Niger: "Ich habe keine Milch für mein Kind"

Die andauernde Hungerkrise in dem westafrikanischen Land bedroht vor allem die Kleinsten

Hasana und Meimouna sind schon acht Kilometer durch die unerträgliche Hitze gelaufen, um ihre Babys von ihrem Heimatdorf Ratta in eine Klinik nach Goumbi Kano zu bringen. Die beiden Mütter leben im Niger, wo derzeit mehr als sieben Millionen Menschen unter einer akuten Hungerkrise leiden. Die Gründe: Dürre, Missernten, Schädlingsbefall, steigende Nahrungsmittelpreise und die chronische Armut in der Region.

Hasana hat vier Kinder, und wie jede Mutter möchte sie nur das Beste für sie, auch für die zehn Monate alte Tochter Farida. Aber das ist momentan schwierig: „Ich habe keine Milch für sie. Wenn sie schreit, gebe ich ihr Hirse mit Wasser gemischt, aber das hat nicht die Nährstoffe, die sie benötigt.“

Der kleine Kopf zu schwach, um sich zu heben

Farida wurde am 25. Juni in die Klinik eingewiesen. Sie wird wegen schwerer Unterernährung behandelt, aber die gute Nachricht: Nach einer Behandlung mit Anti-Malariamitteln, Antibiotika und Plumpy’ nut, einer hochenergetischen Erdnusspaste, legt sie schnell wieder an Gewicht zu. Dennoch ist Farida immer noch sehr schwach und müde. Das Baby schafft es kaum, seinen Kopf zum Weinen zu heben, als es zum Wiegen auf eine Waage gelegt wird.

 

Stiller Held: Der engagierte Arzt

Dr. Mustapha Chaibou leitet dieses einsame Krankenhaus, das gemeinsam von CARE und der nigrischen Regierung finanziert wurde. Er hat im Niger Medizin studiert und arbeitet jetzt schon seit drei Jahren hier. Dr. Chaibou sagt, dass er ungefähr 20 Patienten am Tag behandelt – die meisten sind unterernährte Kinder. Die Klinik hat sieben Tage die Woche geöffnet, ein Wochenende gibt es nicht. „Diese Kinder sind stark unterernährt, aber wenn ihre Mütter regelmäßig kommen, sind die Prognosen gut. Dann können sie überleben,“ sagt er.

Der Einzugbereich der Klinik beträgt nach Angaben der Regierung rund 15 Kilometer. Viele Patienten nehmen aber auch einen wesentlich weiteren Weg auf sich, um medizinische Hilfe zu bekommen. Und gerade die Kleinsten benötigen diese Hilfe dringend: Derzeit leiden im Niger ungefähr 17 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung. In einigen Regionen sind die Zahlen noch wesentlich höher – weit über dem Richtwert, der eine Hungersnot zu einer Krise macht.

Die Nothilfe lindert den schlimmsten Hunger

CARE hilft rund 17.000 unterernährten Kindern mit speziellen Nährstoffen und unterstützt bis heute 12.000 werdende und junge Mütter. Insgesamt werden Nahrungsmittel an 37.500 Kinder verteilt. Zusätzlich leistet CARE Unterstützung für Gesundheitszentren, wie das in Goumbi Kano, um die Unterernährung bei Kindern zu bekämpfen. Außerdem verteilt CARE in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm WFP Essen an die ärmsten Familien und organisiert Schulspeisungen, damit die Kinder nicht hungernd im Klassenzimmer sitzen.

Dr. Chaibou kennt die Auswirkungen der Hungerkrise ganz genau, er hat sie jeden Tag vor Augen. Und er warnt, dass es noch schlimmer wird, wenn es nicht bald regnet: „In der Sahelzone gibt es schon viele unterernährte Kinder, selbst wenn es ausreichend regnet. Ohne den Regen ist es aber eine einzige Katastrophe.“

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