Reise nach Simbabwe: "Hoffnung auf mehr Demokratie"

CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel berichtet von seiner Reise nach Simbabwe mit Minister Niebel, seinen Eindrücken und dem Wunsch nach mehr Demokratie.

Anfang Dezember reiste ich gemeinsam mit Dirk Niebel, Minister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit,  seinen Mitarbeitern, Vertretern deutscher Hilfsorganisationen und Medien nach Simbabwe.

Simbabwe galt früher als die "Kornkammer" des südlichen Afrikas. Das Land hatte ein starke Wirtschaft und besaß eines der besten Bildungssysteme des ganzen Kontinents. Anfang der 1990er Jahre war die Nahrungsmittelproduktion noch so gut, dass sie auch Mosambik während der damaligen Krise mitversorgen konnte. Heute ist von der ehemaligen "Kornkammer" nicht mehr viel übrig: Die negative Entwicklung des Landes in den letzten  zehn Jahren führt zu einer beispiellosen Abwärtsspirale und Verarmung der Bevölkerung. Etwa 1,7 der insgesamt 12 Millionen Einwohner werden in der nächsten Saison auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, denn auch eine weitere Dürre ist wahrscheinlich. Seit den Wahlen 2002 erhält Simbabwe als Reaktion auf die politischen Entwicklungen keine bilaterale Entwicklungshilfe aus Deutschland mehr.
Zu groß scheint das Risiko, dass die Gelder nicht dort ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden.

Die Kinder sind für ihr Alter zu klein - sie haben nicht genug zu essen

CARE arbeitet in den ländlichen Regionen des Landes, denn hier ist die Situation der Menschen besonders schwierig.  Hier sind 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren für ihr Alter zu klein, da sie nicht genug zu Essen haben. Auch das Bildungssystem in den Dörfern ist schlecht. Lehrer gibt es kaum, weil sie so wenig verdienen, dass sie nicht von ihrem Beruf leben können. Ausreichend sauberes Wasser gibt es nicht. CARE unterstützt die Menschen daher mit landwirtschaftlicher Beratung, hilft ihnen, ihr Überleben mit Nahrung und sauberem Wasser zu sichern und die Hygienesituation vor Ort zu verbessern.

Etwa ein Drittel der Simbabwer leben heute im Ausland. Viele sind nach dem Ausbruch der Cholera im Jahr 2008 geflohen. Andere sind in den letzten Jahren ausgewandert, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive mehr gesehen haben oder hungern mussten. Sie versuchen jetzt in anderen Ländern, vor allem in Südafrika, Geld zu verdienen, mit dem sie ihre Verwandten in Simbabwe unterstützen.

Hoffnung auf mehr Demokratie

Nächstes Jahr finden in Simbabwe wieder Wahlen statt. Wie schon 2002 kam es auch bei den letzten Wahlen 2008 wieder zu gewaltsamen Übergriffen. Dabei wurden Hunderte getötet oder verletzt. Die Angst, dass sich diese Katastrophe im nächsten Jahr wiederholt, ist überall zu spüren. Deswegen hat mich besonders das Engagement von Mens chen wie Eddy beeindruckt, die viel dafür riskieren, endlich Demokratie in ihr Land zu bringen. Eddy gehört zu der Bewegung für demokratische Veränderung (Movement for Democratic Change) und erzählte mir bei einem Treffen, dass er schon 58 Mal verhaftet wurde. Trotzdem kämpft er weiter für mehr Gerechtigkeit.

Mit unserer Reise wollen wir Engagierte wie Eddy und den Einsatz für mehr Demokratie unterstützen. Ich hoffe sehr, dass die Wahlen im nächsten Jahr fair und gewaltfrei ablaufen. So ist hoffentlich bald auch der Weg für direkte Hilfe für Simbabwe aus Deutschland wieder frei.