Philippinen: Dankbar, an Weihnachten zusammen zu sein

Wirbelsturm Haiyan nahm ihnen alles, was sie besaßen, aber nicht den Grund Weihnachten zu feiern.

Auf einem Basketballfeld, direkt neben einer stark zerstörten Grundschule in der Provinz Leyte, steht Josephine Blanco. Sie ist 37 Jahre alt. Mit mehr als 200 Menschen wartet sie auf ein Nahrungsmittelpaket von CARE und der lokalen Partnerorganisation ACCORD. Ein paar Wochen zuvor, begann sie bereits mit den Vorbereitungen für die Weihnachtsfeiertage. In Palo hängte sie ein Bild von Santa Claus auf. „Ich wollte etwas, dass uns an Weihnachten erinnert“, erklärt die fünffache Mutter.

Beschützt durch einen Baum

Fünf Tage bevor Wirbelsturm Haiyan am 8. November auf die Philippinen traf, hörten Josephine und ihr Ehemann von dem herannahenden Taifun. „Wir sind Wirbelstürme gewohnt. Doch nach einer Stunde realisierten wir, dass diesmal alles anders werden würde“, erklärt sie. „Gegen acht Uhr morgens rannte mein Ehemann mit unseren Kindern zu einem Warenlager. Ich blieb hier. Ich dachte, dass es nicht lange dauern wird, aber es hörte nicht auf. Mein Ehemann kam zurück und wir versteckten uns unter einem umgestürzten Mangobaum. Metallplatten und viele andere Gegenstände flogen durch die Luft. Wir lagen zwei Stunden unter dem Baum und waren sehr verängstigt. Wir weinten und beteten. Als der Wind nachließ, standen wir auf und sahen unser Haus: Es war fast nichts mehr davon übrig.“

Alles auf Neuanfang

„Nach Wirbelsturm Haiyan, wussten wir nicht, was wir tun sollten. Wir sind verrückt geworden“, so Josephine. Doch es dauerte nicht lang, bis die Menschen anfingen zu arbeiten. „Wir sammelten Material aus der Umgebung, um unser Haus zu reparieren. Wir zogen die Wände innerhalb von zwei Tagen wieder hoch“, erklärt ihr Ehemann Richard. Am zwölften Dezember erhielten die beiden ein Lebensmittelpaket von CARE. Josephine erzählt: „Das CARE-Paket ist wunderbar. Wir sind sehr glücklich. Ein Kilo Bohnen, Dosenfleisch, getrockneter Fisch, ein halbes Kilo Salz, ein halber Liter Speiseöl, zwei Kilo Zucker und 20 Kilo Reis werden unsere Familie für zwei Wochen ernähren.“

Vor dem Taifun baute Richard Reis an und verdiente umgerechnet rund 1,80 Euro pro Tag. Josephine unterstützte ihn gelegentlich, wenn sie nicht gerade Fisch in Palo verkaufte. Jetzt ist ihr kleines Geschäft in der Nähe des Hafens völlig zerstört. Und auch die Reisfelder müssen erst wieder aufgeräumt werden, bevor Richard seine Arbeit aufnehmen kann. „Unsere oberste Priorität ist unser Haus wieder aufzubauen. Aber dazu brauchen wir Geld. Wir warten darauf, dass der Besitzer des Reisfeldes mit den Aufräumarbeiten beginnt, damit wir wieder Reis anbauen können“, berichtet Josephine.

Ein Grund zu feiern

Obwohl Taifun Haiyan große Zerstörung hinterließ, will Josephine Weihnachten nicht ausfallen lassen. „Wir werden Weihnachten feiern, weil wir dankbar sind, dass wir noch leben“, erklärt sie. An Heiligabend bleibt die Familie zu Hause. Am ersten Weihnachtsfeiertag besuchen Josephine, Richard und die Kinder ihre Verwandtschaft in Palo. Aber dieses Jahr wird die Feier ein wenig kleiner ausfallen, als sonst. „Auf den Philippinen essen wir eine Menge während der Festtage. In unserer Familie gibt es Hühnchen, gebratene Nudeln, Brot und Coca Cola. Die Kinder fragen immer nach Softdrinks“, erzählt Josephine mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. „Wir Erwachsenen trinken lokalen Wein, der aus Kokosnüssen hergestellt wird. Er heißt ‚Tuba‘.“

Obwohl die Familie von Josephine und Richard mit weniger Essen und Weihnachtsdekoration auskommen muss, freuen sie sich auf das Fest. „Kurz vor dem Wirbelsturm, habe ich ein Bild von Santa Claus gekauft, aber leider ist es wegspült worden. Ich wollte auch ein paar Lichter kaufen, um das Haus schön zu machen. Aber auch wenn wir keinen Weihnachtsstern haben, ist alles gut. Das Einzige, was zählt, ist, dass wir zusammen sind“, sagt Josephine.