Niger: Heimkehr ohne Geld und Hoffnung

Viele Gastarbeiter kehren derzeit ohne Lohn aus Nigeria in den Niger zurück. CARE hilft ihnen mit „Cash-for-Work“-Programmen.

Letztes Jahr musste Aminou Chaibou seine Frau und seine drei kleinen Kinder verlassen. Er zog ins Nachbarland Nigeria, um Arbeit zu suchen. Aminou hoffte, dort genug Geld zu verdienen, damit seine Familie die kommende Nahrungskrise in ihrer Heimat überstehen würde. Denn wie auch für Millionen seiner Landsleute war Aminous Ernte schlecht ausgefallen und er brauchte schnell Arbeit, um seine Familie zu ernähren. 

Nach Attentaten wird die Arbeit zu gefährlich

Doch stattdessen hat Aminou nun alles Geld verloren - und damit die Hoffnung der Familie auf eine Zukunft. „Ich habe sofort Arbeit in Nigeria gefunden, ich sollte dort Gräben für die Verlegung von Stromkabeln ausheben. Ich kenne die Gegend, ich habe dort auch schon früher gearbeitet “, erzählt er bedrückt. „Aber kurz bevor ich bezahlt werden sollte, ging ganz in der Nähe meines Arbeitsplatzes eine Bombe hoch. Es steht nicht gut um die Situation in meiner Heimat, aber ich entschied mich, mein Leben zu retten und nicht das Geld. Also bin ich nach Hause zurückgekehrt.“ 

Viele der Männer, die nahe der nigerianischen Grenze leben, gehen ins Nachbarland, um dort für einige Monate im Jahr zu arbeiten. Dies ist für sie zu einer Art Überlebensstrategie geworden. Doch in Nigeria wachsen Unruhe und Gewalt. Bombenattentate militanter Gruppen häufen sich und der landesweite Protest gegen die Öl-Subventionen der Regierung verschärft die Situation. Für viele Gastarbeiter dort wurde das Arbeiten zu riskant und sie kehrten zu Tausenden mit leeren Taschen zurück in den Niger. 

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Die Kinder fragen nach mehr Essen

Für den 29-jährigen Aminou ist die Situation noch schlimmer: Um überhaupt seine Reise nach Nigeria bezahlen zu können, musste er die einzige verbleibende Ziege seiner Frau verkaufen. Schon vorher hatten sie begonnen, ihren Besitz zu  verkaufen, um zu überleben.

“Was uns zum Essen bleibt, ist Hirsebrei mit ein bisschen Milch.“ Aminou rührt mit einem Löffel durch eine fast leere Schüssel mit verdünntem, suppenähnlichem Brei. „Wir strecken es mit einer Menge Wasser, um uns satt zu fühlen. Das essen wir momentan zweimal am Tag. In einem guten Jahr würden wir dreimal am Tag essen: Hirse, Nudeln mit Öl – viele verschiedene Dinge. Aber dies ist kein gutes Jahr und es wird noch schlimmer werden.” Seine Frau, Assamaou Rabi, hat Angst und bittet ihren Mann, nicht zurück nach Nigeria zu gehen. Aber eine Alternative gibt es nicht. “Unsere Kinder fragen nach mehr Essen, aber wir haben nichts, was wir ihnen geben könnten“, sagt die junge Frau. Der sieben Monate alte Zainab in ihren Armen fängt an zu weinen.

„Sterben darf ich dafür nicht!“

Mehr als 5,4 Millionen Menschen sind allein im Niger von akutem Hunger und Mangelernährung bedroht. Die Situation verschlechtert sich zunehmend: Eine katastrophale Kombination aus Missernten und rapide ansteigenden Lebensmittelpreisen kündigt eine weitere schwere Nahrungskrise in ganz Westafrika an. Mindestens 1,3 Millionen Menschen wie Aminou und seine Familie brauchen schon jetzt dringend Hilfe. 

CARE hat bereits ein „Cash-for-Work“-Programm zusammen mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen begonnen. Dabei werden Männer und Frauen für Reparatur- und landwirtschaftliche Arbeiten bezahlt und können sich so Lebensmittel kaufen. Hier im Dorf Serkin Yamma in der Nähe der Stadt Maradi verdienen Aminou und die anderen Teilnehmer nun 1.000 westafrikanische Franc am Tag - das entspricht etwa 1,50 Euro.

Aminou ist dankbar und sagt, dass das Projekt zu einem Zeitpunkt kam, an dem er bereits jede Hoffnung aufgegeben hatte. Er hatte versucht, zusätzliche Arbeit in Maradi zu finden und sogar überlegt, zurück nach Nigeria zu gehen.  „Aber nach allem, was wir hier über die Situation im Radio mitbekommen, ist es vernünftiger, hier bei meiner Familie zu bleiben. Gestern gab es ein weiteres Attentat, direkt hinter der Grenze, in der Nähe meiner alten Arbeitsstelle. Wir brauchen zwar Geld für Essen, aber sterben darf ich dafür nicht. Wer würde sich denn dann um meine Familie kümmern?“