Neuer CARE-Bericht: „Syrische Frauen schultern den Großteil der Last dieser Krise“

Immer häufiger tragen Frauen die alleinige Verantwortung für die Familie.

Fünf Jahre nach Beginn der Syrienkrise schultern syrische Frauen einen Großteil der Last von Krieg und Vertreibung. Das zeigt der Bericht „Women, Work and War", für den Frauen in Syrien, Jordanien, im Libanon und in der Türkei befragt wurden. Immer häufiger tragen sie die alleinige Verantwortung für die Versorgung der Familie. Traditionelle Rollen haben sich dadurch teilweise umgekehrt.

„Frauen werden stärker, weil sie keine andere Wahl haben“, so Salam Kanaan, Länderdirektorin von CARE Jordanien. Viele Männer sind seit Kriegsbeginn ums Leben gekommen oder verletzt und viele Frauen müssen mit ihren Kinder alleine fliehen. „Sie sind es, die in vielen Fällen das Geld verdienen und lebenswichtige Medikamente in besetzte Gebiete schmuggeln. Es ist ein Drahtseilakt: Neben dem Geldverdienen müssen sie sich gegenüber ihren Ehemännern und männlichen Verwandten behaupten. Ihnen schlägt vielfach großes Missfallen entgegen – denn traditionell sind Männer Hauptverdiener.“

Vor der Krise machten Frauen in Syrien nur 22 Prozent der Erwerbstätigen aus. „Für viele Männer ist es jetzt sehr frustrierend, ihre Familien finanziell nicht länger unterstützen zu können“, erklärt Kanaan. „Wir müssen mit Gemeinden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Frauen nicht mit dieser enormen Last alleine gelassen werden. Gleichzeitig darf das aber keine Gegenreaktion auslösen.“  CARE Jordanien bietet zum Beispiel Berufsausbildungskurse im Bereich Computer- und Handy Reparatur an, die syrische und jordanische Frauen und Männer zusammenbringt. So werden ihnen gleichzeitig Wissen und sozialer Zusammenhalt vermittelt. 

 

Ganzer Report - „Women, Work and War" (englisch) 

Fact Sheet - die wichtigsten Ergebnisse im Überblick (englisch)

Gastbeitrag von CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel in der Süddeutschen Zeitung: „Syriens Zukunft ist weiblich"