Pakistan: Acht Monate und ein paar Tage vielleicht

Balqis ist schwanger und bittet um Hilfe für ihr ungeborenes Kind / Video aus Punjab, Südpakistan

-> Balqis' Botschaft an die Welt im Video

Es ist unerträglich heiß. Vierzig Grad und manchmal sogar ein paar mehr. Die Luftfeuchtigkeit tut ihr Übriges. Im Süden Punjabs sind Abertausende auf der Flucht, verstreut in alle Himmelsrichtungen. Das Wasser hat sie fortgetrieben aus ihren Dörfern und Städten. Von diesen Tausenden sind vielleicht Hundert in ein Waldstück gebracht worden, knapp zwei Stunden Autofahrt von Multan. Wer das war, der sie hierher gebracht hat, weiß niemand der Menschen. Ihnen wurde nur gesagt, hier sei es besser. Dann, einen Tag später, bekamen sie Essen und Wasser. Und einen Ausweis, auf dem ein dreieckiges Logo zu sehen ist, ein Name drunter, und darauf gab's einen Stempel. Danach wurde niemand mehr gesehen hier in Mahmood Kot, im Süden Punjabs in Pakistan.

Die Kornkammer des Landes ist verwüstet

Zwanzig Millionen Menschen in Pakistan sind von einer der größten Naturkatastrophen betroffen, die es je gegeben hat. Sechs Millionen davon benötigen unmittelbar Hilfe, sofort, ohne Verzögerung. Bis zu 1.600 Menschen sind in den Fluten umgekommen. Vermutlich wird ihre Zahl steigen, denn noch immer sind Hunderttausende gar nicht erreicht worden.Fast jeder achte Einwohner ist aus seinem Dorf geflohen, musste Zerstörung und Verwüstung mit ansehen und hat seine Arbeit verloren. Hunderte von Hektar landwirtschaftlicher Flächen sind überflutet. Die Ernten sind dahin. Pakistan gehört unter normalen Umständen zu den Reisexporteuren der Welt.

Hinter all diesen anonymen Opferzahlen, die sich kein Mensch wirklich vorstellen kann, verbirgt sich auch das Schicksal von Balqis.

Mit ihr bekommt diese Katastrophe ein Gesicht. Sie ist zwanzig Jahre jung und lebt in dem Waldstück an der Straße zwischen Multan und Muzaffargarh. Der Ort, an dem sie jetzt mit den anderen lebt, heißt Jamal Wala. Es ist nur zwölf Kilometer von ihrem Dorf entfernt, dass jetzt unter Wasser steht. Aber dorthin zurück können die Menschen jetzt nicht, das Wasser will nicht abfließen. Und vom Norden kommt immer mehr Wasser nach.

„Es wird ein Junge“

Balqis ist im achten Monat schwanger. Sie sitzt auf einer Art Feldbett, das allerdings nur durch dicke Seile eine Unterlage bildet. Diese Art Betten sind hier sehr üblich, für eine Schwangere allerdings an der Grenze des Zumutbaren. Daneben liegt ihr junger Mann, der Fieber hat und ihr nicht helfen kann. „Er würde mir so gern helfen, sagt er. Aber er ist zu schwach.“ Mit einem festen Tuch wird ihm ein wenig Luft in dem modrigen Waldgebiet zugefächert. Zwischen all den Feldbetten und den Menschen bewegen sich die Tiere der Leute. Ziegen, einige Katzen, Kühe. Eine Weide ist das nicht, dennoch urinieren und kotieren die Tiere, wo sie gerade stehen.

„Es wird ein Junge“, sagt Balqis lächelnd. Die Schweißperlen zwischen ihrer Nase und Oberlippe werden mehr. „Wenn es ein Mädchen wäre, würden wir uns auch freuen. Es ist gut, wie Allah es will.“ Aber das Leben hier findet sie hart. Das sagt sie freundlich, aber traurig. „Ich weiß nicht, wo ich das Baby zur Welt bringen kann und wie es sein wird.“ Es wird Balqis' erstes Kind. Trotz aller eigenen Sorgen weist sie auf eine andere Frau hin, die auch hier leben muss. „Sie ist schon im neunten Monat schwanger. Wird ihr jemand helfen?“

Gemeinsam mit den Pakistanern helfen

CARE arbeitet in Punjab mit der Organisation AWAZ. Die Mitarbeiter haben zugehört und sofort beschlossen, mit CARE gemeinsam etwas zu unternehmen. In dem Waldstück,  knapp zwei Stunden von Multan entfernt, werden jetzt alle schwangeren Frauen versorgt. Man wird sie in ein Krankenhaus bringen und sie betreuen. Balqis kann ihr erstes Kind unter sicheren Bedingungen zur Welt bringen. Auch eine große, internationale Hilfsorganisation stößt gegenüber dem Ausmaß dieser Katastrophe an ihre Grenzen. Dennoch kann sie wie im Fall von Balqis das Leben von Menschen retten, dabei helfen, es würdiger zu gestalten und ihnen eine neue Perspektive geben.

CARE unterstützt die Menschen in Pakistan mit Zelten, mobilen Kliniken und Hilfsgütern. Bitte helfen Sie uns, zu helfen:

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