Tansania: An die Staatsoberhäupter der Welt

Folge 5 der Serie: Wie erleben CARE-Mitarbeiter den Klimawandel?

Mein Name ist Mbarouk Mussa Omar und ich komme von einer kleinen Insel vor der Küste Tansanias mit dem Namen „Pemba“. Im Laufe meines Lebens habe ich gesehen, wie wertvolle Mangroven- und Waldökosysteme zerstört wurden, musste unter wirtschaftlichen Krisen leiden und mit ansehen, wie sich Seuchen und Krankheiten auf meiner Insel ausbreiten. Aber nicht nur das. Jeden Tag kann ich sehen, wie die Folgen des Klimawandels Pemba verändern.

Die Bewohner meiner Insel sind Fischer. Ich habe mitverfolgt, wie mehr und mehr Frauen und Männer ihre traditionelle Arbeit aufgeben mussten, weil unser freigiebiger Ozean immer weniger marines Leben birgt. Für ein neues Leben voller Unsicherheit musste eine Tradition, älter als unsere kollektive Erinnerung, aufgegeben werden. Vor zwei Jahren wurden die Bewohner Pembas in Ehrfurcht und Betroffenheit Zeugen, wie über vierhundert Delphine ohne offensichtlichen Grund in den Wassern um unsere Insel verendeten.

Neue Schädlinge und unbekannte Kräfte haben uns einen bedeutenden Teil unserer Mangrovenwälder genommen. Wegen dieses Verlusts nahm sich das Meer immer größere Abschnitte der Küstenvegetation der Insel Kisiwapanza. Ich musste zusehen, wie die Küstenlinie immer weiter ins Hinterland vorstieß und ein fruchtbares Ökosystem unter sich beerdigte. Für immer. Der Strand erstreckt sich dort jetzt zweimal so weit, wie in meiner Kindheit und ist übersäht mit Gebeinen – eine grauenhafte Erinnerung an das sich wandelnde Klima der Erde.

Kein Verlass mehr auf den Regen

Früher regnete es während unserer vier Jahreszeiten – „Masika“, „Kipupwe“, „Mchoo“ und „Kaskazi“ – in neun Monaten des Jahres. Während „Masika“ regnete es in der Vergangenheit auf Pemba und unserer Nachbarinsel Sansibar für sieben bis acht Tage und Nächte ohne Unterbrechung. Heute wissen wir uns nicht mehr zu helfen. Die grimmige Sonne wird nur hin und wieder von sporadischem Regen gemildert. Unsere Feldfrüchte und traditionellen Anbaumethoden enttäuschen unsere Bauern, so dass wir auf den Import von teuren Nahrungsmitteln vom Festland angewiesen sind. Gebiete, die früher für ihre Fruchtbarkeit und die dort produzierten Bananen, Cassavas, Hirse, Reis, Früchte und Gemüse bekannt waren, leiden unter einer schweren Dürre und mussten in den letzten Jahren Hungerphasen erleben. Pflanzenkrankheiten treten auf, wie die Schwarze Siga Toka und die Blattfleckenkrankheit auf Bananen, Fruchtfliegen und weiße Fliegen verpesten unsere Mangos und diverse Mosaik-Viren zerstören Cassavas, Erdnüsse und Reis. Diese Krankheiten und Schädlinge sind inzwischen weit verbreitet.

Unsere Flüsse sind ausgetrocknet, unsere Teiche vergessen und unsere Brunnen sind ohne Wasser. Eine niemals zuvor erlebte Wassernot kündigt sich an. Gewaltige alte Wälder bedeckten Pemba vom Süden bis zum Norden. Heute finden sich die letzten Relikte unserer Wälder in einem Schutzgebiet im Norden der Insel. Mit den Wäldern unserer Väter sind auch die Tiere verschwunden, die in ihnen lebten und die traditionellen Heilmittel, die unsere Krankheiten linderten. Verschwunden ist auch ihr schattenspendendes Dach, das uns Kühlung an heißen Tagen brachte. Unsere ausgelaugten Böden wurden trocken und unfruchtbar ohne ihre Wurzeln und das Wasser der Regenfälle läuft ins Meer, ohne zu versickern.

Darum, Staatsoberhäupter dieser Welt, flehe ich euch an.

Vereinigt die Welt im Kampf gegen den Klimawandel. Tut dies mit einem Vertrag, der in der Lage ist, sich an die kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Unterschiede unserer Erde anzupassen und anerkennt, dass jede Lösung die Menschen und Orte für die sie gemacht ist, berücksichtigen muss. Vereint den globalen Norden und Süden, klärt die Welt auf, stoppt erniedrigende Praktiken und stellt euch gegen die großen Konzerne, die sie anwenden. Die Bauern, die keine Ernte mehr einfahren, die Fischer, die ohne Fang nach Hause kommen und die Kinder, die einer unsicheren Zukunft entgegensehen, müssen von Ihnen die notwendige Bildung erhalten.

Wir tun dafür alles, was in unsere Macht steht und von Ihnen erwarte ich lediglich dasselbe.

Ihr Mbarouk Mussa Omar

CARE-Serie zur Klimakonferenz in Kopenhagen:

Folge 1 - Indonesien: Die Zukunft unserer Kinder
Folge 2 -
Peru: Klimawandel bedeutet Hunger
Folge 3
- Kenia: Rückschritt durch den Klimawandel
Folge 4 - Bangladesch: Das Wasser kommt
Folge 5 - Tansania: An die Staatsoberhäupter der Welt

Folge 6 -
Nepal: Was Du heute kannst besorgen...
Folge 7 -
Thailand: Der hohe Preis der Anpassung
Folge 8 -
Guatemala: Die Geschichte von Graciela Cabrera de Lopez
Folge 9 - Vietnam: Der Klimawandel findet JETZT statt
Folge 10 - Bangladesch: "Im letzten Jahr nahm sich die Flut unsere Ernte"