Nach Wirbelsturm Matthew in Haiti: Große Zerstörung wird sichtbar

Am Donnerstagmorgen Ortszeit berichten CARE-Helfer von starker Zerstörung im Süden / erste Cholera-Fälle

Jean-Michel Vigreux, CARE-Länderdirektor, beschreibt die aktuelle Lage in Haiti:

„Jérémie, die Hauptstadt der südlichen Region Grand’Anse, ist komplett zerstört. Rund 80 Prozent der Gebäude sind einfach weggerissen worden. Telefonleitungen sind durchtrennt, die Elektrizität ist lahm gelegt. Die Stadt ist komplett abgeschnitten, und langsam gehen den Menschen Essen und Geld aus. Die Banken funktionieren nicht. Die Menschen sind sehr mitgenommen. Es gab bereits drei Fälle von Cholera in dem Krankenhaus hier, aber es gibt weder Elektrizität noch einen Stromgenerator. CARE ist aktuell mit 16 Mitarbeiter vor Ort und wir versuchen, ständig in Kontakt mit ihnen zu sein. Aufgrund der schwierigen Funkverbindung ist das allerdings nicht möglich. Es waren fünf Notunterkünfte ursprünglich geplant, jetzt sind zusätzlich 25 provisorische Notunterkünfte dazu gekommen. Sie wurden innerhalb von 48 Stunden für alle Menschen aufgebaut, die dringend Zuflucht suchen.

Die südliche Halbinsel Haitis hat es besonders hart getroffen. Jacmel, die Hauptstadt der südöstlichen Region, ist schwer beschädigt. CARE verteilt dort Essen in den Notunterkünften. Die Anzahl derjenigen, die allein in Jacmel Zuflucht suchen, hat sich von 2.700 auf 4.000 erhöht. Insgesamt wird zum jetzigen Zeitpunkt mit circa 15.000 Menschen in den Unterkünften gerechnet.

Eine Hauptsorge ist der Anstieg von Cholera-Fällen, die aus den gefluteten Regionen gemeldet werden. Seit dem großen Cholera-Ausbruch in Haiti im Herbst 2010 wurde die Epidemie zwar eingegrenzt, doch es gab auch weiterhin Ausbrüche, zuletzt kurz vor Wirbelsturm Matthew. Wichtig ist nun, dass die Fälle früh entdeckt und medizinisch behandelt werden. Außerdem muss der Zugang zu Trinkwasser und sicheren Unterkünften sichergestellt werden.“