Nepal: Neue Hoffnung für Familien

Nach dem Erdbeben in Nepal ist Jit Lal zum Alkoholiker geworden. Lange Zeit litt seine Familie still unter seiner Gewalttätigkeit.

Der 36-jährige Jit Lal Tamang lebt im Dorf Banskharkha in Nepals nordöstlicher Region Sindhupalchowk. Während seine Frau Kami Granden das Essen zubereitet, trägt er einen Wassereimer in die provisorische Unterkunft, in der die Familie seit einiger Zeit wohnt. So eine friedliche Szene war vor einiger Zeit kaum vorstellbar.

Kami erzählt von der schwierigen Zeit, die ihre Familie durchmachen musste: „Ich wurde ständig von meinem Mann geschlagen. Darunter litt ich so sehr, dass ich sogar mit dem Gedanken spielte, mich umzubringen.“

Wie Kami erdulden viele nepalesische Frauen stillschweigend die Gewalttaten ihrer Ehemänner oder anderer Familienmitglieder. Die soziale Stigmatisierung ist in abgelegenen Dörfern weit verbreitet. Gewaltverbrechen werden von der Gemeinschaft ignoriert und bleiben in den Schatten der Häuser verborgen.

„Immer wenn mein Ehemann trank, schlug er mich. Der Alkohol machte ihn gewalttätig. Ich machte mir große Sorgen um die Sicherheit meiner Kinder“, erinnert sich Kami.

Jit Lal ergänzt: „Meine Alkoholsucht war ein großes Problem. Wir hatten Schwierigkeiten, unsere Rechnungen zu bezahlen und konnten das Schulgeld für unsere Kinder nicht aufbringen.“

Leider teilen viele Überlebende des schrecklichen Erdbebens, das im April 2015 ganz Nepal  heimsuchte, Jit Lals Schicksal. Für viele Männer war der Alkohol das einzige Mittel zur Trauerbewältigung. Seitdem ist die Alkoholsucht in den Erdbebengebieten eine der Hauptursachen für häusliche Gewalt gegen Frauen.

CARE-Beratungsstellen: Erster Schritt für einen Neuanfang

CARE half Paaren wie Jit Lal und Kami bei einem Neuanfang. Mit Radiosendungen lenkte CARE Nepal die öffentliche Aufmerksamkeit auf die häusliche Gewalt an Frauen und Freiwillige besuchten Familien in vielen Gebieten Nepals, um sie über das Thema aufzuklären.

„Ich besuchte eine Informationsveranstaltung von CARE Nepal über Gewalt an Frauen. Das gab mir den Mut, über die Gewalt zu sprechen, die ich Zuhause durch die Hand meines Mannes erlebte“, berichtet Kami. Sie konnte sogar ihren Mann dazu bewegen, zu einer der Beratungsstellen von CARE Nepal zu gehen.

„In der Beratungsstelle riet man mir, über das Schicksal meiner Kinder nachzudenken. Zum ersten Mal wurden mir die negativen Auswirkungen bewusst, die mein Verhalten auf das Leben meiner Kinder hatte. Das war der Auslöser für meine Veränderung“, erklärt Jit Lal.

Kami erzählt, dass ihr Mann nach der Beratung durch CARE ganz mit dem Alkoholkonsum aufgehört hat. Seit fast vier Monaten hat Jit Lal nun nichts mehr getrunken und er ist sehr engagiert, auch weiterhin abstinent zu leben. „Unser Alltag hat sich sehr verbessert. Wir haben jetzt genug Geld zum Leben und können unsere Kinder in die Schule schicken. Unsere Kinder verdienen eine glückliche Kindheit und nun können wir ihnen eine friedliche Umgebung bieten“, freut sich Kami.