufen. Sie hofft, dass sie den gleichen Weg bald wieder zurückgehen können, doch dafür muss sich erst die Situation beruhigen. Wenn es wieder sicher genug ist um zurückzukehren, wird von ihrem Hab und Gut nichts mehr übrig sein, glaubt Nadége. „Ich bin mir sicher, dass die Rebellen in unseren Häusern waren und alles mitgenommen haben. Wir werden nichts davon wiedersehen. Wir haben alles verloren.“