Südsudan: Neben Kämpfen droht Hungersnot

Mehr als 4,6 Millionen Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. CARE unterstützt besonders bedürftige Familien mit Saatgut.

Es war bereits Nachmittag, als die schwangere Nyakoang Rieka mit ihrer Mutter und ihren drei Kindern ihr Heimatdorf verließ. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg durch die heiße und trockene südsudanesische Landschaft zur nähst gelegenen Lebensmittelverteilung in Pagak Way Station, im Nordosten des Landes. Kurz nach ihrer Ankunft brachte Nyakoang Rieka plötzlich ihr viertes Kind zur Welt. Und schon nach wenigen Stunden Rast machten sie sich wieder auf den Heimweg. Mit im Gepäck trugen sie Sorghum, Erbsen und Speiseöl für zwei Wochen sowie Impfungen für sich selbst und die Kinder.

Sie kamen als fünfköpfige Familie, verließen die Verteilung zu sechst und gehören zu mehr als 8.000 Vertriebenen, die sich in der südsudanesischen Region Upper Nile, in der Nähe der äthiopischen Grenze aufhalten und dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Mehr als 4,6 Millionen Menschen im Südsudan benötigen humanitäre Hilfe und rund 3,2 Millionen droht eine Nahrungsmittelkrise.

Zur Lebensmittelverteilung von CARE, dem Welternährungsprogramm und anderer Hilfsorganisationen kamen tausende Menschen. Ziel war es Kinder unter fünf Jahren auf Mangelernährung zu untersuchen und Impfungen durchzuführen. Lokale Freiwillige unterstützten Hilfsorganisationen dabei Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden, zu identifizieren und sie in einer Datenbank zu registrieren. So können Familien, die durch den Konflikt getrennt wurden, schneller wieder vereint werden.

Rundumhilfe für Familien

„Das ist eine neue Art von Hilfe“, sagte CARE-Nothilfeexperte Isaac Vuciri. „Zur gleichen Zeit wurden Hilfsgüter verteilt und Gesundheitsmaßnahmen durchgeführt.“ Der CARE-Nothilfeexperte verbrachte mehrere Tage damit die viertägigen Hilfsmaßnahmen vorzubereiten. Zwei Tage lang registrierte er Familien und überprüfte ihren pro Kopf Verbrauch. An einem anderen Tag half er dabei die schweren Getreidesäcke und große Dosen mit Speiseöl zu verteilen. Als die Lebensmittelverteilungen begannen, waren es vor allem Frauen, die kamen um die 50 Kilogramm schweren Säcke mit Sorghum oder gelben Erbsen fachmännisch auf ihren Köpfen nach Hause zu balancieren.

Sobald Familien sich registriert hatten, wurden sie zu verschiedenen Bereichen in der Way Station geschickt. Die CARE Gesundheitsbeauftrage Agnes Lawa untersuchte Kinder unter fünf Jahren auf Anzeichen von Mangelernährung und andere Krankheiten. „Wir haben eine Menge Überweisungen ausgestellt. Mütter werden mit ihren Kindern lokale Kliniken besuchen, um weitere Tests durchführen zu lassen. Diese Auswertungen werden weiteren Aufschluss über den Ernährungsstatus der Kinder geben und feststellen, ob sie stationär oder ambulant behandelt werden müssen“, erklärt Agnes Lawa. „Es ist so traurig mit ansehen zu müssen wie die Kinder leiden. Aber ich bin zuversichtlich, dass es ihnen mit der richtigen Versorgung bald besser geht.“

CARE hilft mit Saatgut

Die beiden Geschwister Nyamoch und Nyagonar Tut, im Alter von 17 und 13, fanden mit ihren Familien unter Bäumen im Grenzgebiet Pagak. Sie verbrachten mehrere Monate in der Schutzzone der Vereinten Nationen in der Landeshauptstadt Malakal. Als die Kämpfe eine Pause einlegten, zogen die Mädchen in Richtung Osten weiter. Nach mehreren Wochen erreichten sie Pagak. Nyamochs kleine Schwester konnte nicht mit ihnen reisen. „Nyanhial war erst sieben Jahre alt“, erklärt ihre ältere Schwester. „Als die Kämpfe in Malakal ausbrachen, rannten wir aus unserem Haus und versuchten uns zu verstecken. Aber nach kurzer Zeit wurden wir entdeckt und Kämpfer begannen auf uns zu schießen. Wir rannten weg, aber meine Schwester war nicht schnell genug. Sie wurde von einer Kugel getroffen und getötet. Später kehrten wir zu unserem Versteck zurück, um ihre Leiche zu bergen und ihren Körper an einem sicheren Ort zu begraben.“

Die anderen Familienmitglieder hielten kurz vor der Grenze an. Sie sind in ihrer Heimat geblieben. Die Kämpfe haben sich nicht an die östliche Grenze ausgebreitet. Aber die Märkte und Lebensgrundlagen sind auch dort zum Erliegen gekommen. In der Region können Bauern kein Saatgut mehr ausstreuen. Viele Menschen haben die Umgebung nicht wegen der Kämpfe verlassen, sondern weil eine Hungersnot herrscht. Mehr als 100.000 Südsudanesen sind bereits über die Grenze nach Äthiopien geflohen.

CARE und andere Hilfsorganisationen planen ihre Hilfe auszubauen, mit dem Ziel besonders bedürftige Menschen mit Saatgut und Werkzeug sowie Fischernetzen zu versorgen, damit sie ihre Familien besser versorgen können. Mit diesen Hilfsgütern sollen die schlimmsten Auswirkungen der Nahrungsmittelkrise verbessert werden. CARE baut zusätzlich Brunnen, die dazu dienen Krankheiten vorzubeugen, und unterstützt Gesundheitseinrichtungen, in denen Malaria, Wunden und andere Krankheiten behandelt werden.