Serbien: Alles Theater? Ja! Für bessere Bildungschancen und gegen Diskriminierung

Zur Schule zu gehen oder sie gar abzuschließen ist für Roma-Mädchen in Serbien eine Seltenheit. Sie werden von Mitschülern und Lehrern diskriminiert.

Aber auch die Tradition steht dem Abschluss oft im Weg: Der Platz der Mädchen ist hiernach in der Küche und nicht auf einer Schulbank. Anders als in Deutschland ist Schule in Serbien auch nicht kostenlos. Viele Eltern können das Schulgeld nicht zahlen, weshalb viele Roma-Mädchen die Schule abbrechen müssen.

Bei der 21-jährigen Miriana war es ein bisschen anders: Sie hat ihre Schule abgeschlossen. Sie gehört sogar zu dem einen Prozent der Roma-Mädchen, die eine Universität besucht haben. Aber bald holte die Tradition der Roma auf dem Balkan sie ein. Sie musste ihr Psychologie-Studium abbrechen.
„Ich habe mein Studium abbrechen müssen, weil mein Mann es so wollte“, berichtet sie. „Ich war ein halbes Jahr mit einem Mann aus einer sehr traditionellen Familie verheiratet. Hosen durfte ich nicht mehr tragen, Bildung und Bücher musste ich gegen Haushalt und Herd tauschen.“

"Jeder von uns spielt seine eigene Rolle."

Das hielt sie nicht lange aus. Sie zog wieder bei ihren Eltern ein. „Ich hatte ein abgebrochenes Psychologie-Studium“, erzählt Mariana. „Ich wusste nicht, wie es nun weitergehen sollte.“ Sie hörte über Freundinnen von der Bildungsinitiative für Mädchen, die CARE in Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation „Novi Sad Humanitarian Center“ leitet. In Workshops lernen Jugendliche über Themen wie Stereotype, Diskriminierung, Sex und Liebe, aber vor allem auch Bildung. „Alle zwei Wochen treffen wir uns“, erzählt sie. „Wir reden darüber, wie wichtig Bildung ist und wir haben sogar ein Theaterstück mit zwei professionellen Schauspielern inszeniert. Das Theaterstück handelt natürlich von Bildung, von ihrer Wichtigkeit und von der alltäglichen Diskriminierung der Roma. Jeder von uns spielt seine eigene Rolle. Viele der Mädchen haben Ähnliches wie ich erlebt. Es hilft mir, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, oder einfach nur Spaß zu haben.“

Niemand hakt nach, wenn ein Roma-Kind nicht den Kindergarten kommt

Dank der Vermittlung von CARE arbeitet sie nun in vier verschiedenen Kindergärten und kümmert sich um Kinder, die besondere Betreuung benötigen. Ihr Job in dem Kindergarten ist es auch, in den Roma-Familien in der Gegend für Kindergartenbesuch und Bildung zu werben. Ein Jahr im Kindergarten ist in Serbien Pflicht, bevor man in die Grundschule gehen darf. „Besonders für Roma-Kinder ist dieses Jahr wichtig“, weiß sie. „In vielen der Familien wird nämlich hauptsächlich Romani gesprochen. In der Realität hakt aber niemand nach, wenn ein Roma-Kind den Kindergarten nicht besucht.“ Mariana weiß jetzt, dass Bildung wichtig ist. Ihr Psychologie-Studium will sie wieder fortsetzen. Auch wenn sie jeden Tag zwei Stunden mit dem Bus zur Universität fahren muss - aber eine eigene Wohnung kann sie sich nicht leisten. „Die Arbeit im Kindergarten macht mir sehr viel Spaß, deshalb möchte ich später auch irgendwas mit Kindern und Psychologie machen. Dank CARE und der Bildungsinitiative habe ich wieder neuen Mut geschöpft, und werde nun mein Studium beenden.“