Tschad: „Auch kleine Verbesserungen sind ein Erfolg“

Dürre und Konflikte stellen die Menschen im Tschad vor große humanitäre Herausforderungen.

Annika Jenner, Projektassistentin bei CARE, reiste im Dezember in den Tschad. CARE betreut dort unter anderem Projekte zur Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung. Im Interview spricht sie über die Arbeit von CARE, die bestehenden Herausforderungen und ihre Eindrücke. 

Sie sind vor wenigen Wochen von einem Projektbesuch aus dem Tschad zurückgekehrt. Wie engagiert CARE sich dort?

CARE betreut momentan Projekte im Osten und Süden des Landes. Die Situation ist einerseits durch Flüchtlingsbewegungen aus dem Sudan geprägt, andererseits durch Konflikte in der Zentralafrikanischen Republik. Die Flüchtlingscamps bestehen hier bereits seit Jahren und sind mittlerweile mit den bestehenden lokalen Gemeinden verschmolzen. CARE hilft die Versorgung dieser „aufnehmenden Gemeinden“ zu gewährleisten, deren Einwohner durch die Besiedelung der Region mit den Flüchtlingen eine große Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen erleiden mussten. 

CARE hilft etwa durch den Bau von Viehbrunnen oder der Verteilung von dürreresistentem Saatgut. Außerdem unterstützen wir lokale Maßnahmen zur langfristigen Sicherung und Reproduktion des Saatguts.

Hier können Sie die Hilfe von CARE im Tschad und in anderen Ländern unterstützen.

Mit welchen Schwierigkeiten haben die Menschen in den Flüchtlingslagern zu kämpfen? 

Die humanitäre Situation im Osten des Tschad ist schlecht, nicht nur für die Menschen in den Flüchtlingslagern. Obwohl sich die politische Situation in der Region seit 2009 beruhigt hat, ist das Camp in Iriba hoffnungslos überfüllt. Das rasche Bevölkerungswachstum innerhalb der Lager verschärft das Problem. Die meisten Menschen sind auf eine externe Versorgung angewiesen. Hinzu kommen die extremen Wetterbedingungen und die schnelle Verbreitung von Krankheiten etwa über verschmutztes Wasser. Für die Flüchtlinge bedeutet das Leben im Camp natürlich auch, nicht in ihren Heimatdörfern sein zu können. Viele von ihnen sind mit ihren ganzen Familien geflohen, andere mussten aber auch Angehörige und ihr Hab und Gut zurücklassen. Viele sind mehrmals Opfer von Gewalt geworden. 

Lesen Sie mehr über das CARE-Projekt "Nahrung  für den Frieden" hier.

Welche Herausforderungen werden auf die betroffenen Menschen in naher Zukunft zukommen? 

Der Regen der letzten Monate war nicht ausreichend. Es gibt über 50 Prozent Ernteausfälle. Dadurch werden die Nahrungsmittel dieses Jahr noch knapper als in den Jahren davor. Das Ökosystem in der Region ist jetzt schon enorm belastet, die Bohrungen nach Wasser werden immer aufwendiger. Noch ist die Situation im Tschad noch nicht so kritisch wie etwa am Horn von Afrika. Momentan sind aber Kollegen vor Ort, um die Bedürfnisse der Menschen einzuschätzen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Menschen auch in Zukunft auf Hilfsorganisationen wie CARE angewiesen sein werden. CARE stellt sich darauf ein, in den nächsten Monaten vermehrt Hilfe zu leisten. Gleichzeitig bleibt die Situation zwischen den Flüchtlingen und der ansässigen Bevölkerung angespannt. Viele Menschen haben keine Existenzgrundlage, die wirtschaftliche und soziale Situation ist schwierig.

Sie waren schon häufiger im Tschad. Welche Eindrücke sind Ihnen von ihrem jetzigen Besuch besonders in Erinnerung geblieben? 

Ich habe insgesamt schon über ein Jahr im Tschad verbracht, in verschiedenen Teilen des Landes. Die Erlebnisse in einem Land wie dem Tschad sind in jeder Hinsicht intensiv. Besonders wichtig ist es zu erfahren, dass auch kleine Verbesserungen große Effekte erzielen können. Das schenkt neue Motivation, vor allem, weil die Arbeitsbedingungen hart sind. Erfolge lassen manchmal auf sich warten und sind nicht immer sofort sichtbar. Aber es sind auch kleine Veränderungen, die zeigen, dass die Arbeit von Hilfsorganisationen wie CARE wirkt. Für die Menschen im Lager bedeutet der Sack Saatgut, den sie bekommen, ein Stück mehr Selbstbestimmung. Wenn sie dann mit unserer Hilfe eine sichere Einkommensquelle haben, bedeutet dies mehr Freiheit und Würde.