Mehr Sicherheit für Helfer in Afghanistan

CARE und andere Hilfsorganisationen fordern Änderung der Sicherheitspolitik in Afghanistan

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen verschärft sich die Sicherheitslage in Afghanistan zunehmend. Das Engagement ausländischer Truppen erschwert Hilfsorganisationen die Arbeit vor Ort und gefährdet die Mitarbeiter. CARE und zwölf andere große Hilfsorganisationen appellieren dafür, Sicherheitsfragen und -strategien in Afghanistan neu zu überdenken.

31 Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen starben 2008

Besorgt sind die in Afghanistan tätigen Organisationen vor allem über die unklare Trennung von militärischen und zivilen Aktivitäten vor Ort. In Wohngebieten errichtete Militäranlagen, Militärkonvois durch Städte – dies alles gefährde die Sicherheit der Zivilisten, wenn sie bei bewaffneten Übergriffen zwischen die Fronten geraten. Allzu häufig unterschieden sich die militärischen Streitkräfte nicht deutlich sichtbar genug von der normalen Bevölkerung – auch dann könne es zu Verwechslungen kommen. Zum Beispiel, wenn Militärs in weißen Fahrzeugen führen, die eigentlich humanitären Organisationen vorbehalten sind. Auch das Personal von Nichtregierungsorganisationen sei durch solche unklaren Trennlinien gefährdet. Im letzten Jahr starben 31 Mitarbeiter – doppelt so viele wie im Vorjahr.

Hilfe muss bei der Bevölkerung ankommen

CARE und die anderen Hilfsorganisationen bemängelt außerdem, dass die Hilfe für Afghanistan sich zu wenig an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert. Gelder flößen momentan vor allem in instabile Regionen, die gefestigt werden sollen. Das Ergebnis sei leider häufig, dass sich so die Sicherheit in bisher stabilen Gegenden verschlechtere. Die Hilfsorganisationen kritisieren auch, dass sich Militär und Politik in die Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit einmischten. Afghanische Institutionen und Experten sollten gemeinsam Schwerpunkte setzen, damit die umgesetzten Hilfsmaßnahmen dem afghanischen Volk langfristig dienten. Vor allem müsse die Entwicklungszusammenarbeit die Ursachen von Armut und Not bekämpfen – und nicht nur kurzfristige militärische Ziele verfolgen.

Letztlich geht es vor allem darum, einen dringend nötigen Dialog zwischen Militär, Politik und den Hilfsorganisationen zu führen. Durch ihre jahrelange Arbeit vor Ort haben Hilfsorganisationen wie CARE besondere Kenntnisse von Land und Leuten und kennen vor allem die Situation der Zivilbevölkerung. Es wird Zeit, dass sich die Politik für das Wissen der Hilfsorganisationen vor Ort interessiert und sie als Berater oder Beobachter in den Entscheidungsprozess mit einbezieht. Denn es sind gerade die zivilen Helfer vor Ort, die die Auswirkungen der Politik besonders zu spüren bekommen.

Zum Download: Key proposals of NGOs operating in Afghanistan (englisch)