Medihas zweite Chance

Mediha arbeitete jahrelang als Straßenverkäuferin. Jetzt hat sie einen Schulabschluss in der Tasche und eröffnet ihren eigenen Laden.

Die 33-jährige Mediha Suljic lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einer Roma-Siedlung in der Stadt Tuzla, im östlichen Teil von Bosnien und Herzegowina. Sie ist eine von rund 3.000 jungen Roma-Frauen in der Stadt. Vielen Roma in Tuzla geht es wirtschaftlich sehr schlecht; 65 Prozent von ihnen sind arbeitslos. Eine Krankenversicherung ist hier ein unerreichbarer Luxus. Viele Roma sind froh, wenn sie überhaupt einen Zugang zum Gesundheitssystem haben.

Geld verdient Mediha, indem sie illegal Waren auf der Straße verkauft. Dabei ist sie nicht die Einzige – viele Roma haben noch nicht einmal die Grundschule abgeschlossen. „Ohne Schulabschluss stellt dich hier niemand ein“, erzählt Mediha. „Als ich hörte, dass CARE mit eigenen Schulprojekten die Bildung der Roma fördert, war ich begeistert.“


"Mein größter Wunsch ist, dass meine Kinder die Schule abschließen"

Mit der Unterstützung ihrer 15-jährigen Tochter, die auch noch zur Schule geht, wagte Mediha einen zweiten Versuch. Obwohl sie von der Arbeit auf der Straße erschöpft war, besuchte sie jeden Abend die Schule und erledigte bis spät in die Nacht ihre Hausaufgaben. Medihas Anstrengungen zahlten sich aus; sie erhielt die Bestnote aller Teilnehmerinnen des CARE-Projektes. Voller Enthusiasmus begann sie danach mit einer kaufmännischen Weiterbildung, um später mit einem Darlehen ihr eigenes Geschäft zu eröffnen.

In Zukunft wird sie nicht mehr illegal Wimperntusche, Kajal oder Cremes auf der Straße verkaufen, sondern in ihrem eigenen Laden. Den will sie „Renata“ nennen, wie ihre Tochter. Heute sieht Mediha ihr Leben und ihre Zukunft mit anderen Augen. „Ich möchte nichts so sehr, als dass auch meine Kinder die Schule abschließen. Je mehr sie lernen, desto größer sind ihre Chancen, später einen guten Beruf zu finden“, erzählt Mediha.

Sie ist tatkräftig dabei, ihr Geschäft aufzubauen und möchte es auch auf ihren Namen registrieren lassen. Die meisten Geschäfte sind unter dem Namen des Mannes eingetragen, obwohl die Frauen den Großteil der Arbeit erledigen. Von ihrer starken Mutter profitieren nicht nur die Kinder von Mediha. „Ich versuche auch, meine Freundinnen bei der Verwirklichung ihrer Träume zu unterstützen. Ihnen soll mehr Respekt von der Familie und der ganzen Gesellschaft entgegengebracht werden.“