Mit aller Kraft für einen neuen Anfang

Die Flucht hat Ramyas Leben verändert. Aber mit Fladenbrot und Löffeln baut sie das Leben ihrer Familie wieder auf.

Selvaratnam Ramya und ihre drei Kinder kamen am 20. April mit der ersten großen Flüchtlingswelle von mehr als 100.000 Menschen aus dem Vanni-Distrikt im Flüchtlingscamp Menik Farm an. Seit 2006, als ihr Mann in ihrer gemeinsamen Heimat Killinochchi an einer Gehirnhautentzündung starb, zieht sie die Kinder alleine groß. 2008 musste Ramya mit ihren Kindern in den Bezirk Mullaithievu fliehen, als das Militär begann, gegen Hochburgen der separatistischen Organisation „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) im Norden vorzugehen.

Ramya und ihre Familie flohen inmitten der anhaltenden Gefechte. Sie verließen den Vanni-Distrikt unter Todesangst, insbesondere beim Überqueren einer Lagune, als der 17-jährige Sohn seine 6-jährige Schwester auf dem Rücken trug. „Viele Menschen wurden erschossen, aber wir hatten einen Vorsprung, so dass wir es schafften, ohne größere Verletzungen zu fliehen“, erzählt Ramya. Sie haben viel durchgemacht auf ihrer langen Flucht zu Fuß, oft ohne ausreichend Lebensmittel und Wasser.

Nachts schliefen sie unter Bäumen. „Wir waren sehr erleichtert, als wir nach Vavuniya kamen und sahen, dass es Unterkünfte gab, die für uns gebaut worden waren. Es gibt dort genug Platz für mich und meine Kinder“, fügt Ramya hinzu.

 

Warten auf ein besseres Leben


Nachdem die Familie etwa neun Monate lang in Vavuniya gewohnt hatte, zeigten sich langsam Verschleißerscheinungen an den Unterkünften. „Wir haben den CARE Mitarbeitern gesagt, dass das Dach nicht mehr dicht ist und sie kamen sofort und haben zusätzliche Abdeckplanen gebracht, um das Dach zu verstärken. Nun regnet es nicht mehr rein. Sie gaben uns auch Unterlagen für den Boden und ersetzten sie durch neue, als die alten kaputt waren.“


Ramya ist eine geschäftstüchtige Frau und wartet nur darauf, etwas auf die Beine zu stellen, um ihrer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Als ihr Mann 2006 starb, begann sie Hopper, ein traditionelles Fladenbrot, zu backen und verkaufte es an ihre Nachbarn und an kleine Lebensmittelläden. Als sie dann selbst krank wurde, war sie gezwungen, ihren Sohn im Alter von 15 Jahren von der Schule zu nehmen. Mit ihm zusammen baute sie ein kleines Geschäft auf und belieferte die umliegenden Läden mit Kesselstein.
Nun hat sie damit angefangen, Löffel aus getrockneten Kokosnussschalen und Holzstäben herzustellen.

 

Mit Löffeln zum Erfolg

Diese Löffel sind in Sri Lanka sehr beliebt und weit verbreitet. Ihr Sohn bringt die Löffel nach Vavuniya und verkauft sie dort in einem Laden. Bis jetzt hat die Familie schon 75 Löffel verkauft und sich von diesem Geld ein Messer und andere Dinge gekauft, die sie für das Geschäft braucht. Ihre Freunde und Nachbarn in Menik Farm können sie mit Kokosnussschalen versorgen, da die Kokosmilch täglich für die traditionellen Currygerichte Sri Lankas gebraucht wird.

Ramya wartet schon ungeduldig darauf, mit ihren Kindern wieder nach Hause zu gehen, um ihr kleines Kesselstein-Geschäft wieder aufzunehmen. Sie möchte, dass ihre beiden jüngeren Kinder wieder zur Schule gehen – daran war während ihrer Flucht nicht zu denken.

 

Über 280.000 Menschen mussten vor dem Konflikt in Sri Lanka 2008 fliehen. In Camps wie Menik Farm in Vavuniya, in dem CARE mit Hilfe der Humanitären Hilfe der Europäischen Union (ECHO) und dem Auswärtigen Amt (AA) von Beginn an Nothilfe geleistet hat, haben viele von ihnen vorübergehend ein neues Zuhause gefunden.