“Nach den Fluten kommt die Wirtschaftskrise”

Ein Interview mit Promboon Panitchpakdi, Länderdirektor von CARE Thailand

Thailand ist jetzt schon seit Wochen von heftigen Fluten betroffen. Wie sieht die momentane Situation aus? 

Thailand kämpft mit den schwersten Fluten seit 50 Jahren. Fast 60 der insgesamt 76 Provinzen des Landes sind betroffen – das sind um die acht Millionen Menschen. Große Wassermengen fließen vom Norden in den Süden, überfluten weite Gebiete und zerstören Häuser, Straßen, Ackerland und Industriegebiete - und das, obwohl es mittlerweile nicht mehr regnet. Zudem mussten viele Geschäfte schließen. Ich befürchte, dass Thailand nach dieser Naturkatastrophe in eine schwere Wirtschaftskrise fällt. 

Wie stark ist Bangkok betroffen? 

Bangkok liegt im Süden, genau dort, wo das Wasser hin abfließt. Das vom Norden her strömende Wasser fließt also direkt in den Chaopraya Fluss, der durch die Hauptstadt verläuft. Das hat zur Folge, dass Bangkok, wie die anderen Provinzen, mit bis zu drei Meter hohen Wassermengen zu kämpfen haben wird. Die Regierung versucht, die Fluten in ein Vorstadtgebiet im westlichen Stadtteil umzuleiten, weshalb viele Menschen evakuiert werden. Doch trotz aller Vorkehrungen breitet sich das Wasser immer weiter aus. Der ehemalige Flughafen Don Muang steht bereits einen halben Meter unter Wasser. Man rechnet damit, dass weitere Stadtteile Bangkoks überflutet werden – inklusive unseres Büros. Wir werden wohl in eine andere Stadt außerhalb von Bangkok umziehen müssen. 

Was benötigt die Bevölkerung besonders? 

Die Fluten haben Häuser, die Ernte, ja die gesamte Lebensgrundlage zerstört. Da die Infrastruktur stark beschädigt wurde, steigt die Gefahr vor seuchenartigen Krankheiten durch verschmutztes Wasser. Viele Evakuierungszentren sind überfüllt und die Kapazitäten erschöpft, um hilfsbedürftige Menschen ausreichend zu versorgen. Besonders schlimm trifft es Randgruppen, wie beispielsweise Gastarbeiter. In Thailand leben etwa drei Millionen Migranten aus anderen Ländern, oft ohne gültige Papiere. Die meisten von ihnen kommen aus Myanmar, Kambodscha oder Laos. Sie haben Verständigungsschwierigkeiten, aber auch der ungeklärte Aufenthaltsstatus und die damit einhergehende Furcht vor Erpressung erschweren ihre Versorgung. Manche leben völlig isoliert in Wohnhäusern. Durch die Fluten haben viele ihre Arbeit verloren, weil aber oftmals ihr Pass als Druckmittel von den Arbeitgebern einbehalten wird, können sie nicht in ihre Heimat zurückkehren. 

Wie hilft Raks Thai den Gastarbeitern? 

Erste Einschätzungen ergaben, dass viele Gastarbeiter kein Geld für Lebensmittel haben. Außerdem gibt es in vielen Geschäften außerhalb von Bangkok keine Nahrungsmittel mehr zu kaufen. Raks Thai plant, rund 20.000 Gastarbeiter, Frauen und Kinder in vier Provinzen mit Nahrung, sauberem Wasser und anderen Hilfsgütern zu versorgen. Zudem wollen wir die Unterbringung von Menschen in Notunterkünften verbessern und Wasserversorgungs- und Müllentsorgungssysteme sowie sanitäre Einrichtungen bauen. 

Informationen über die Flutkatastrophe in Thailand: 

- Schwere Fluten in Thailand. Migranten und Gastarbeiter besonders betroffen. - CARE- Präsident Heribert Scharrenbroich bittet um Hilfe.
- Bangkok- ein sinkendes Schiff - Blog von Promboon Panitchpakdi, Länderdirektor CARE Thailand (Raks-Thai Stiftung)