Myanmar: Winds of Change

Sabine Dier ist Asienreferentin von CARE Deutschland-Luxemburg und verantwortet Projekte in sechs Ländern. Sie arbeitet seit zehn Jahren im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit.

Bei meiner Reise nach Myanmar im Februar 2012 konnte ich die verhaltene Aufbruchstimmung und vorsichtige Hoffnung der Menschen in dem südostasiatischen Land erleben. Seit 1962 von wechselnden Militärregierungen geführt, war Myanmar jahrzehntelang ein politisch isoliertes und extrem armes Land. Seit den Parlamentswahlen in 2010 zeichnen sich jedoch eine langsame Öffnung und ein Wandel des Landes ab.

Seit sieben Jahren reise ich nun regelmäßig nach Myanmar, und im Gegensatz zu anderen „boomenden“ asiatischen Städten hatte sich das Stadtbild von Yangon, der Hauptstadt, in all dieser Zeit kaum verändert. Ausnahme war das Jahr 2008, in der Zyklon Nargis eine Schneise der Verwüstung durch die Küstenregionen zog und auch Yangon nicht verschonte. Doch nun zeigen sich auch hier Veränderungen: Große Bauvorhaben sind weithin sichtbar, viele kleine Läden sind neu entstanden, es gibt mehr neuere Autos auf den Straßen (also solche, die „jünger“ sind als Baujahr 1980) und die Hotels sind von Touristen und Geschäftsleuten lange im Voraus ausgebucht. All das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Myanmar weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt ist, in dem etwa ein Drittel der Bevölkerung in Armut und ohne sauberes Trinkwasser lebt.

CARE, Myanmar, Hilfe, SpendenDie CARE-Projekte in Myanmar sind langfristig angelegt und bekämpfen die chronische Armut, vor allem in den Randgebieten des multiethnischen Landes. In diesen ländlichen Regionen ist von der Umbruchstimmung im Land noch wenig zu spüren. Die Menschen in einfachen Holz- und Bambushütten kämpfen nach wie vor täglich darum, die Lebensgrundlagen für ihre Familie zu sichern.
Das von der Europäischen Union unterstützte CARE-Projekt für intern Vertriebene, das ich besucht habe, liegt im Osten des Landes. Langjährige interne Konflikte haben dazu geführt, dass ein Großteil der Bevölkerung hier als „Flüchtlinge“ hinkam. Die lokalen BewohnerInnen in den Dörfern sind an ihre Grenzen gestoßen, um die Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zu versorgen. In 34 Dörfern arbeitet CARE deshalb gemeinsam mit lokalen PartnerInnen und Gemeindekomitees, um die Produktion der Landwirtschaft durch bessere Anbaumethoden, Verarbeitung und Vermarktung zu steigern, und damit auch die Ernteerträge zu erhöhen. Außerdem unterstützt CARE die Gemeinden dabei, die Versorgung mit sauberem Wasser zu gewährleisten und die Gesundheitsversorgung – etwa durch die Ausbildung von freiwilligen GesundheitsmitarbeiternInnen – zu verbessern.

Viele der Frauen sind Witwen und berichten, wie die kleinen Spar- und Kreditgruppen im Dorf ihnen geholfen haben, mit der Zucht von Schweinen oder Hühnern zu beginnen und sie nun erste Erfolge durch den Verkauf der Tiere erzielen. Die 60jährige Daw Bee Lay erzählte mir von einer weiteren positiven Entwicklung: „Die Gemeinschaft in unserem Dorf ist stärker geworden. Wir haben gelernt, gemeinsam unsere Probleme anzugehen, unabhängig von Religion oder Herkunft.“

Daw Bee Lay ist eine von vielen BewohnerInnen Myanmars, die für die Zukunft ihres Landes kämpfen. Diese Energie der Bevölkerung muss von der internationalen Gemeinschaft gestützt werden, genauso wie der Aufbau staatlicher Sozialleistungen im Land. So kann Myanmar weitere Schritte in Richtung einer Zukunft ohne Armut gehen. Ich bin gespannt auf meinen nächsten Besuch in diesem Land im Aufbruch.

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