Medizin für Meero Khan – Einblicke in ein pakistanisches Flüchtlingscamp

Auch fast sechs Monate nach der Flut ist Pakistan noch schwer von der Katastrophe gezeichnet

Die Ärztin Fauzia Abbasi, 36, besucht das Camp in Meero Khan im Bezirk Shahdadkot in der Region Sindh alle zwei Wochen. Das Camp in Meero Khan ist eines von vielen Flüchtlingslagern, die nach der Flutkatastrophe im Sommer 2010 in Pakistan aufgebaut wurden. 1.900 Menschen starben in den Fluten, mehr als 20 Millionen mussten sich vor dem Wasser in Sicherheit bringen. Noch immer sind hunderttausende auf der Flucht. Oft haben sie ihr ganzes Hab und Gut, vor allem aber auch Freunde und Verwandte verloren.

Fauzia ist eine der medizinischen Fachkräfte, die für die gesundheitliche Versorgung der knapp 800 Bewohner des Camps sorgen. Vor allem die Situation der Frauen, darunter 13 Schwangere, macht ihr Sorgen: „Oft helfen die Männer den Frauen nicht im Haushalt. Ganz im Gegenteil: Die Frauen müssen sich allein um ihre Kinder und auch um die Männer kümmern. Durch die viele Arbeit sind sie oft kraftlos und geschwächt“, meint Dr. Fauzia.

Um die Lage der Frauen im Camp zu verbessern, schafft CARE dort sogenannte „frauenfreundliche Räume“. Hier bekommen besonders schwangere Frauen und junge Mütter Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung. Auch können sie dort ihre Babys unter guten hygienischen Bedingungen stillen. Neben diesen Frauenräumen gibt es auch Orte, an denen Kinder spielen können oder Geschichten vorgelesen bekommen.

 

Vor allem Kinder sind von Krankheiten bedroht

Aus gesundheitlicher Sicht gibt es im Camp vor allem bei Kindern viele Fälle von akuten Atemwegserkrankungen. Fauzia rät den Bewohnern des Camps deshalb immer, sich warm zu halten, da das winterlich-kalte Wetter einer der Hauptgründe für Infektionen ist. Um den harten Winter etwas erträglicher zu machen verteilte CARE warme Decken an mehr als 23.000 Familien in drei Bezirken von Sindh.

Bei allen Problemen kann Fauzia Abbasi auch von Erfolgserlebnissen berichten: „Neulich traf ich eine Frau, die für eine kleinere Untersuchung zu einer mobilen Gesundheitsstation kam. Sie hatte Zwillinge. Seltsamerweise war das sechs Monate alte Mädchen extrem unterernährt, während der Junge gesund war. Ich überwies sie in ein Krankenhaus in Larkana. Nach einem Monat, als ich wieder in ihr Dorf kam, besuchte ich die Familie. Es war richtig schön zu sehen, dass das Mädchen sich wieder komplett erholt hatte und jetzt in guter gesundheitlicher Verfassung war.“

 

„Ich habe gelernt, zu leben“

Ein weiterer Helfer in Meero Khan ist der 26-jährige Ghulam Shabir. Er ist Sozialarbeiter und leistet in einem mobilen Gesundheitsteam im Camp psychosoziale Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe. Stolz erzählt er von seiner Arbeit: „In diesem Camp traf ich eine Frau. Ihr Mann sagte, sie wolle Selbstmord begehen, weil sie durch das Wasser alles verloren hatten. Ich sprach eine Stunde lang mit ihr. Danach versprach sie, dass sie niemals mehr über Selbstmord nachdenken wolle, sondern lernen möchte, zu leben. Nach dem Gespräch mit ihr dachte ich, dass auch ich gelernt habe, zu leben.“ Insgesamt unterstützt CARE die gesundheitliche Versorgung in fünf Bezirken von Sindh mit insgesamt 15 mobilen Gesundheitsteams.

Doch nicht nur Gesundheit, auch wirtschaftliche Entwicklung ist für die Bewohner von Sindh notwendig. Da die Ernten vieler Menschen durch die Fluten zerstört wurden, entwickelte CARE ein Programm, das 1.200 Familien mit Saatgut und Düngemitteln für je ca. 4000 Quadratmeter Land versorgt. Für Menschen, die kein Ackerland haben, organisiert CARE sogenannte „Cash for Work“-Programme, in denen die Menschen gegen Bezahlung beim Wiederaufbau der regionalen Infrastruktur helfen.

Diese Programme dauern in Sindh einen Monat, insgesamt 1.200 Familien nehmen daran teil. Da die Lehmhäuser vieler Menschen den Fluten zum Opfer fielen, versorgt CARE in Qamber Shahdadkot außerdem 550 Familien mit Material für Notunterkünfte. Manche Haushalte werden auch mit Küchengeschirr, Bettlaken, Decken, Tüchern, Hygienesets oder Moskitonetzen ausgestattet. 

ACHTUNG REDAKTIONEN!

CARE-Pressesprecher Thomas Schwarz wird zum Stichtag am 27. Januar kommende Woche in den Nordwesten Pakistans reisen. Er steht für Interviews, Fragen und Gespräche zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle.