Mütter und Kinder kämpfen ums Überleben

CARE versorgt in Äthiopien 250.000 Menschen mit Zusatznahrung

Als Nebele Kadir vor zehn Tagen im CARE-Ernährungszentrum in Haramaya ankam, war das einjährige Mädchen fast komatös. Nebele wog noch 2,5 Kilogramm und war kleiner als viele Neugeborene. Auch die anderen 28 Kinder, die derzeit im Ernährungszentrum behandelt werden, sind wie Nebele schwer unterernährt. Millionen von Äthiopiern sind derzeit betroffen von den rasant steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel und sehen zugleich ihre Vorräte schwinden. Insbesondere die Kinder sind der Nahrungsmittelkrise hilflos ausgeliefert.

Akute Unterernährung

Derzeit sind etwa 75.000 Kinder in Äthiopien akut unterernährt – und es werden jeden Tag mehr. Anders als Nebele, die im Ernährungszentrum nun dreimal täglich eine Mahlzeit bekommt, leiden sie täglich Hunger.

“Nebele ist hier, weil ich nicht mehr genügend Geld hatte, um etwas zu essen zu kaufen” sagt Nebeles Mutter, während sie ihre Tochter auf dem Arm wiegt. “ Ich arbeite hart, aber die Preise sind so stark gestiegen, dass es nicht mehr ausreicht, um sie zu füttern.”
 
Die Preissteigerungen hätten zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Allein die Preise für Grundnahrungsmittel sind in diesem Jahr um das Dreifache gestiegen. Die Erntezeit ist nah, doch der Regen ist in den letzten Wochen ausgeblieben. Die Dürre hat die Felder vertrocknen lassen. Das wenige, was zum Ernten bleibt, reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Viele Familien sind auf diese Erträge angewiesen, um die jährliche einsetzende “Hungerphase” zu überbrücken, die in der Regel zwei Monate andauert. Durch die Dürre und die Ernteausfälle, wird sich die “Hungerphase” in diesem Jahr bis November erstrecken. Doch die Vorräte sind verbraucht. Wie die Familien die nächsten Monate überbrücken sollen, ist ungewiss. Mehr als 4,6 Millionen Menschen in Äthiopien kämpfen derzeit täglich ums Überleben. Sie sind dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Alles wird geteilt

In der Balla Gesundheitsstation wiegt Misra Ahmed die tägliche Ration “Famix” für ihren vier Jahre alten Sohn ab. CARE verteilt “Famix”, eine reichhaltige Zusatznahrung, an die Mütter unterernährter Kinder. Bislang hat CARE mehr als 50.000 unterernährte Kinder, Schwangere und stillende Frauen mit dieser Zusatznahrung versorgt. An weitere 200.000 Menschen in ganz Äthiopien wurden vorbeugend “Famix” verteilt.

“Diese Mahlzeit hilft meinem Sohn, aber nicht meiner ganzen Familie”, gibt Misra zu bedenken. “Ich habe seit gestern nichts mehr gegessen und das, was ich für meine anderen Kinder habe, ist nicht viel nahrhafter als Wasser.” Misra fährt fort:” Ich bin nicht allein, auch meine Nachbarn haben nichts mehr zu essen. Das Wenige, was wir haben, teilen wir miteinander.” Doch selbst die notwendige Versorgung der Menschen mit Zusatznahrung ist aufgrund der steigenden Kosten für Lebensmittel gefährdet. Misra meint dazu: “Ohne Hilfe, wird unser Leben noch schlimmer werden.”


Lesen Sie hier den Blog unseres Pressesprechers Thomas Schwarz zur Hungerkrise am Horn von Afrika.