Sierra Leone: Verwaist durch Ebola

Die 17-jährige Josephine lebte zusammen mit ihrer Familie in Moyamba, Sierra Leone, bis ihr Vater und ihre Geschwister an Ebola erkrankten.

Ich lernte die 17-jährige Josephine Ngagba kennen, als ich in der Region Moyamba, im Süden Sierra Leones untersuchte, welche Auswirkungen Ebola auf das Leben der Kinder dort hat. Ihre Geschichte ist herzzerreißend. Sie hat mich aber auch darin bestätigt, gegen diese schreckliche Krankheit anzukämpfen.

Ebola ist schuld daran, dass Josephine heute Waise ist. Ihr vorübergehendes Zuhause ist das staatliche Krankenhaus in Moyamba. Der tödliche Virus hat ihr die Familie und den Zugang zu Bildung genommen. Sie konnte sehr wichtige Prüfungen nicht ablegen, weil die Schulen in Sierra Leone bis auf weiteres geschlossen sind.

Eine Familie erkrankt an Ebola

Josephines älterer Bruder war der Erste in der Familie, der an Ebola erkrankte. Doch erst nach der Beerdigung wurde Ebola als Todesursache festgestellt. Ihr Vater und jüngerer Bruder waren die einzigen Trauergäste. Ein paar Tage später kamen Mitarbeiter des örtlichen Gesundheitsteams zu ihnen nach Hause und erklärten, sie stünden unter Quarantäne und dürften das Haus nicht verlassen. Wieder ein paar Tage später wurden bei Josephines Vater und Bruder die ersten Symptome der Krankheit sichtbar. Sie litten unter Halsschmerzen, Fieber, Durchfall, und mussten sich übergeben.

Im Radio und Fernsehen laufen Beiträge über Ebola, die von Organisationen wie CARE produziert werden, und Josephine erinnerte sich daran, Verdachtsfälle zu melden. Zunächst kam sie aber nicht durch, als sie versuchte medizinische Hilfe zu holen. Während Josephine die ganze Nacht lang verzweifelt versuchte, jemanden zu erreichen, wurden ihr Vater und Bruder immer kränker. Am nächsten Morgen war sie dann endlich erfolgreich und ein Gesundheitsteam brachte ihren Vater und Bruder ins Ebola-Behandlungszentrum Kenema. Doch es war bereits zu spät. Ihr Vater starb schon auf dem Weg dorthin; ihr Bruder ein paar Tage später auf der Isolationsstation.

Als sie davon erfuhr, war Josephine am Boden zerstört. Sie hatte Angst. Sie und ihre übrigen Geschwister waren immer noch zu Hause unter Quarantäne. Nach und nach entwickelten auch ihre zwei Schwestern und ihr Bruder Symptome, die auf Ebola hinwiesen. Sie gingen zu einem Gesundheitszentrum in Moyamba, um dort untersucht zu werden. Die Testergebnisse ihrer Geschwister waren positiv. Einzig und allein Josphine hatte sich nicht infiziert. Sie hatte Angst, es bedeutete das Todesurteil für ihre ganze Familie und es würde sicherlich nur eine Frage der Zeit sein, bis auch sie an Ebola sterben würde. „Ehrlich gesagt, ich habe kein Ebola, aber gut fühle ich mich nicht“, sagt Josephine. „Meinen Geburtstag habe ich unter Quarantäne verbracht. Ich habe fast alle Menschen verloren, die mir etwas bedeuten; vor allem meinen Vater, der sich so gut um mich gekümmert hat.“

Abwarten und hoffen

Nachdem sie negativ getestet wurde, wollten sie die Ärzte von der Isolationsstation entlassen, aber Josephine konnte nirgendwohin gehen. Sie wollte nicht allein, ohne ihre Familie leben, und ihre Nachbarn hatten Angst davor, sie ins Haus zu lassen, nachdem ihre komplette Familie infiziert wurde. Obwohl die Ärzte darauf bestanden, dass Josephine die Isolationsstation verlasse, haben Mitarbeiter ihr erlaubt, vorrübergehend in einem Auffangbereich für andere Patienten mit infizierten Familienmitgliedern zu bleiben. Jetzt kann Josephine nur abwarten und hofft darauf, dass der Virus ihre Geschwister verschont. Sie sind alles, was ihr noch geblieben ist.

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