Osttimor: Bildung auch für Töchter

„Ich arbeite hart, damit alle meine Kinder in die Schule gehen können“

In Osttimor hat ein Drittel der Bevölkerung nur unzureichenden Zugang zu Nahrungsmitteln. Für viele betroffene Familien rückt dabei die Schulbildung ihrer Kinder in den Hintergrund. Obwohl die Grundschule kostenlos ist, können sich viele Familien Schulbücher und Uniformen nicht leisten.

Für Fidelia Soares, Mutter von sechs Kindern und Teilnehmerin des CARE-Programms „Junge Frauen – Junge Nation“ ist Bildung aber auch sehr wichtig.

„Ich habe keine Ausbildung erhalten, daher weiß ich wie wichtig es für meine Kinder ist zur Schule zu gehen – besonders für meine Mädchen,“ sagt sie.

Mädchen werden häufig eher von der Schule genommen, als Jungen. Viele Eltern ziehen vor, dass ihre Söhne eine ordentliche Ausbildung bekommen. Dabei sind es gerade die Mädchen, die selbst zumindest zur Grundschule gegangen sind, die später auch ihre Kinder zur Schule schicken. Ihre Familien sind häufig gesünder und haben mehr Geld zum Leben. Deshalb fördert CARE die Ausbildung von Mädchen in Osttimor und versucht zu erreichen, dass ein Schulbesuch und –abschluss für mehr Mädchen ganz selbstverständlich wird.

„Es ist schwierig, all meine Kinder zur Schule zu schicken“

Das Programm arbeitet mit Müttern wie Fidelia zusammen, um anderen Eltern die Bedeutung des Schulbesuchs ihrer Töchter zu erklären. Obwohl ihr sehr viel daran liegt, ihre Töchter in die Grundschule und auch auf eine weiterführende Schule zu schicken, ist das auch für Fidelia nicht einfach.

„Es ist schwierig, all meine Kinder zur Schule zu schicken. Mein Mann ist sehr krank und kann nicht arbeiten. Nur ich arbeite. Ich verdiene Geld, indem ich Tiere und Früchte verkaufe. Mit einem Teil des Einkommens bezahle ich die Schulkosten und von dem anderen Teil kaufe ich Lebensmittel“, erzählt sie.

Obwohl das Geld knapp und die Herausforderungen enorm sind, will Fidelia es unbedingt für die Schulbildung ihrer Kinder verwenden. Dafür arbeitet sie hart.

„Die Geschichten anderer Mädchen motivieren mich“

In der Schule gibt es für junge Mädchen ein großes Angebot: traditionelle Tanzkurse, Singen, Sport und Ratespielen. All diese Aktivitäten ermutigen sie, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. CARE hat über diese positiven Entwicklungen ein kleines Buch veröffentlicht, damit auch andere Mädchen – die nicht zur Schule gehen – sich davon inspirieren lassen.

Fidelias Tochter ist in der sechsten Klasse und geht sehr gerne zur Schule. „Ich habe das CARE-Buch „Mein Traum“, gelesen und es hat mir sehr gefallen, weil die Geschichten mich motiviert haben, wie eine der Figuren in der Erzählung zu werden. Ich möchte gerne Journalistin werden, wenn ich mit der Schule fertig bin…vielleicht kann ich eines Tages auch solche Bücher schreiben“, sagt Augustina.

Die Fortschritte der Kinder miterleben

Alle paar Monate organisiert CARE eine Gemeindeveranstaltung, bei der Schülerinnen zeigen, was sie gelernt haben. Eltern und andere Gemeindemitglieder werden dazu eingeladen, die Fortschritte ihrer Kinder mitzuerleben. Vor allem die Mädchen und ihre Eltern können dabei zeigen, wie sehr es sich lohnt, dass auch sie zur Schule gehen.

Augustina hat bei der letzten Veranstaltung eine ihrer Lieblingsaktivitäten vorgeführt. „Ich habe am Wettbewerbstag gesungen. Ich singe sehr gerne,“ sagt sie. Fidelia ist sehr stolz auf ihre Tochter. „Der Auftritt meiner Tochter macht mich sehr glücklich. Ich hoffe, dass meine Kinder ein besseres Leben haben werden als ich.“

Timor-Leste oder auch Osttimor ist ein demokratischer Inselstaat, der eine direkte Grenze mit der indonesischen Insel Timor hat. Osttimor war bis 1975 eine portugiesische Überseeprovinz und ging dann nach nur wenigen Tagen der Unabhängigkeit als 27. Provinz in den Besitz Indonesiens über. Die 24 Jahre andauernde Besatzung durch Indonesien führte immer wieder zu Gewalt und hatte den Tod von mehr als 200.000 Menschen zur Folge. 2002 erhielt Osttimor nach dem Eingreifen australischer Friedenstruppen der Vereinten Nationen endgültig seine Unabhängigkeit.