Millionen Gesichter hinter den Zahlen

Rückblick: Humanitäre Einsätze von CARE in der ersten Jahreshälfte 2009

Das Jahr 2009 begann mit Gewalt: Gleich zu Beginn der Gefechte im Gaza-Streifen nahm CARE seine Hilfsmaßnahmen auf und verteilte Lebensmittel, Decken, Hygieneartikel und Medikamente. Bis heute helfen die Mitarbeiter von CARE der Bevölkerung beim Wiederaufbau, auch psychologische Betreuung gehört dazu. In den weiteren Monaten der ersten Jahreshälfte folgten Gewalt und Naturkatastrophen auf anderen Erdteilen.

Sri Lanka: Flucht vor der Gewalt

Hunderttausende Zivilisten waren im Norden Sri Lankas buchstäblich eingekesselt, als das Militär die Rebellenbewegung der tamilischen Tiger Ende April in einer Großoffensive in die Knie zwang. Die Bewohner der Region flohen buchstäblich nur mit dem, was sie am Leib trugen. 300.000 Menschen leben seitdem in Flüchtlingslagern und werden von CARE und anderen Helfern mit allem Lebensnotwendigen versorgt. Sie erhalten Nahrung, Wasser, Medikamente und andere Hilfsgüter. CARE errichtet Zelte, baut Latrinen und organisiert die Verteilung von Wasser. Denn die Gefahr von Seuchen ist groß im tropisch-feuchten Klima Sri Lankas, wenn viele Menschen auf engem Raum ohne ausreichende Hygienevorrichtungen leben müssen. Aber auch wenn die Familien nach Hause zurückkehren können, werden sie weiterhin Hilfe benötigen. Bei der Reparatur ihrer Häuser, der Straßen und der Felder, also beim Neuanfang in eine hoffentlich friedliche Zukunft.

CARE-Medienkoordinatorin Melanie Brooks hat in Sri Lanka mit Flüchtlingen gesprochen und die Hilfsmaßnahmen beobachtet. Zum Blog

Pakistan: trauriger Rekord

Diese Flüchtlingswelle übertrifft in ihrer Dimension fast alles bisher Dagewesene: Fast zwei Millionen Menschen sind im April und Mai aus der nordwestlichen Provinz rund um das Swat-Tal geflohen, nachdem das pakistanische Militär eine Offensive gegen lokale Talibangruppen begann. 180.000 Menschen kamen in Flüchtlingslagern unter, aber ein Großteil wurde von Verwandten oder Gastfamilien aufgenommen.

Pakistanisches Mädchen (Foto: CARE/Schwarz)Selbst Familien, die bereits vorher am Existenzminimum gelebt haben, zeigten eine enorme Gastfreundschaft angesichts der Not. Andauernde Gewalt in der Region und immer noch zu zögerlich eintreffenden Gelder lähmen die Bemühungen der Hilfsorganisationen vor Ort. CARE plant, insgesamt 70.000 Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen, bevor im Oktober der Winter einbricht.

CARE-Pressesprecher Thomas Schwarz war in Pakistan und berichtet im CARE-Blog von seinen Eindrücken.

Bangladesch und Indien: auch in dieser Wirbelsturmsaison nicht verschont

Die Nachrichten erreichten CARE, als bereits mit Hochdruck an den Hilfsmaßnahmen für Sri Lanka und Pakistan gearbeitet wurde. Aber anders als bei diesen Ländern hatte die Notsituation in Bangladesch und Indien im Mai natürliche Ursachen. Der Wirbelsturm Aila traf am 25. Mai auf das Festland des Subkontinentes und machte Millionen Menschen obdachlos. Die CARE-Büros vor Ort sind für solche Situationen gut vorbereitet. Innerhalb kürzester Zeit wurde in Bangladesch Wasser und Nahrung an Betroffene verteilt. In Indien kümmerte sich CARE darum, dass die Menschen Wasserreinigungstabletten und Hilfsgüter wie Decken und Kochutensilien erhielten. Insgesamt wurden 47.500 Personen unterstützt.

Zerstörung in Madagaskar (Foto: CARE/Walker)

Madagaskar: die Krisen häufen sich

Für den Inselstaat an der Ostküste Afrikas ist 2009 kein gutes Jahr. Ohnehin schon eines der ärmsten Länder der Welt, leidet Madagaskar seit längerem unter einer heftigen Dürre. Es wird geschätzt, dass etwa 14 Prozent der Bevölkerung inzwischen unterernährt sind - also jeder siebte Mensch. Anfang des Jahres kamen dann die tropischen Wirbelstürme: Im Januar zerstörten „Eric und Faneele“ die ohnehin von der Dürre gezeichneten Felder, im April tötete Wirbelsturm Jade 15 Menschen an der nordöstlichen Küste Madagaskars. 10.000 Menschen verloren ihre Häuser. Den Naturkatastrophen folgten nun aber auch noch soziale Unruhen und ein Staatsstreich am 18. März, infolge dessen der Präsident sein Amt niederlegte. Die verheerenden Folgen: Mehr als 180 Tote, tausende Verletzte und eine Wirtschaft, die am Boden liegt.

In der Öffentlichkeit werden diese vielen einzelnen Krisen Madagaskars kaum wahrgenommen. CARE, das Welternährungsprogramm der UN (WFP) und andere Hilfsorganisationen arbeiten vor Ort, aber der Hilfsbedarf übersteigt die vorhandenen Mittel. Für die Helfer könnte die Situation kaum schwieriger sein: geringe öffentliche Wahrnehmung, zu wenig finanzielle Unterstützung und eine neue Regierung, die von der Staatengemeinschaft nicht anerkannt wird.

Aus Nothilfe wird Aufbauhilfe - vergangene Katastrophen 

Für die Nothilfeteams von CARE war die erste Jahreshälfte also sehr arbeitsintensiv. Neben den neuen Katastrophen erinnern Jahrestage auch immer wieder daran, wieviel Arbeit noch lange Zeit nach dem Wirbelsturm oder dem Waffenstillstand zu leisten ist. Im Mai war so ein trauriger Jahrestag: 2008 verwüstete Wirbelsturm Nargis das Irrawaddy-Delta von Myanmar. Ein Jahr danach bleiben die Ernteerträge aus und viele Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Im August jährt sich der Beginn des Krieges in Georgien, im September die Fluten im indischen Bihar. In beiden Ländern ist CARE nach wie vor präsent. Und arbeitet dort und im Rest der Welt dafür, dass die zweite Jahreshälfte für alle von humanitären Krisen betroffenen Menschen erträglicher wird und sie bald wieder ein Leben in Würde führen können.