Spenden in Zeiten der Krise?

CARE-Hauptgeschäftsführer zum Thema "Spenden"

Der Deutsche Spendenmonitor hat es gerade bestätigt – auch in diesem Jahr  haben die Deutschen mit einem bisherigen Spendenaufkommen von 2,8 Milliarden Euro wieder etwas mehr als im vergangenen Jahr gespendet. Und trotz einiger punktueller Rückgänge scheint der Finanz-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskrise noch keine Spendenkrise zu folgen.

Die Lage und die Stimmung

Ist die Stimmung besser als die Lage? Kommen die schwierigen Zeiten noch, oder haben die Deutschen einfach nur ihre Verantwortung für den Nachbarn in Not sowie für den Kampf gegen weltweites Elend und Armut so konsequent weiter wahrgenommen wie in den Vorjahren? Als die Tsunami-Katastrophe 2004, der G8 Gipfel 2007 und der Friedensnobelpreis für den Banker der Armen, Mohamed Yunus 2006 weit mehr Aufmerksamkeit für die Dritte Welt hervorgerufen hat als die vielen stillen Katastrophen im zurückliegenden Jahr.

Hilfsorganisationen waren in diesem Jahr gefordert wie kaum zuvor, Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei den Spendern zu bewahren. Nach der UNICEF-Krise hat sich viel Spreu vom Weizen getrennt – einigen weiteren Hilfswerken wurde das DZI-Spendensiegel aberkannt; unabhängige Prüfungen wie der Transparenzpreis von PricewaterhouseCoopers erlangen große Wichtigkeit. Seriöser Umgang mit Spenderdaten und Bußgeldzuweisungen wird aktuell verstärkt eingefordert. Die großen Nichtregierungsorganisationen haben sich einem Verhaltenkodex zu Transparenz und guter Betriebsführung verpflichtet. All dies ist wichtig und richtig und soll dem Vertrauensvorschuss der deutschen Spender Rechnung tragen und zeigen: Wir nehmen die Erwartungen und Fragen der Spender ernst, arbeiten professionell und seriös und – vor allem: „Wir erzielen Wirkung mit Ihren Geldern.“ Wohl kaum eine andere Branche wird derzeit so durchleuchtet wie die der Hilfsorganisationen. Und trotz einiger schwarzer Schafe bleibt die Erkenntnis: „Ja, Ihre Hilfe kommt an!“

Spenden lohnt sich!

Denn kurzfristigen Krisen müssen mit langfristiger, nachhaltiger Entwicklungsarbeit begegnet werden. Das können die international tätigen Hilfswerke mit hoher Professionalität zu immer noch vertretbaren Kosten, im Vergleich zu vielen bürokratisch überlasteten Strukturen des Staates. Gute Arbeit kostet Geld, selbstverständlich auch Verwaltungskosten. Und auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: für gutes Geld gibt es gute Arbeit. Spendenentscheidungen sollen wohl überlegt sein, denn natürlich erfordern die erhofften Dividenden Geduld, langen Atem und die Wahl der richtigen Partner. Aber auch im Neuen Jahr gilt: Ihre Spende verringert weltweite Armut - spürbar, sichtbar, wirksam! Investitionen in den globalen Kampf gegen Hunger, Krankheit und Benachteiligungen sind heute eine bessere Investition in die Zukunft als jeder Fonds oder Aktienkauf.