Philippinen: „Der Taifun in meinem Herzen“

Rund 13 Millionen Menschen sind von dem Ausmaß der Zerstörung nach Wirbelsturm Haiyan betroffen. Unter ihnen auch Jocelyn und ihre drei Kinder. Sie haben nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihren Ehemann und Vater verloren.

Innerhalb einer Woche veränderten zwei Stürme ihr Leben. Die dreifache Mutter Jocelyn Gonato lebt mit ihrer Familie auf der philippinischen Insel Leyte, die Wirbelsturm Haiyan fast komplett zerstörte. Als der Taifun vor zehn Tagen ihre kleine Hütte beinahe vollständig mit sich riss, bangte Jocelyn um ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder. Aber die Stärke des Wirbelsturms war nicht das einzige, was ihre Familie bedrohte.

Wie viele andere Eltern in armen philippinischen Dörfern, die die Wirbelsturmwarnung hörten, schickte Jocelyn ihre Kinder in ein nahegelegenes Gebäude, das Sicherheit versprach. Sie selbst blieb in ihrer kleinen Hütte zurück. „Ich hatte Angst, weil mein Haus aus Bambusstöcken gebaut wurde“, berichtet Jocelyn. Sie musste einfach da bleiben, um ihre Kleidung, Eimer, Töpfe und den kostbaren Kohleherd zu beschützen.

Zwei Wirbelstürme veränderten ihr Leben

Doch der Taifun fegte das Dach sofort weg. Eine, der Bambuswände löste sich aus dem Erdboden und flog über Jocelyns Kopf. Gegen den tosenden Wind hatte sie einfach keine Chance. Sie versteckte sich unter dem, was von ihrer Hütte noch übrig blieb und betete. Stunden später, als der Taifun endlich vorüber war, kroch Jocelyn lebendig unter den Trümmern hervor. Ihr Zuhause konnte sie nicht retten. Es war verschwunden. Die schweren Sturmböen hatten es davon getragen.

Jocelyns Ehemann war nicht bei ihr, als der Taifun das Dorf verwüstete. Seit vielen Monaten schon hatte sie den Verdacht, dass etwas nicht stimmte. Aber erst ein paar Tage bevor Wirbelsturm Haiyan die Insel erreichte, erfuhr sie, dass ihr Mann eine andere Frau und zwei Kinder hat.

Ihr Ehemann entschied sich für die andere Familie. Er verließ Jocelyn und ihre Kinder sechs Tage bevor der Taifun die Insel Leyte fast komplett zerstörte. „Er nahm seine Sachen und ging einfach. Für mich gab es gleich zwei Wirbelstürme – einen, der mein Haus davon wehte und einen in meinem Herzen“, so die dreifache Mutter.

„Bringt uns unseren Vater und unser Zuhause wieder“

Jetzt versucht Jocelyn aus alten Trümmern ihrer Hütte und zerlumpten Planen, die sie von ihren Nachbarn bekommen hat, ein neues Zuhause für sich und ihre Kinder zu bauen. Aber Jocelyn hat keinen Job und weiß nicht, wie sie ihre Kinder ernähren soll. „Ich mache mir große Sorgen. Der Preis für Reis wird steigen. Wie sollen meine drei Kinder und ich ohne Geld überleben?“, sagt sie.

CARE und lokale Partnerorganisationen arbeiten rund um die Uhr, um Jocelyn und circa 40.000 anderen Familien zu helfen. Neben Lebensmitteln wie Reis, Fisch und Zucker, plant CARE auch Material für den Wiederaufbau von Unterkünften zu verteilen. Inzwischen versuchen Jocelyn und ihre Kinder den doppelten Schicksalsschlag zu verarbeiten.

Immer mehr Flugzeuge und Hubschrauber fliegen über das zerstörte Dorf, weil CARE und andere Hilfsorganisationen Nahrungsmittel verteilen. Wenn das Dröhnen der Maschinen ihre Ohren betäubt, sind die meisten der kleinen Dorfjungen fasziniert, so auch Jocelyns Kinder. Wenn sie die Geräusche hören, bitten sie: „Bringt uns unseren Vater und unser Zuhause wieder.“