Niger: Sorgen und Hoffnung in Moujia

Nahrungsmittelkrisen sind im Niger keine Seltenheit. CARE hilft Gemeinden daher, Getreidebanken einzurichten.

von Niandou Ibrahim, CARE Niger

Jede fünfte Familie im Niger war von der Nahrungsmittelkrise im letzten Jahr betroffen – auch im Dorf Moujia, das zwischen den Städten Konni und Tahoua im Westen des Landes liegt. 

Von der Getreideernte in Moujia hatten Dürre und Parasiten nicht mehr viel übrig gelassen. Für viele Menschen bedeutete das, dass sie eine andere Einkommensquelle finden oder auswandern mussten. Auch Alhou Abdou, der eine achtköpfige Familie ernähren muss, wusste nicht mehr, wie er seine Familie satt kriegen kann. 

Kleiner Getreidespeicher – große Wirkung

In Zusammenarbeit mit der nigerschen Regierung und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) versorgt CARE Familien wie die von Abdou daher mit 100 Kilogramm Weizen. Zusätzlich hat CARE die Frauen in der Gemeinde unterstützt, eine Getreidebank zu errichten, damit sie ihre Familien auch zukünftig versorgen können. 
Dieser kleine Getreidespeicher hatte einen großen Einfluss auf die ganze Gemeinde. Die Frauen wissen, dass Dürren im Niger immer wiederkehren – im Schnitt alle drei Jahre. Der bisherige Erfolg motivierte sie, eine „Vereinigung der Getreidebanken“ für die gesamte Region zu gründen. 

Matu Masu Dubara heißt ihr Netzwerk – auf Hausa bedeutet das „schlaue Frauen“. Und schlau ist auch die Idee: Verschiedene Spar- und Leihgruppen werden hier von den Dorfbewohnern verwaltet und ermöglichen die Verwirklichung von Projekten in den Dörfern: Sie schulen Krankenschwestern, rüsten Gesundheitsstationen auf, pflanzen Bäume, ermöglichen Mädchen den Zugang zu Bildung oder bauen eben auch Getreidebanken auf, um die Versorgung der Dorfbewohner mit Nahrungsmitteln zu sichern.  

Auch Alhous Frau Hadja ist Mitglied einer Gruppe, die vor fast zehn Jahren eine Getreidebank angelegt hat. In jedem einzelnen Jahr hat diese Bank ihren Zweck erfüllt – denn auch in guten Erntejahren kann ein Großteil der Familien nicht allein von den Erträgen leben. In schlechten Jahren wie 2010 kann die Getreidebank von Moujia der großen Nachfrage allerdings nicht mehr nachkommen. 

Gemeinsame Finanzierung – gemeinsame Nutzung

In ganz Niger haben mittlerweile hunderte Frauen des Mata Masu Dubara-Netzwerkes Getreidebanken in ihren Gemeinden angelegt. Durch den Zusammenschluss all dieser kleinen Banken zu einem großen Netzwerk können die verschiedenen Gemeinden sich in Krisenzeiten jetzt gegenseitig helfen. Zusammen haben sie ein Lagerhaus aufgebaut, in dem sie genügend Getreide lagern, um einer kleineren Bank zu helfen, wenn die Vorräte knapp werden. „Dazu hat jede Gruppe etwa 1.500 Euro gezahlt“, erklärt Mérido Moussa, Vorsitzende der Matu Masu Dubara-Frauenvereinigung in Moujia. „CARE hat die Frauen darin geschult, wie sie die Banken am besten managen und die Bestände aufrechterhalten, das Welternährungsprogramm hat rund 27.000 Kilogramm Getreide zur Verfügung gestellt – die Ressourcen wurden ideal gebündelt!“ 

Fast drei Millionen Menschen könnten von schlechter Ernte betroffen sein

„Die Frauen sind so klug“, flüstert Alhou Abdou, während er seine Frau mit sanftem Blick ansieht. „Normalerweise würden die von den Frauen zurückgelegten Getreidevorräte zur Deckung des hohen Nahrungsbedarfs in diesem Jahr reichen. Aber immer mehr unserer Mitbürger, die vorher in Libyen gearbeitet haben, kehren jetzt zurück.“ Aber nicht nur aus Libyen, sondern auch aus der Elfenbeinküste kehren Arbeitsmigranten zurück. Das bedeutet nicht nur, dass noch mehr Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden müssen, sondern auch, dass mit dem Wegfall ihrer Löhne in Libyen oder der Elfenbeinküste eine der Haupteinnahmequellen der Menschen in Moujia wegfällt. 

Die Prognose für die diesjährige Ernte im Niger ist schlecht: In fast 2.500 Dörfern wird sie für die Bewohner nicht ausreichen – fast 3 Millionen Menschen könnten davon betroffen sein. Vor allem Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren sind von Unterernährung gefährdet. Die Getreidebanken in Moujia und anderen Gemeinden sind daher wichtiger denn je.