Stimmen aus Pakistan

Authentisch und aktuell: Zwei Augenzeugenberichte über die Lage in Pakistan und die Nothilfe von CARE

Wolfgang Gressmann, CARE-Nothelfer in Pakistan

„Ich war im Dorf Kalan, 150 Kilometer westlich von Islamabad. Das gesamte Dorf steht unter Wasser, die 6.000 Einwohner haben sich auf das höher gelegene Gelände gerettet. Das wird eigentlich als Friedhof genutzt. Die Menschen haben also zwischen den Gräbern Zuflucht gefunden. Drei neue Gräber sind seit der Flutkatastrophe dazugekommen, 20 Dorfbewohner werden weiterhin vermisst. 

CARE hat in Kalan 390 Zelte verteilt, das UN-Flüchtlingshilfswerk lieferte noch einmal 100. Dazu Hygienepakete und weitere Hilfsgüter, außerdem gibt es zwei Gesundheitsstationen. 1.637 Kinder aus dem Dorf haben die Flutkatastrophe überlebt. Sie spielen jetzt am Rande des schlammigen Wassers.

Dort an der Oberfläche schwirrt es: Mückenlarven breiten sich aus. 'Wir sprühen regelmässig Insektenvernichtungsmittel, um eine Malaria-Epidemie zu verhindern', berichtet mir Najeeb Ullah, der Projektmanager der lokalen Hilfsorganisation IDEA. Seit fünf Jahren arbeitet CARE mit dieser und anderen lokalen Hilfsorganisationen gut zusammen.

Es ist unglaublich, mit welchem Mut und Zuversicht die Menschen hier ihrem Schicksal begegnen. Die meisten wollen nur noch in ihre Häuser zurück, und so schnell wie möglich mit dem Wiederaufbau beginnen.

Der Kabul-Fluss ist inzwischen in sein breites Uferbett zurückgekehrt, als sei nichts geschehen. Aber das Wasser fließt jetzt weiter nach Süden, wo täglich neue Städte überspült werden. Hier im Norden des Landes zeichnet sich inzwischen immer deutlicher die Zerstörung ab, die die Fluten hier angerichtet haben. Weite Landstriche, auf denen vor Wochen Maisfelder und Reis auf die Ernte warteten, sind von einer dicken Sand- und Schlammschicht bedeckt.“

-> Fotogalerie: Das hat Wolfgang Gressmann in Kalan gesehen

Abdul, sechs Jahre, Zareenabad

„Das Wasser im Hof stand bereits kniehoch und der Regen hörte einfach nicht auf. Dann mußte alles ganz schnell gehen und wir packen auf den Karren was wir im Haus hatten: Geschirr, das Bett, Decken, Kleider, Wasserkanister, und ein paar Lebensmittel. In einer langen Karawane haben wir uns zusammen mit den anderen Bewohnern unseres Dorfes auf den Weg hier in höhere Lagen gemacht, wo das Wasser nicht hinkommt.

Zunächst hatten wir kein neues Dach über dem Kopf und so haben wir unter freiem Himmel geschlafen. Ein paar Tage später kamen dann die Leute von CARE und haben diese Zelte verteilt. Jetzt wird es wieder ein bisschen wohnlicher und Vater hat nicht mehr so viele Sorgen. Er kann nämlich nicht auf dem Feld arbeiten, weil das auch völlig unter Wasser steht. Er sagt, dass wir dieses Jahr wohl keinen Mais und keinen Zucker ernten können.“

(aufgenommen von Stefan Bihl, Aktion Deutschland Hilft)