Südsudan: Geberkonferenz in Oslo enttäuschend

Mehr als vier Millionen Menschen brauchen dringend humanitäre Hilfe / Geber versprechen weniger als die Hälfte der benötigten Mittel.

Mit einem enttäuschenden Ergebnis ging die gestrige internationale Geberkonferenz zum Südsudan zu Ende. Die Weltgemeinschaft hat eine entscheidende Gelegenheit verpasst, die Katastrophe einzudämmen. Von dringend benötigten 926 Millionen Euro Hilfe wurden lediglich 440 Millionen Euro, also weniger als die Hälfte der Mittel, zugesagt. „Obwohl die Finanzierung erhöht wurde, reichen die Mittel bei weitem nicht, um ausreichende humanitäre Hilfe zu leisten“, sagte Kjell Stokvik, CARE-Vertreter auf der Geberkonferenz. „Wir wissen aus früheren Katastrophen, dass Vorsorge weit weniger kostet als Notfallmaßnahmen. Wenn es tatsächlich zu der drohenden Hungersnot kommt, werden die Mittel erst recht nicht mehr reichen.“

Finanzierungsziel verfehlt

Vertreter der Geberländer kamen in den vergangen beiden Tagen auf einer internationalen Geberkonferenz in Oslo zusammen, um zu diskutieren, wie die internationale Gemeinschaft am besten auf den Konflikt und die drohende Nahrungskrise im Südsudan reagieren kann. Während einige Länder wie Norwegen, USA und Großbritannien die finanzielle Hilfe schnell aufstockten, stellten weitere wichtige Geberländer keine zusätzlichen Mittel bereit. Das Finanzierungsziel konnte also nicht annährend erreicht werden.
Seit Beginn des Konfliktes im Dezember wurden bereits mehr als eine Million Menschen zur Flucht gezwungen, davon flohen 350.000 Menschen in die Nachbarländer. Mittlerweile benötigen mehr als vier Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe.

„Ein Teil der benötigten Gelder sollte auch dabei helfen die alarmierende Zunahme der Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu stoppen. Ohne entsprechende finanzielle Mittel kann kein Ende des Konfliktes erreicht werden. Die Angriffe werden sich fortsetzen und die Überlebenden werden weiterhin in Stille leiden, ohne medizinische und psychologische Unterstützung zu bekommen. Dies ist ein Affront gegen Frauen im Südsudan“, erklärte Stokvik.

Frauen und Mädchen verkaufen ihre Körper

Im Vorfeld der Geberkonferenz veröffentlichte CARE Anfang der Woche einen Bericht, der den Südsudan bereits vor dem Beginn des Konfliktes Mitte Dezember letzten Jahres als eine der schwierigsten Umgebungen für Frauen ausrief. Und die Bedingungen haben sich seitdem drastisch verschlechtert. <media 12543 _blank - "TEXT, CARE-Report The Girl Has No Rights-GBV in South Sudan May2014, CARE-Report_The_Girl_Has_No_Rights-GBV_in_South_Sudan_May2014.pdf, 3.8 MB">„The Girl Has No Rights“: Gender-Based Violence in South Sudan</media> verbindet Augenzeugenberichte mit einer Erhebung der Situation vor dem Ausbruch der Gewalt im vergangenen Herbst.

Mit dem Beginn des Konfliktes hat sich die Situation für Mädchen und Frauen im Südsudan dramatisch verschlechtert: Immer mehr Frauen und Mädchen verkaufen ihre Körper, um Zugang zu Nahrung und Wasser zu bekommen. Familien bieten ihre minderjährigen Töchter als Bräute an, damit zu Hause ein hungriger Magen weniger zu stillen ist. „Angesichts der überwältigenden Not im Südsudan scheint sexualisierte Gewalt nicht das dringlichste Problem zu sein. Aber wo der Wert einer Frau in Vieh gemessen wird und ihre Körper rücksichtslos ausgebeutet werden, da zeigt sich ein umfassender gesellschaftlicher Zusammenbruch. Wenn die Gewalt im Südsudan nicht bald gestoppt wird, werden die Auswirkungen der Vergewaltigungen und Überfälle die betroffenen Gemeinden noch Jahre lang verfolgen. Dies konnten wir bereits bei anderen Konflikten beobachten“, mahnt Stokvik.

CARE hilft Gemeinden im Südsudan mit Nahrung, Wasser und medizinischer Grundversorgung. „Die unmittelbaren Bedürfnisse sind klar: ein Ende des Konflikts und nachhaltiger Frieden sowie die Aufstockung der Finanzierung, damit Menschen im Südsudan endlich ausreichend geholfen werden kann. Wenn wir jetzt handeln, können wir das Schlimmste noch verhindern und den Menschen helfen zu einem hoffnungsvollen Weg zurück ins Leben zu finden“, sagte Stokvik.