Somalia: Selbstentfaltung als Lehrerin

In Somalia ist der Zugang zu Bildung noch immer eingeschränkt

Von Fatima Osman, CARE Somalia

Zeinab Abdillahi ist mit ihren 23 Jahren die älteste von neun Geschwistern. Sie wurde in einer kleinen Papyrushütte ihrer Eltern im Dorf Ina Cunaaye in Somaliland geboren. 

Ina Cunaaye ist ein armes und abgelegenes Dorf, das immer wieder von Dürren heimgesucht wird. Manchmal müssen die Menschen auf der Suche nach wertvollem Wasser meilenweit laufen. Familien wie die von Zeinab arbeiten hart, um ihre Kinder ausreichend versorgen zu können. 

Zeinab wollte schon immer gerne zur Schule gehen. Aber in der Nähe ihres Dorfes gab es keine Grundschule und sie konnte sich die schulische Ausbildung auch nicht leisten. Als sie zehn war, hatte ihr Vater schließlich genug gespart, um sie und ihren Bruder Mohamed bei ihrem Onkel in der Hauptstadt Hargeisa unterzubringen, viele holprige Fahrtstunden von Ina Cunaaye entfernt.

Jeden verdienten Cent für die Familie

Zeinab ging gerne zur Schule, strengte sich an und schloss ihre Grundausbildung mit 18 Jahren ab, weil ihre Eltern das Schulgeld nicht zahlen konnten. Sie hatte zwar einige Verehrer, wollte aber nicht so früh heiraten, da sie zunächst ihre Familie finanziell unterstützen wollte. 

Deshalb nahm sie zunächst einen Job als Rezeptionistin an, später arbeitete sie im Fotostudio ihres Onkels. Jeden Cent, den sie dabei verdiente, gab sie ihrer Familie, womit sie sich buchstäblich Zeit erkaufte. Heiraten musste sie so vorerst nicht, aber das Geld, um ihre Ausbildung fortzusetzen, fehlte ihr.

Keine Heirat ohne Bildung 

Mit jedem verstreichenden Jahr schien Zeinabs Traum weiter in die Ferne zu rücken. 2008 kehrte sie schließlich zu ihrer Familie zurück und brachte zumindest ihren jüngeren Geschwistern Lesen und Schreiben bei, wenn sie schon ihre eigene Bildung nicht fortführen konnte. 

„Jeden Morgen stellten wir Injera, ein gesäuertes Fladenbrot, und Zucker her, wuschen, und bereiteten die Mahlzeiten vor. Tag für Tag wiederholte sich diese Routine“, erinnert sich Zeinab. „Viele Gleichaltrige waren bereits verheiratet. Meiner Meinung nach brachte eine Heirat ohne festes Einkommen und Bildung jedoch nur noch mehr Hunger und Armut.“ 

Ausbildungsprogramm von CARE gibt neue Hoffnung

Es war gar nicht so einfach für sie, standhaft zu bleiben. Eines Abends, als sich die gesamte Nachbarschaft um das Radio versammelt hatte, hörte sie eine Ankündigung, die ihr Herz zum Rasen brachte. Der Sprecher rief qualifizierte junge Leute dazu auf, sich im Rahmen eines von CARE ins Leben gerufenen Programms als Lehrer ausbilden zu lassen. 20 Tage sollte es dauern, bis eine Rückmeldung auf ihre Bewerbung folgte. Während dieser Zeit dachte sie an nichts anderes mehr, betete und hoffte. 

Ziel des Programms ist es, den Zugang zu Grundbildung in Somaliland zu verbessern. Es gibt nicht genügend Lehrer und meistens ist deren Ausbildung nicht gut genug. Das staatliche System selbst ist nicht bereit für steigende Schülerzahlen. CARE wendet sich mit diesem Projekt an unausgebildete, zurzeit unterrichtende Lehrer sowie an Berufsanfänger, vorwiegend Frauen. In Trainings lernen die angehenden Lehrer vor allem das nötige Wissen, um ihre jeweiligen Fächer zu unterrichten. In Zusammenarbeit mit Regierungsministerien und Ausbildungsstätten möchte CARE damit die Fortschritte nachhaltig und langfristig sichern. 

Ein Traum wird Wirklichkeit

Zeinab war außer sich vor Freude, als sie endlich die Zusage erhielt. Trotz ihrer selbstbewussten und direkten Art kann die 23-Jährige ziemlich zurückhaltend sein. Sobald sie jedoch für eine Präsentation am Flipchart vor ihre Klassenkameraden tritt, wirft sie alle Hemmungen ab. Es geht eine angenehme Wärme von ihr aus, die sich über ihr ganzes hübsches Gesicht ausbreitet.  

Seit Beginn des Projekts hat sie ihr Dorf bereits einige Male wieder besucht. Dort unterrichtet sie weiterhin ihren 12-jährigen Bruder und ihre 10-jährige Schwester und bringt auch den anderen Kindern des Dorfes Lesen und Schreiben bei. Sie hofft, dass sie ihnen ein Vorbild sein kann, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. 

Das SCOTT-Programm von CARE

Seit Juni 2005 läuft das SCOTT-Projekt in den Regionen Sool, Sanaag und Hargeisa und befindet sich nun in der dritten Phase. Für die Ausbildungs- und Materialkosten kommt CARE auf.  Zeinab ist eine von 27 Teilnehmern, die gegenwärtig an der Universität Hargeisa ausgebildet werden. Allein die Ausbildung zur Lehrkraft hätte sie schon sehr glücklich gemacht, sagt sie, freut sich aber umso mehr über die zusätzliche Unterstützung, die es ihr erlaubt, ihrer Familie zu helfen und sich gleichzeitig weiterzubilden. Das ist wie das Sahnehäubchen auf einem ohnehin schon großen Kuchen.