Niger: Viele Schritte gegen den Hunger

Vorsorgen ist besser als heilen: Wie CARE Kleinbauern unterstützt, sich auf Dürren vorzubereiten.

Im Niger hat es nicht geregnet. Schon wieder nicht. Die Gefahr einer erneuten Hungerkrise steigt mit jedem Tag ohne Leben spendenden Regen. Doch das Schlimmste kann verhindert werden, wenn Getreidevorräte aufgestockt und Kleinbauern unterstützt werden. 

Im Sommer und Herbst letzten Jahres blickte die Welt auf das Horn von Afrika, wo von Äthiopien über Kenia bis Somalia Hunger herrschte. Leider kam die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft zu spät, um die Not zu verhindern. CARE und andere Organisationen mussten schnell handeln und viele Ressourcen aufbringen, um Leben zu retten. Vorsorge hätte das Schlimmste verhindern können.

Heute bahnt sich auf der anderen Seite des Kontinentes, in Westafrika, ein ähnliches Szenario an. Im Niger hat es dieses Jahr kaum geregnet. Der Großteil des westafrikanischen Landes liegt in der Sahara, es ist ein trockenes, unwirtliches Gelände. Die spärlichen Niederschläge, die zwischen Juni und September fallen sollten, sind lebensnotwendig, damit Pflanzen gedeihen können. Regenfälle im Mai 2011 machten den Bauern große Hoffnungen. Doch das Bild wandelte sich, als der Regen erneut ausblieb. Nun herrscht Dürre.  

Besonders der Hirseanbau leidet. Als die Pflanzen im November verdorrten, waren fast drei Millionen Menschen von akuter Nahrungsknappheit bedroht. Diese Zahl könnte weiter steigen, wenn im Juli und August 2012 wieder die Trockenzeit beginnt. 

Unerschwingliche Nahrung und die Schuldenspirale

An vielen Orten gibt es zwar genügend Nahrungsmittel. Aber sie sind so teuer, dass es sich der Großteil der Bevölkerung nicht leisten kann. Der Grund: Lebensmittelspekulation. Händler kaufen das Getreide unmittelbar nach der Ernte zu niedrigen Preisen auf. Wenn die lokalen Geschäfte beinahe leer sind, erhoffen sie sich Profit, indem sie das gebunkerte Getreide zu hohen Preisen verkaufen. Um sich weiterhin Nahrungsmittel und Saatgut leisten zu können, bleibt den meisten Menschen nur eine Lösung: Sie müssen Kredite aufnehmen, die sie dann mit dem Ertrag der nächsten Ernte zurückzahlen. Bleibt diese Ernte aus, müssen sie erneut Kredite aufnehmen und enden in einer Schuldenspirale, aus der es keinen Ausweg gibt – besonders wenn die Ernte wieder ausbleibt.

Um Geld zu verdienen, entschließen sich viele Menschen im Niger dazu, das Land zu verlassen, um  anderswo zu arbeiten. Die Reise dorthin ist jedoch sehr teuer für die Familie. Oft müssen sie weitere Kredite aufnehmen oder ihr Land verkaufen, um sich die Papiere fürs Ausland leisten zu können. Wenn sie kein Land mehr besitzen, verlieren sie ihre wichtigste Einnahmequelle. Darüber hinaus nehmen Gastarbeiter große Risiken auf sich. Nach den politischen Unruhen in Libyen, Nigeria und der Elfenbeinküste mussten unzählige Gastarbeiter fliehen und kamen mit leeren Händen zu ihren Familien zurück. 

Bäume und Speicher

Es gibt Auswege. Aber diese brauchen Zeit und kontinuierliche Unterstützung, auch abseits der Weltaufmerksamkeit. Eine Lösung: Getreidespeicher, in denen das Korn sicher gelagert und zu Normalpreisen verkauft werden kann, sobald  der Marktpreis ansteigt. Damit könnte man einer Hungerskrise entgegenwirken und den Bauern eine Chance geben, sich aus der Schuldenspirale zu befreien. Schon heute passen sich die Menschen der Region eigenständig an den Klimawandel an. Im Niger gibt es etwa eine Initiative namens „Die Wüste gemeinsam grüner machen“. Dabei werden Bäume gepflanzt, Büsche und andere Pflanzen, die Feuchtigkeit speichern und die Temperatur des Bodens senken. Das steigert die Erträge. CARE unterstützt die Initiative seit 1985. Gemeinsam konnten so rund fünf Millionen Hektar Anbaufläche wieder nutzbar gemacht werden.

Die Erfahrung zeigt: Vorsorge ist möglich. Und sie ist kostengünstiger und nachhaltiger als die immer wieder notwendigen Hilfseinsätze, um Hunger zu bekämpfen.

Helfen Sie CARE und den Menschen in Westafrika bei der Dürrevorsorge und spenden Sie hier.