Stimmen aus dem Kriegsgebiet

Die Menschen in Südossetien leben seit Tagen im Krieg

Rusudan Mchedlidze, 71, aus dem Dorf Artsavi in der Tskhinvali-Region (Südossetien)  

„Wir haben uns mehrere Tage im Keller versteckt, ohne hinaus zu können. Als die heftigen Luftangriffe anfingen, konnten wir das Dorf gerade noch mit einem Lastwagen verlassen. Als ein Auto von einer Bombe getroffen wurde, war die Explosion so stark, dass wir nicht mal mehr die Körper der Toten finden konnten. Wann soll dieses Leid nur enden …?! Schon vor 18 Jahren floh ich aus der Stadt und wurde zu einer Vertriebenen in meinem eigenen Land. In all den Jahren lebte ich mit meinem Verwandten, die nun ebenfalls erneut vertrieben wurden. So etwas hätte ich mir niemals vorstellen können. Ich habe mein Zuhause nun zum zweiten Mal verloren. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Was soll ich tun?!“

Esma Babutsikhe, 50, aus dem Dorf Kekhvi in der Tskhinvali-Region

„Die Tankstellen waren explodiert und es war kein Benzin mehr aufzutreiben. Es gab keine andere Möglichkeit als zu Fuß weiterzugehen und unsere Autos zurückzulassen. Wir flüchteten mit nichts anderem als den Kleidern, die wir am Leibe trugen. Auf der Flucht durch die Wälder hörten wir die russischen Flugzeuge, die Bomben abwarfen. Zweimal schlugen die Bomben so nahe ein, dass wir alle mit Staub und Dreck bedeckt waren und wir uns kaum noch sehen konnten. Zwei von uns wurden getötet und mehrere wurden verletzt.“

„Meine dreijährige Enkelin fragte mich, wann wir nach Hause zurückkehren werden. Was soll ich ihr antworten? Was sollen wir jetzt tun, wo wir aus unseren Häusern vertrieben wurden? Unser ganzes Hab und Gut, alles, was wir uns in all den Jahren aufgebaut haben, ist nun zerstört.“

Kakhniashvili Nanuli, 75, aus dem Dorf Achabeti in der Tskhinvali-Region

„Mit 16 Familienmitgliedern sind wir aus unserem Dorf geflohen. Einer meiner Söhne ist Polizist und blieb im Gebiet von Tskhinvali. Mein Enkel dient in der georgischen Armee. Ich bin nur eine alte Frau hier in Tiflis – allein. Ich weiß nicht einmal, wo der Rest meiner Familie ist. Ob mir wohl irgendwer helfen kann, sie zu finden?“

Kasradze Soso, 50, aus dem Dorf Kemerti in der Tskhinvali-Region

„Wir lebten in Kemerti, einem Dorf in der Tskhinvali-Region. Wir flüchteten aus dem Kriegsgebiet, nachdem die ersten georgischen Dörfer bombardiert wurden. Jetzt versuchen wir, einen sicheren Ort zu finden. Wir haben einen behinderten Menschen in unserer Familie, um den wir uns besonders kümmern müssen. Und wir wissen nicht, was wir tun, oder wohin wir gehen sollen.“