Südsudan: Hunger nach Frieden

Mehr als 1,3 Millionen Menschen außerhalb des UN-Geländes leiden unter Infektionen, Verletzungen, Wasser- und Nahrungsmangel. CARE unterstützt das Gesundheitssystem.

Vor wenigen Wochen brachte Nyakuic Tap ihr zwölf Monate altes Baby zur mobilen Klinik von CARE. Unter dem Schatten eines Baumes, im dreckigen Garten der katholischen Kirche von Bentiu, versuchte sie ihr Kind zu Stillen und sein Wimmern zu beruhigen. Einer der CARE-Helfer vor Ort schloss ein mehrfarbiges Papierband mit einem Schlitz in der Mitte um den Arm des Kindes, um dessen Umfang zu messen. 10,5 cm, rote Zone: Der Oberarm war viel zu dünn und wies darauf hin, dass Giunb Tap unter schwerer Unterernährung leidet.

„Ich habe nicht einmal genug zu essen für mich selbst“, erklärte die Mutter. „Ich kann einfach nicht genug Milch für mein Baby produzieren. Früher hatten wir Kühe, die uns mit Milch versorgten, aber wegen der Kämpfe wurden sie in Sicherheit gebracht.“ Nicht so Frauen und Kinder.

„Frauen tragen die Hauptlast. Sie müssen sich allein um ihre Familie kümmern und kämpfen mit Obdachlosigkeit. Seitdem die Kämpfe ausgebrochen sind, befinden sie sich in zunehmender Gefahr Opfer von gewalttätigen Übergriffen zu werden. Und auch die Nahrungssituation im Südsudan wird immer kritischer“, berichtet Aimee Ansari, CARE-Länderdirektorin. „In einigen Regionen, in denen wir Saatgut und Werkzeuge zur Bewirtschaftung der Felder verteilen, müssen wir die Menschen zuerst mit Lebensmitteln versorgen, weil sie zu schwach sind, um zu arbeiten.“

In der mobilen Klinik von CARE erhielt Nyakuic Pulver zur Rehydrierung und eine Überweisung zur großen UN-Basis in Bentiu, wo CARE unternährte Kinder behandelt. Die Behandlung vor Ort ist einfach, aber effektiv bei einer ansonsten oft tödlich verlaufenden Krankheit.

Seit Monaten herrscht Unsicherheit

Nach Nyakuics Besuch der mobilen Klinik brach Panik in Bentiu und der benachbarten Region Rubkona aus, weil plötzlich Gerüchte über bevorstehende Angriffe gestreut wurden. Viele Menschen machten sich auf den Weg zur UN-Basis. Es gab einen regelrechten Strom von Schutzsuchenden, die mit ihren wenigen Habseligkeiten im Gepäck zu Fuß über dreckige Feldwege liefen. Seit Monaten bewegen sich die Einwohner von Bentiu jetzt schon zwischen den Notunterkünften der UN-Basis und ihrem Leben in der Stadt hin und her, weil Regierung und Opposition stetig wechseln. Jedes Mal wurden bisher Menschenrechtsverletzungen begannen, wenn Menschen sich aus der UN-Basis heraus getraut haben.

CARE unterstützt das Gesundheitssystem für Vertriebene und stellt neben Pflege- und Klinikpersonal auch Sanitäreinrichtungen und eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Nach der letzten Gewaltdrohung ist die Zahl der Schutzsuchenden von 8.000 auf 22.000 gestiegen, sodass CARE zusätzlich Latrinen bauen und einen neuen Plan zum Einsatz von Helfern erstellen musste.

CARE arbeitet auch daran, Hunderttausende von Vertriebenen und Verzweifelten in den nördlichen Regionen des Sudsüdans zu unterstützten, wo seit mehr als vier Monaten ein brutaler Konflikt wütet. Mindestens 1,3 Millionen Menschen, wahrscheinlich mehr als zehn Prozent der Bevölkerung, mussten ihr Zuhause bereits verlassen. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet CARE in den am meisten betroffenen Gebieten des Landes. Diese Netzwerke werden jetzt genutzt, um den Menschen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen und ihre wirtschaftliche Lage zu stärken.

Die Situation in Bentiu ist so unberechenbar und gefährlich, dass die Aktivitäten von CARE weitestgehend auf die UN-Basis beschränkt werden mussten. Wenn es sicher genug ist, werden CARE-Mitarbeiter aber auch außerhalb der UN-Basis eingesetzt, um besonders hilfsbedürftige Menschen mit den nötigsten medizinischen Mitteln zu versorgen. Die mobile Klinik von CARE besteht aus einer Handvoll medizinischer Experten, grundlegenden Diagnose-Geräten, Medikamenten, Plastiktischen und – stühlen.

Wenn Gerüchte um bevorstehende Auseinandersetzungen aufkommen, müssen Betroffene eine schwierige Entscheidung treffen: rennen sie in den nächsten Busch und suchen Schutz in abgelegenen Dörfern oder machen sie sich auf den Weg zur UN-Basis? Weil Nyakuic bislang nicht auf dem UN-Gelände Schutz gesucht hatte, fragten sich CARE-Mitarbeiter welche Entscheidung sie wohl für sich und ihr Baby treffen würde. Wenn sie sich für den nächsten Busch entscheiden würde, wäre die Chance groß, dass ihr kleines Mädchen ohne die richtige Versorgung nicht überleben kann.