Syrische Flüchtlingskrise: „In der Realität gibt es kein Syrien. Nur in unseren Träumen.“

Drei junge syrische Flüchtlinge in Jordanien haben im Live-Chat des Guardian auf Fragen aus aller Welt geantwortet.

Zum zweiten Mal haben am 25. Juli CARE-Mitarbeiter einen Chat mit syrischen Flüchtlingen organisiert – diesmal zusammen mit der britischen Tageszeitung The Guardian.  Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits mehr als 1,6 Million Menschen aus Syrien geflohen – bis zum Ende des Jahres könnte die Zahl auf 3,5 Millionen steigen. Aber wie geht es den Menschen, die bereits seit Monaten in den Nachbarländern Zuflucht gefunden haben?

Drei junge Flüchtlinge aus Syrien beantworteten Fragen von Menschen aus aller Welt, die über Twitter oder auf der Website des Guardian gestellt werden konnten. Eine Stunde berichteten sie von ihren Lebenswelten, von ihren Familien, ihren Ängsten und Hoffnungen und ihrer Situation in Jordanien. Sie sprachen auch über ihre Arbeit für CARE im Flüchtlingscenter in Amman, wo sie Menschen unterstützen, die in der gleichen Situation wie sie sind.

Einige Fragen und Antworten aus dem Chat:

10.41 LauraOliver: Ich wollte fragen, was Ihr denkt, was die Zukunft Euch bringt – könnt Ihr Euch vorstellen, nach Syrien zurückzukehren?

Ibrahim: Wenn ich an die Zukunft denke, dann denke ich daran, in Syrien zu sein. Ich möchte mein Studium in Syrien zu Ende machen.

Hind: In der Realität gibt es kein Syrien.  Nur in unseren Träumen.

Anas: Für mich gibt es kein Syrien mehr. Die letzte Studie der amerikanischen Regierung hat gesagt, dass Syrien in der Entwicklung 35 Jahre zurückgefallen ist und über 63,5 Millionen Euro verloren hat. Wenn ich also an meine Zukunft denke, denke ich nicht an Syrien.

 

11:17 capmint1: Wie habt Ihr Euch verändert - sowohl positiv als auch negativ? Hat die freiwillige Arbeit bei CARE Euch irgendwie geholfen?

Ibrahim:  Ja natürlich, viele Veränderung. Alle Veränderungen meines Charakters sind positiv. Meine Erfahrungen haben mich stark und verantwortungsbewusst gemacht. Meine Arbeit bei CARE hat mir gezeigt wie ich mit Menschen umgehen muss. Meine Persönlichkeit wurde gestärkt und ich kann mit unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten.

Hind: Es gab viele Veränderungen, aber nur positive, keine negativen. Meine Persönlichkeit wurde ebenfalls gestärkt und ich habe ein größeres Verantwortungsbewusstsein. Außerdem habe ich gelernt wie ich mich in verschiedenen Situationen verhalten sollte. Aber natürlich, die komplette Umgebung zu wechseln, ist negativ.

Anas: Für mich gab es auch Veränderungen, aber diese sind fast alle negativ: Depressionen, Einsamkeit, und schlechte Erinnerungen. Aber auf der positiven Seite, bin ich bescheidener geworden. Für CARE zu arbeiten bedeutet für mich mit „normalen“ Syrern zu arbeiten, während ich in Syrien eher nur mit der Oberschicht zu tun hatte. 

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12:01  Elizabeth Tsurkov: Was können Menschen auf der ganzen Welt tun, um den Syrern zu helfen?

Ibrahim: Spenden und Spenden sammeln, um es an die Menschen in Syrien zu schicken. Das ist das Wichtigste, dass geholfen werden kann.

Hind & Anas: Demonstriert in Euren Ländern, um Druck auf die Regierungen auszuüben, dass sie den Syrern helfen. Es gibt schon Demonstrationen in England und den USA, die versuchen, ihre Regierungen zu bewegen, etwas zu tun.

 

13:40 Damon Meredith:Manche Menschen haben Angst davor, dass andere in „ihr Land“ kommen und dort als Flüchtlinge leben? Könnt ihr in einem Satz sagen, warum sie Euch aufnehmen sollten?

Ibrahim: Wir sollten aufgenommen werden, weil wir auch Menschen sind und niemandem das Land gehört.

Hind: Ich wünschte, mehr Länder könnten syrische Flüchtlinge aufnehmen.

 

Die Menschen hinter den Tweets:
Hind
, 26, arbeitet seit zwei Monaten als Freiwillige bei CARE. Sie hat Umweltingenieurswesen in Halab studiert und arbeitete für die Regierung in Syrien. Sie ist vor sechs Monaten nach Jordanien geflohen.
Anas
, 24, kommt ursprünglich aus Damaskus und hat sein Diplom in Tourismus-Marketing gemacht. Es war Bodybuilding-Champion in Syrien. Zusammen mit seinem Bruder floh er nach Jordanien. Seine Familie ist noch in Syrien. Er arbeitet seit einem Monat als Freiwilliger bei CARE.

Ibrahim
, 19, arbeitet seit drei Monaten als Freiwilliger für CARE. Er hat die High School abgeschlossen und wollte sich danach an einer Universität einschreiben. Vor neun Monaten musste er jedoch mit seiner Familie fliehen.