Nordkenia: „Tiere sind Fleisch, Milch und Geld. Wenn sie weg sind, ist alles weg“

Katastrophenvorsorge ist das A und O im Kampf gegen die Dürre

Ich habe gerade das Dorf Balich in der Region Garissa im Nordosten Kenias besucht. Die Bewohner von Balich gehören dem Stamm der Somali-Bantu an, einer ethnischen Minderheit, die unter Diskriminierungen leidet. Wie in anderen Teilen Ostafrikas, herrscht auch hier die Dürre. Geschätzte 2,4 Millionen Menschen sind im Nordosten von Kenia von der Dürre betroffen, mehr als 50 Prozent der Einwohner. Aber inmitten der Dürre scheint ein Funken Hoffnung. Das Dorf Balich war nämlich auf die Dürre vorbereitet. Sie können Nahrung und Futter für die Tiere anbauen, weil sie ein funktionierendes Bewässerungssystem haben. Aber fangen wir von vorne an:

Einige Gebiete im Nordosten Kenias sind wegen der schlechten Straßen und der Entfernung schwer zu erreichen. In diesen entlegenen Orten sind Kinder, schwangere und stillende Frauen und Ältere am stärksten von der Dürre betroffen. Ich habe von Männern gehört, die losgezogen sind, um Futter für ihr Vieh oder Arbeit in der Stadt zu finden. Frauen und Kinder bleiben zurück und sind auf die Unterstützung ihrer Verwandten, der kenianischen Regierung oder Hilfsorganisationen angewiesen.


„Tiere sind Fleisch, Milch und Geld. Wenn sie weg sind, ist alles weg“

Die Dürre hält an und die Pumpen können mit dem Wasserbedarf nicht mithalten. Die Menschen brauchen es tagsüber, die Tiere in der Nacht. Die Leute verlassen sich mehr als je zuvor auf mechanisch gepumptes Wasser. Wegen der hohen Belastung versagen die Pumpen aber häufig. Der Grundwasserspiegel sinkt und Gebiete, die vorher gepumptes Wasser nutzten, müssen nun mit teuren Wasser-Trucks versorgt werden. Das kann nur eine Übergangslösung sein. In einigen Dörfern müssen die Hirten drei Tage auf Wasser für ihr Vieh warten. Andere müssen 30 bis 40 Kilometer gehen, bevor sie eine Wasserstelle erreichen. Viele ihrer Tiere sind auf der Suche nach Wasser verendet – und das heißt, dass sie auch ihre Einkommensquelle verloren haben.

In Garissa leben zum Großteil Hirten; Tiere bedeuten hier alles. Ein Kollege sagte mir: „Tiere sind Fleisch, Milch und Geld. Wenn sie weg sind, ist alles weg.“ Die Preise für Vieh sind stark gefallen und Hirten müssen ihre Tiere oft für einen sehr niedrigen Preis verkaufen. Wenn sie es einmal zum Markt geschafft haben, müssen sie ihr Vieh zu jedem angebotenen Preis verkaufen, weil sie sie nicht mehr mit nach Hause nehmen können. Manche würden den Rückweg nicht überleben, weil sie zu ausgemergelt sind. Ungefähr eine halbe Million Menschen und 90 Prozent aller Rinder sind bereits weggezogen auf der Suche nach Wasser, Futter und Nahrung.

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Alternativen zur Landwirtschaft sind der Schlüssel

Das Dorf Balich aber zeigte mir ein Bild von Stärke und Hoffnung. Die langfristige Unterstützung von CARE hat den Menschen in Balich geholfen, den Auswirkungen der Dürre etwas entgegenzusetzen und sich auf die harten Zeiten vorzubereiten. CARE hat die Gemeinde mit Hilfe von Wasserpumpen und Kanälen zur besseren Bewässerung unterstützt, Futter für die Tiere anzubauen. Vorher war Wasser holen eine gefährliche Angelegenheit.

„Meine Kinder sind jetzt sicher, wenn sie Wasser holen. Zuvor wurden sie von Krokodilen im nahe gelegenen Fluss bedroht“, erzählt mir eine Frau. Der Schlüssel ist, dass die Menschen Alternativen haben, Menschen in die Lage zu versetzen, eine Dürre zu überstehen, ohne alles Hab und Gut zu verlieren. Mit dem Zugang zu Spargruppen, Märkten und einem nachhaltigen Herdenmanagement haben die Menschen ein Einkommen und können Ersparnisse anlegen. Das CARE-Projekt in Balich zeigt, wie wichtig Katastrophenvorsorge ist. Aber es hat einen Nebeneffekt: Hirten aus umliegenden Dörfern bringen jetzt immer öfter ihr Vieh nach Balich und strapazieren so die wertvollen Wasserquellen.

Mein Besuch in Balich bestätigte, was wir in der Theorie schon wissen, in der Praxis aber noch viel mehr brauchen: Unterstützung in Notfällen und langfristige Entwicklung, die sich auf die Belastbarkeit der Gemeinden konzentriert, müssen Hand in Hand gehen. Das ist der einzige Weg, den Hungerkreislauf zu durchbrechen. Ich hoffe, dass das Beispiel von Balich zeigt, wie viel wir erreicht haben und wie viel Geld wir eigentlich sparen können, wenn wir in die Vorbereitung investieren.