Nepal: Was du heute kannst besorgen...

Folge 6 der Serie: Wie erleben CARE-Mitarbeiter den Klimawandel?

In diesem Jahr hatten wir eine lange Dürre, gefolgt von sehr kurzen, heftigen Regenfällen. Dadurch konnten unsere Bauern ihren Reis nicht wie üblich anbauen. Zusätzlich starben durch den Ausbruch einer Durchfallepidemie in einer entlegenen Bergregion ca. 400 Menschen. In derselben Region starben viele Menschen durch Sturzfluten. Wenn sich solche Ereignisse fortsetzen, wird sich die Armut in Nepal verfestigen.Die Menschen in Nepal leiden stark unter dem Klimawandel, obwohl sie praktisch nichts zu seinen Ursachen beitragen. Die durchschnittliche Temperatur Nepals steigt jährlich um alarmierende 0,06 Grad Celsius. Dadurch sind die Folgen des Klimawandels in den hohen Gebirgsregionen Nepals nun offensichtlich. Wasserstress, fehlende Nahrungssicherheit, der Ausbruch von Virusinfektionen wie Durchfall, Erdrutsche und Waldbrände treten in Nepal häufiger auf als jemals zuvor.

CARE Nepal hat darum den Klimawandel als Priorität identifiziert und arbeitet nun daran, besonders gefährdete Regionen vor seinen Folgen zu schützen. Unglücklicherweise wurden durch die Verzögerungen der internationalen Verhandlungen die Initiativen von CARE Nepal und anderen Organisationen beeinträchtigt. Wir versuchen, grundlegende Bedürfnisse der verarmten, gefährdeten und sozial ausgegrenzten Gruppen sicherzustellen und ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels zu erhöhen. Aber ohne internationale Unterstützung werden unsere Bemühungen nur einen geringen dauerhaften Erfolg haben.

Es ist außerdem sehr bedauerlich, dass die Industriestaaten nicht auf die Forderungen der am wenigsten entwickelten Länder hören. Die Regierungschefs der Industrienationen scheinen ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll schon beinahe vergessen zu haben. Da aber die am wenigsten entwickelten Staaten für den Erfolg der entwickelten und reichen Nationen mit einer erhöhten Verletzlichkeit gegenüber Dürren, Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel zahlen, steht ihnen auch eine Kompensation zu. Die Industriestaaten müssen zu ihren Verpflichtungen stehen und sie müssen die Menschen aus Ländern wie Nepal dabei unterstützen, ihre Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft zu steigern. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot, ob wir nun aus den Industrienationen oder Entwicklungsländern kommen. Nachlässigkeit bei der Verringerung von CO2-Emissionen im Namen von wirtschaftlichem Wachstum wird die Welt garantiert in eine sehr prekäre Lage bringen.

Darum ist meine bescheidene Forderung an die Führer der Industrienationen, dass sie dem Sprichwort „was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ folgen und ihrem gegenwärtigen luxuriösen Lebensstil und Konsummustern abschwören, um diese wunderbare Welt zu retten. Wenn schon nicht für uns, dann doch für zukünftige Generationen.

 

CARE-Serie zur Klimakonferenz in Kopenhagen:

Folge 1 - Indonesien: Die Zukunft unserer Kinder
Folge 2 -
Peru: Klimawandel bedeutet Hunger
Folge 3
- Kenia: Rückschritt durch den Klimawandel
Folge 4 - Bangladesch: Das Wasser kommt
Folge 5 - Tansania: An die Staatsoberhäupter der Welt

Folge 6 -
Nepal: Was Du heute kannst besorgen...
Folge 7 -
Thailand: Der hohe Preis der Anpassung
Folge 8 -
Guatemala: Die Geschichte von Graciela Cabrera de Lopez
Folge 9 - Vietnam: Der Klimawandel findet JETZT statt
Folge 10 - Bangladesch: "Im letzten Jahr nahm sich die Flut unsere Ernte"