Überblick: Die Hungerkatastrophe in Westafrika und die Hilfe von CARE

In der Sahelzone sind 18,7 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. CARE unterstützt die Menschen im Niger, Mali und Tschad im Kampf gegen Hunger, Dürre und Cholera

Bereits im Oktober 2011 bat die Regierung des Niger die humanitäre Gemeinschaft um Unterstützung für eine drohende Nahrungsmittelknappheit - CARE wies damals auf die bevorstehende Krise hin. Unregelmäßige Regenfälle und Insektenplagen haben nicht nur im Niger, sondern auch im Tschad, Mauretanien, Burkina Faso und Mali zu Lebensmittelknappheit geführt. Steigende Lebensmittelpreise verschärfen die Situation für kleinbäuerliche Gemeinden in der Region. Heute, fast ein Jahr später, sind insgesamt fast 18,7 Millionen Menschen in den neun Ländern der Sahelzone von Lebensmittelknappheit betroffen. Die Nahrungsvorräte waren in einigen Regionen bereits im Mai aufgebraucht. Viehzüchter mussten ihre Tiere und anderen Besitz verkaufen, um sich Lebensmittel leisten zu können. Aber ohne Nutztiere verlieren die Menschen auch ihre Existenzgrundlage. Die Folge: Mehr Kinder leiden unter Mangelernährung und Wachstumsstörungen. In der Sahelzone sind 1,1 Millionen Kinder unter fünf durch den Hunger lebensbedrohlich gefährdet, 4,1 Millionen Kinder gelten als unterernährt. Zusätzlich verschlimmern Cholera-Ausbrüche, gewaltsame Konflikte und Fluten die Situation der Menschen.

Die Lage im Niger

Schwindende Vorräte und gestiegene Lebensmittelpreise führten dazu, dass im August rund 1,4 Millionen Nigrer auf humanitärer Unterstützung angewiesen waren. Um die akute Not der Menschen zu lindern, verteilt CARE in vier Regionen des Landes Nahrungsmittel an bedürftige Familien. So konnten bereits rund 134.000 Menschen im Niger mit Lebensmitteln und knapp 16.000 Kinder mit Spezialnahrung versorgt werden. CARE hat zudem bereits an über 260.000 Menschen Bargeld verteilt, damit Familien nicht ihre letzten und lebenswichtigen Viehbestände verkaufen müssen. In der Region Tahoua versorgt CARE betroffene Bauern mit Saatgut und füllt Gemeindelager mit Tierfutter auf. Um Nahrungsmittelkrisen langfristig vorzubeugen, richtet CARE Frühwarnsysteme in den betroffenen Regionen ein und verteilt dürreresistenteres Saatgut und verbesserte Werkzeuge an die Gemeinden.

"Wasser ist Leben, Wasser ist die Seele" - das alte Sprichwort der Tuareg gilt vor allem in der Trockenzeit. Aber im August ist der Regen so heftig gefallen, dass der Fluss Niger über die Ufer trat und Überschwemmungen auslöste. In den acht betroffenen Regionen sind 81 Menschen in den Fluten ertrunken, fast 528.000 sind obdachlos geworden. Hinzu kommt, dass auch die Landwirtschaft teilweise durch die Überschwemmungen zerstört wurde. CARE unterstützt eine lokale Hilfsorganisation bei der Versorgung der Menschen. Über 400 Familien erhielten bereits Notfall-Kits mit Reis, Öl, Schlafmatten und Moskitonetzen.

Durch die anhaltenden gewaltsamen Konflikte in Mali strömen immer mehr malische Flüchtlinge in den Niger. Zusammen mit den nigrischen Rückkehrern aus Mali sind bis Ende Juli knapp 76.000 Menschen in das Nachbarland gekommen. Die Flüchtlinge bedeuten für die ohnehin von der Nahrungsmittelknappheit betroffenen Gastgemeinden eine zusätzliche Belastung. CARE verteilt daher zusammen mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) Getreide, Öl, Bohnen und nährstoffreiche Ergänzungsmittel im Flüchtlingslager Banibangou. Damit die Hilfe auch von Dauer ist, unterstützt CARE die nigrischen Heimkehrer bei dem Aufbau neuer Existenzgrundlagen. Mithilfe von "Starterkits" für verschiedene Berufe, der Ausgabe von Saatgut und der Gründung von rund 50 Kleinspaargruppen sollen die Rückkehrer in Zukunft für sich selbst und ihre Familien sorgen können.

Seit Mai wurden im Niger zudem vermehrt Fälle von Cholera gemeldet. Die Region Tillabéry im Westen des Landes ist am stärksten von dem Ausbruch betroffen, hier sind bereits 3.403 Menschen an Cholera erkrankt, 66 sind gestorben. Durch die heftigen Regenfälle ist außerdem die Trinkwasserversorgung in Teilen der Region Tahoua zusammengebrochen und es besteht auch hier die Gefahr eines Cholera-Ausbruchs. CARE repariert Brunnen im Flüchtlingslager Banibangou, um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser sicherzustellen. Sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen sind der Schlüssel im Kampf gegen die Cholera. CARE baut daher Latrinen und verteilt Seife und Wasseraufbereitungstabletten an 1.273 Familien.

Die Lage im Tschad

Im Sahel-Bereich des Tschads hat die aktuelle Nahrungsmittelkrise im August und September dieses Jahres ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. In diesem Teil des Landes sind 61 Prozent der Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Viele Menschen sind hier noch von der letzten Dürre geschwächt, Lagerbestände wurden noch nicht wieder aufgefüllt. Insgesamt sind im Tschad 1,6 Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen. CARE verteilt gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) bereits seit April dieses Jahres Nahrungsmittel an betroffene Familien in der Region Wadi Fira im Osten des Landes. Insgesamt konnten so über 272.700 Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Zusätzlich wurde an rund 2.000 Haushalte Saatgut und verbesserte Werkzeuge für die kommende Saison ausgegeben. Um die Wasserversorgung in dem Sahel-Gebiet des Tschad zu verbessern, repariert CARE 95 Wasserpumpen und verteilt rund 11.000 Wasserkanister.

Die Lage in Mali

Rund 4,6 Millionen Menschen und damit fast ein Drittel der Einwohner Malis sind von der Nahrungsmittelkrise betroffen. Verschlimmert wird die Situation in Mali durch den anhaltenden Konflikt. Bereits 442.775 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben oder mussten vor bewaffneten Gruppen fliehen - rund 269.000 davon in Malis Nachbarländer. Hinzu kommt ein Cholera-Ausbruch im Norden Malis, der bereits 12 Menschen forderte, 159 sind erkrankt. Heftige Regenfälle haben auch in Mali zu Überschwemmungen geführt, insgesamt sind fast 12.000 Menschen von den Fluten betroffen. In ihrem Blog lässt CARE-Mitarbeiterin Marie-Eve Bertrand die Menschen in Mali ihre Geschichten erzählen: "Bevor ihr kamt, hatten wir keine Hoffnung. Wir wussten nicht, wie wir noch weitermachen sollten. Wir konnten unsere Familien nicht mehr ernähren. Die erste Lebensmittelverteilung von CARE hat die Not gelindert, aber es war nicht genug. Unser ganzes Dorf hungert." CARE verteilt Nahrungsmittel an notleidende Familien und unterstützt die Menschen im Kampf gegen Hunger und Dürre.