Syrer auf der Flucht: "Ich darf die Hoffnung nicht aufgeben"

Trotz schwerer Krankheit träumt Omar aus Syrien von einem Neuanfang in Deutschland.

Ein Flüchtlingszentrum in Sid, Serbien, unweit der kroatischen Grenze. Auf dem Boden liegt ein junger Mann, sein Name ist Omar Almasri. Er sieht schlecht aus und ist zu schwach, um mit jemandem zu sprechen.

Vor ein paar Tagen ist er mit dem Zug in Serbien angekommen. Die Reise aus seiner Heimatstadt Daraa im Süden von Syrien dauerte zwei Wochen. Omar hat sich auf den Weg gemacht, weil er von einer Zukunft träumt, einem Leben in Deutschland: "Der gefährlichste Teil meiner Reise war die Überquerung der Grenze zwischen Syrien und der Türkei – das kostete mich drei Tage, an denen ich sogar durch einen Fluss schwimmen musste. Danach wurde ich mit anderen Flüchtlingen in ein Schlauchboot gesetzt. So fuhren wir über das Meer nach Griechenland. Die Überfahrt dauerte fünf Stunden, weil wir zwischendurch abtrieben und uns der Treibstoff ausging", so Omar. Bereits bei seiner Ankunft in Griechenland begann Omar, sich krank zu fühlen. Seitdem ging es ihm immer schlechter.

Sprechen Sie Arabisch?

In Serbien angekommen, wurde Omar zu einem lokalen medizinischen Versorgungszentrum gebracht. Von dort aus überwiesen ihn Ärzte in eine Lungenklinik in der zweitgrößten serbischen Stadt Novi Sad. Er litt unter einer schweren Lungenentzündung. Die Ärzte mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen. Doch glücklicherweise war die Behandlung erfolgreich. "Ich wachte nach ein paar Tagen im Krankenhaus auf. Meine Angst war groß und ich war ziemlich verwirrt. Zuerst konnte ich mich nicht daran erinnern, was passiert war. Vor lauter Schwäche konnte ich noch nicht mal richtig sprechen", erklärt der junge Mann.

Weil im Krankenhaus niemand Arabisch sprach, wurden Übersetzer der langjährigen CARE-Partnerorganisation Novi Sad Humanitarian Center (NSHC) zu Hilfe geholt. Die Übersetzer erklärten Omar, was passiert war. "Nach 13 Tagen konnten wir endlich seine Eltern erreichen. Sie waren in Syrien geblieben und hatten von der Krankheit ihres Sohnes nichts mitbekommen. Sein Vater brach vor Erleichterung in Tränen aus. Er hatte seit Tagen nichts von seinem Sohn gehört und sich große Sorgen gemacht", berichtet Dobrila Markovic, eine der tatkräftigen Mitarbeiterinnen von NSHC

Ein langer Weg der Genesung

Nach mehr als zwei Wochen durfte Omar das Krankenhaus verlassen. Er kehrte in das Flüchtlingszentrum nach Sid zurück. Mit der Unterstützung lokaler Behörden konnte er in einem beheizten Zimmer untergebracht werden. CARE versorgt ihn seitdem mit gekochten Mahlzeiten, frischem Obst und Gemüse, die ihm bei der Genesung helfen. Omar ist noch immer sichtlich geschwächt und hat seit Beginn seiner Reise 20 Kilo abgenommen. Aber er erholt sich langsam. "Ich hoffe immer noch, dass ich irgendwann Deutschland erreichen werde. Dort würde ich gerne VWL studieren", erzählt der 20-Jährige.

Während Omar im Krankenhaus lag, wurden in vielen europäischen Ländern die Grenzen geschlossen. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass Omar es bis nach Deutschland schafft. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf. Im Flüchtlingszentrum fühlt er sich nicht wohl: "Es ist so einsam. Ich kenne hier niemanden und habe große Angst vor der Zukunft. Aber ich darf die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgeben. Sie ist das einzige, was mir jetzt bleibt."

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