Niger: Nie wieder betteln müssen

CARE unterstützt Familien im Niger, sich ein zusätzliches Einkommen zu sichern.

Tchima Ibrahim Iro ist gerade einmal 40 Jahre alt. Aber die vielen Falten in ihrem Gesicht sind die Spuren eines schwierigen Lebens. Tchima zieht ihre sechs Kinder alleine groß – ihr Mann ist schon vor vielen Jahren gestorben. Lange war sie auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, ihre eigenen Einkünfte reichten nicht aus, um ihre große Familie zu versorgen.

„Letztes Jahr haben mir die Menschen mehr gegeben als dieses Jahr. Die meisten haben jetzt wegen der Dürre selbst nichts mehr“, sagt Tchima.
Dass es in den Monaten vor der Ernte nicht ausreichend zu Essen gibt, ist im Niger sowie in anderen Regionen der Sahelzone nichts Neues. Doch in diesem Jahr muss  mit einem drastischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise gerechnet werden. Dürren und regionale Unruhen erschweren die Situation weiter.

Ein zusätzliches Einkommen

CARE unterstützt daher Familien wie Tchimas dabei, sich ein zusätzliches Einkommen zu sichern. Vor allem wenn keine Erntezeit ist und die Menschen nicht mehr genügend Vorräte haben, können sie sich so Lebensmittel leisten. Sie erhalten einen kleinen Lohn dafür, dass sie für die Gemeinde kleine Arbeiten erledigen. „Ich danke CARE für die finanzielle Unterstützung. Jetzt kann ich endlich Lebensmittel für mich und meine Familie kaufen“, sagt Tchima. Weder sie noch ihre Kinder können arbeiten. Deswegen erhalten sie etwas Geld von CARE. „Ohne diese Unterstützung hätte ich meinen Kindern nichts zu essen geben können.“

Tchima lebt in der Gemeinde Sarkin Yamma, die in einem halbtrockenen Gebiet liegt. Die monotone Landschaft hier wird nur durch ein paar Akazien, Kamele und Brücken über trockene Flussbetten abgewechselt. Kleine Wetterveränderungen können hier große Auswirkungen darauf haben, ob und wie sich die Menschen versorgen können. 

Die letzten drei Monate hat es kaum geregnet. Die Regensaison begann später als gewöhnlich, die Regenfälle waren schwach und unregelmäßig. Die Ernten wurden zerstört und das Vieh – die Haupteinnahmequelle für die meisten Menschen hier – verendete. „Leider habe ich weder Land noch Vieh – nicht einmal ein Huhn besitze ich“, erklärt die sechsfache Mutter. „Am schwierigsten ist es für mich, meine Familie mit Essen zu versorgen.“ 

Es geht um mehr als nur Nahrung 

Die Nahrungsmittelpreise sind enorm gestiegen. „Zurzeit kostet ein Sack mit etwa 2,5 Kilogramm umgerechnet etwa 80 Cent. Im letzten Jahr kostete er noch um die 65 Cent“, sagt Tchima.

Aufgrund der schlechten Bedingungen während der Dürrezeit arbeiten viele Menschen für einige Monate im Ausland, um etwas Geld für die ganze Familie zu verdienen. Dieses Jahr mussten jedoch viele nigrische Arbeiter frühzeitig abbrechen. Aufgrund politischer Konflikte in umliegenden Ländern wie der Elfenbeinküste, Mali und Libyen mussten sie in ihre Heimat zurückkehren. „Mein ältester Sohn ist 20 Jahre alt und lebt weit weg. Ich habe all mein Geld für seine Reisekosten ausgegeben, doch er hat keine Arbeit gefunden und wir haben kein Geld“, so Tchima.

Unterstützen Sie die Menschen in der Sahelzone mit Ihrer Spende.

Jede Krise führt dazu, dass Menschen ums Überleben kämpfen müssen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule oder zum Geld verdienen schicken. „Essen ist lebensnotwendig“, sagt Tchima. Eltern stehen somit vor der Frage, ihren Kindern die Schule zu ermöglichen oder die Grundversorgung der Familie zu sichern. „Ich wünschte, meine Kinder könnten zur Schule gehen, aber ich kann es mir leider nicht leisten“, sagt Tchima. Ihr ist bewusst, dass die Bildung ihrer Kinder wichtig ist, doch sie müssen auch essen.

Solidarität unter den Dorfbewohnern

Die Dorfbewohner helfen sich untereinander. „Wenn ich morgens aufwache, kann ich meinen Kindern nichts zu essen geben“, erzählt Tchima. Sie ist darauf angewiesen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Dorfbewohner haben nur wenig, aber sie teilen es mit ihr. „Die Leute wissen, dass ich nichts besitze und dennoch helfen sie mir.“

Wie viele andere auch, häuft Tchima Schulden an. „Für gewöhnlich sind es sechs bis elf Euro im Monat“, so Tchima. Für ein Land, in dem das Bruttoinlandsprodukt 480 Euro beträgt, sind diese Beträge sehr hoch.

Mit CAREs Hilfe hat Tchima wieder eine Perspektive. „Ich habe einen Teil der Schulden bereits zurückgezahlt und aufgehört zu betteln. Ich möchte das nie wieder tun müssen“, berichtet sie glücklich. „Ich habe nur noch acht Euro Schulden. Mit dem nächsten Gehalt vom Projekt (20 Euro) zahle ich sie weiter ab. Danach werde ich einen großen Topf Haferbrei für meine Kinder kochen. Es tut sehr gut, dass ich für mich und meine Familie sorgen kann.“

Der Nutzen für die Gemeinde

Mit Fördermitteln der Europäischen Kommission unterstützt CARE 11.377 Familien in den südlichen Regionen Marad, Tahoua und Zinder. Sechs Tage die Woche arbeiten Teilnehmer für einen Lohn von 40 Euro pro Monat. Die Haushalte, die unterstützt werden, sucht die Gemeinschaft aus. 

Obwohl das Hauptziel des Projekts ist, den Menschen finanziell unter die Arme zu greifen, profitieren die Gemeinde auch langfristig davon. Zukünftige Projekte im Bereich Umwelt und Infrastruktur fordern zudem den Einsatz der Teilnehmer. Die Menschen aus Sarkin Yamma wandelten bereits jetzt ungenutztes Land in Weideland um. Sie entfernten Unkraut, säten Getreide und schaffen dadurch neues Weideland für ihr Vieh.

Tchima hat den Nutzen des Projekts für die Gemeinschaft erkannt: „Unabhängig davon, wie viel Geld ich verdiene, bin ich Teil einer Gemeinschaft. Alle helfen einander.