Philippinen: Tagebuch einer Überlebenden

Als Taifun Haiyan am 8. November 2013 Teile der Philippinen zerstörte, verlor die 16-jährige Jinky nicht nur ihr Zuhause sondern auch ihren Vater. Heute kann sie auch dank der Hilfe von CARE wieder Hoffnung für die Zukunft schöpfen.

Jinky Calub aus der Provinz Leyte verlor ihren Vater in der Stunde, als Taifun Haiyan am stärksten über den Philippinen wütete. Eine Kokospalme traf den Vater der 16-jährigen. In ihrem Tagebuch versucht Jinky ihre Schmerzen über den Verlust ihres Vaters zu verarbeiten:

8. November 2013. Der Tag, an dem Wirbelsturm Yolanda (Haiyan) uns traf. Ich hätte nie erwartet, dass Yolanda so stark sein würde. Ich konnte nicht einmal mehr stehen, so stark fegten die Winde über uns hinweg. Fast alle Bäume fielen um. Ich hatte große Angst und wusste nicht, was ich tun sollte und wo der sicherste Platz für uns sei. Ich bat Gott, den Taifun zu beenden, damit uns nichts Schlimmes passiert.

Wir sahen zu, wie unser Haus komplett zerstört wurde. Als wir nach draußen rannten, trennte sich unser Vater von uns, um unser Schwein freizulassen. Ich versuchte ihn davon abzuhalten, aber er ging trotzdem. Meine Mutter und ich schrien nach ihm, doch wir erhielten keine Antwort. Wir konnten ihn nicht mehr sehen. Als der Wind aufhörte, fanden wir ihn – er lag unter einer Kokospalme und atmete nicht mehr. Er war tot. Mutter und ich weinten stundenlang.
Wir fragten unsere Nachbarn um Hilfe, denn wir wollten ihn nicht einfach dort liegen lassen. Doch man sagte uns, dass der Sturm noch nicht vorbei sei und bestimmt auch noch andauern werde. Sie rieten uns in einer Sanitäreinrichtung Schutz zu suchen. Dort hatten bereits viele andere Menschen Zuflucht gefunden. Gemeinsam warteten wir bis der Sturm vorbei war. Ich werde diesen Tag nie vergessen.

Dezember 2013. Jetzt ist fast ein Monat vergangen, seitdem Vater gestorben ist. Ich denke immerzu an ihn. Wir vermissen ihn alle sehr. Ich weine oft aus Sehnsucht nach ihm. Alles wäre noch gut, wenn Yolanda nicht geschehen wäre. Vater wäre noch am Leben. Seitdem er gestorben ist fehlt etwas. Ich trage immer einen Schmerz in mir, auch wenn ich lache. Der Schmerz kommt tief aus meinem Herzen. Es fühlt sich so an, als würde er nie vergehen.

Weihnachten kommt näher, aber ich bin gar nicht aufgeregt. Ich versuche stark zu sein, für mich selbst und für meine Mutter.

Januar 2014. Das neue Jahr ist traurig, aber es ist Zeit weiterzumachen. Mutter und ich müssen wieder zu Kräften kommen. Ich werde ihr helfen. Wir werden einander helfen, um unser Zuhause wieder aufzubauen. Auch wenn das, was passiert ist, noch immer wehtut, müssen wir weitermachen. Wir können die Vergangenheit nicht zurückbringen. Wir müssen stark sein und uns den neuen Herausforderungen unseres Lebens stellen.

Februar 2014. Diesen Monat erhielten wir Hilfe und Betreuung von CARE und der CARE-Partnerorganisation ACCORD. Ich bin glücklich darüber, weil es den Bau unseres Hauses beschleunigt und weniger kostet.

März/April 2014. Ich erinnere mich an mein Abitur. Ich möchte wirklich studieren. Das ist mein Plan. Am 3. April habe ich ein Stipendium beantragt. Ich bin ganz nervös wegen des Ergebnisses, werde ich akzeptiert oder nicht? Immerzu bete ich, dass ich angenommen werde und mein Studium beginnen kann, denn ich möchte mich weiterbilden. Hoffentlich nehmen sie mich! 

Mai/Juni 2014. Fast sieben Monate nach Wirbelsturm Haiyan und einer langen Trauerzeit um ihren Vater, kann Jinky wieder optimistisch in die Zukunft schauen. Das Haus der Familie steht wurde mit der Unterstützung von CARE wieder aufgebaut. Neben einem Reparaturset erhielt Jinkys Mutter auch Bargeld von CARE.

Die Tagebucheinträge sind aus dem Filipino so sinngetreu wie möglich ins Deutsche übersetzt, sodass nur ein paar der Sätze das Ausmaß der Verletzungen in der Familie beschreiben und die Privatsphäre von Jinky beibehalten wird.