Mit aller Kraft gegen die Cholera

Freiwillige bilden das Rückgrat des CARE-Programms gegen die Cholera

Da sind sie nun - die Freiwilligen von CARE. Etwa ein Dutzend Männer und Frauen jeden Alters haben sich am Toussaint Louverture Krankenhaus in der Gemeinde Ennery eingefunden. Hier oben im Norden Haitis grassiert die Cholera besonders schlimm und gefährdet das Leben von Hunderttausenden von Menschen.

Es ist Sonntag und normalerweise ist dieser Tag der Kirche und Familie vorbehalten. Aber in den Zeiten der Cholera kann sich niemand Erholung und Verschnaufpausen leisten. Wir haben das Treffen extra in die Mittagszeit gelegt, damit die Freiwilligen morgens noch in die Messe gehen können. Im Moment haben die Haitianer viele Gründe, Trost und Hilfe von Gott oder anderen Mächten zu erbitten.

Die Freiwilligen bilden das Rückgrat des CARE-Programms gegen die Cholera. Es gibt etwa 450 von ihnen in der Region Artibonite. Normalerweise vermitteln sie Wissen über den Schutz vor AIDS und andere Gesundheitsthemen. Aber zur Zeit ist die Cholera ihr vorrangiges Thema. Und es werden immer mehr: CARE hat schon zusätzlich 130 Freiwillige in Arbonite ausgebildet, um noch mehr Gemeinden mit den lebensrettenden Informationen zu versorgen.

Die Männer und Frauen gehen in die Dörfer, in die Kirchen und auf die Märkte und informieren die Menschen: "Wascht euch die Hände mit Seife, disinfiziert euer Wasser und eure Häuser und wascht eure Wäsche nicht in den umliegenden Flüssen."

Die Freiwilligen müssen zahlreiche Fragen beantworten und konkrete Ratschläge geben, zum Beispiel wie viel Chlor man braucht, um einen Eimer Wasser keimfrei zu machen. Ihre Arbeit wird durch die Armut in dieser Region nicht gerade leichter: viele Familien haben einfach nicht das Geld, um Seife oder Chlor zu kaufen.

CARE verteilt deswegen Hygiene-Kits, die zwei Seifen, drei Packungen orale Rehydrationslösung und Aquatabs enthalten. Außerdem richtet CARE Wasserstellen ein, an denen die richtige Chlorierung sichergestellt ist. Es ist wichtig, dass ländliche Gegenden ohne erreichbare Krankenhäuser und Cholerazentren versorgt werden können.

Claudine Muscardy ist eine der vielen Freiwilligen des CARE-Programms gegen die Cholera. Sie ist 48 Jahre alt und verdient sich ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Obst und Gemüse. Sie ist auch eine von viel zu vielen Menschen in Haiti ohne festes Einkommen, die von dem, was der Tag so bringt, leben. Trotz der harten Umstände hat sie in den letzten vier Jahren immer als Freiwillige für CARE gearbeitet und versucht, etwas für den dringend benötigten Wandel in ihrer Gemeinde zu tun. Ihre Aussage in Sachen Cholera ist eindeutig: Lasst eure Verwandten nicht im Stich! Und desinfiziert die Toten bevor ihr sie beerdigt.

Gerade als Claudine etwas zu diesen Schutzmaßnahmen sagt, rast ein Pick-up um die Ecke und hält vor dem Krankenhaus. Ein Raunen geht durch die Menge der Freiwilligen: „Cholera. Schon wieder ein Fall von Cholera.“ Zwei ältere Männer werden von der Ladefläche des Lasters gehoben. Eine Frau mit einer Schwellung an der Stirn hilft dabei.

Ihr Anblick erinnert nur zu offensichtlich daran, dass auch die nicht von der Cholera betroffenen Menschen nicht unbedingt in guter gesundheitlicher Verfassung sind. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass Cholerasymptome wie schwerer Durchfall, Erbrechen und Magenkrämpfe diejenigen sehr schnell schwächen, die sowieso schon schlecht ernährt sind und deren Immunsystem geschädigt ist. Deshalb ist es so wichtig, dass es Claudine und ihre Kollegen gibt. Sie sorgen dafür, dass ihre Nachbarn und Familien eine Chance in diesem Kampf bekommen.