Niger: Neue Straße, neue Zeiten

Mit Straßenbau und Einkommensprojekten hilft CARE den Menschen bei der Vorbereitung auf Dürren

Es ist ein Montag gegen Ende des Jahres und wie immer tobt das Leben und der Handel im Dorf Bazazaga im Süden des Nigers. Es ist Markttag. Bazazaga liegt elf Kilometer von der Landeshauptstraße entfernt, und noch bis vor zehn Jahren war die Bevölkerung völlig vom Leben und Handel isoliert. Geld konnte man nur im benachbarten Nigeria verdienen.

Doch Abdoullahi Chekaraou ist zuversichtlich. „In der Geschichte von Bazazanga gibt es eine Zeit vor und nach der Straße“, erzählt er. „Bevor wir die Straße mit CARE gebaut haben, kam nur ein Fahrzeug pro Woche durch das Dorf. Heute sehen wir mindestens zwei oder drei pro Tag, mit bis zu 30 an Markttagen. Außerdem kann ich nach Nigeria reisen, um Plastikwaren zu kaufen, die ich dann auf unserem Dorfmarkt weiterverkaufe. Der Gewinn pro Woche entspricht etwa 60 Kilogramm Getreide für meine Familie."

Von weitem hört man die Busse und Transporter, die Händler und Ware von und ins 60 Kilometer entfernte Nachbarland Nigeria bringen. Kinder ziehen Ziegen hinter sich her, Kamele schauen gelangweilt in die Luft. Das Radio tönt, der Schmied hämmert, überall in Bazazaga schwirrt das Leben.

Die muntere Atmosphäre steht im starken Kontrast zu beunruhigenden Zahlen, die in den letzten Wochen aus der gesamten Region der Sahelzone kommen. Laut Prognosen der Vereinten Nationen und der nigrischen Regierung leidet über die Hälfte der ländlichen Bevölkerung an Nahrungsmittelknappheit, auch Mali, Tschad und Burkina Faso sind betroffen. Unregelmäßige Regenfälle, längere Dürren und Insektenplagen führen dazu, dass die Menschen immer weniger Zeit haben, sich von Ernteausfällen zu erholen.

Schon im Oktober 2011 warnte CARE vor einer Nahrungskrise im Niger. Lesen Sie hier die Medieninformation.

Doch obwohl auch Abdoullahi ein Getreidedefizit von 60 Prozent verzeichnen muss, glaubt er nicht, dass er und seine Gemeinde Hunger leiden werden. „Im Vergleich zu früheren Generationen sind wir dank CARE viel besser auf die ausfallenden Ernten vorbereitet. Mit CARE haben wir eine Straße, eine Getreidebank, ein Rehabilitationszentrum für mangelernährte Menschen und eine Tierstation gebaut.“ Und dank der Landstraße ist Bazazaga heute viel besser mit den anderen Dörfern vernetzt. Abdoullahi wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit: “2005 und 2010 konnten wir weniger ernten als in den Hungerjahren 1973 oder 1984. Trotzdem litten wir weniger, denn mit den Getreidevorräten und Ersparnissen konnten wir die Dürre überbrücken.“

Tani verkauft frittiertes Gebäck auf dem Markt. (Foto: CARE/ Niandou Ibrahim)Kluge Frauen, kluge Investitionen

Außerdem hat sich auch die Zusammenarbeit unter den Dorfbewohnern verändert. Die Idee dazu brachte CARE 1991, vor genau 20 Jahren, in das westafrikanische Land. Damals wurde im Niger die erste Kleinspargruppe gegründet, die auf Dorfebene Menschen zusammenbrachte, die gemeinsam sparten und sich gegenseitig Kredite gewährten. Und das System funktioniert bis heute:

In Bazazaga heißt die örtliche Spargruppe „Mata Masu Dubara“, das bedeutet „kluge Frauen“ in der Landessprache Haussa. Die Gruppe vergibt Darlehen, damit Frauen einen Geschäftsbetrieb aufnehmen können und mit dem Einkommen besser auf schwere Zeiten vorbereitet sind. Tani Dan Loumou ist Mitglied der Gruppe und verkauft auf dem Dorfmarkt von Bazazaga frittiertes Gebäck. "Es gibt mindestens 107 Frauen im Dorf, die ihren Lebensunterhalt auf diesem Markt verdienen; alle Frauen in unserer Gruppe verkaufen hier. Obwohl das CARE-Projekt offiziell abgeschlossen ist, gibt es weiterhin unsere Getreidebanken und auch unsere Unternehmen florieren,“ erzählt Tani mit einem stolzen Lächeln.

Lesen Sie mehr über die Arbeit von CARE mit der Kleinspargruppe "Kluge Frauen" hier .

Dieses Lächeln bedeutet, dass es trotz Nahrungsmittelknappheit einen Ausweg für die Gemeinden im Niger und in den Nachbarländern gibt. Wenn sich internationale Solidarität mit dieser lokalen Kreativität paart, dann haben die Menschen im Sahel eine Chance.